Repräsentatives Eisenbahnfahrzeug als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt dank zahlreicher Spenden für die Instandsetzung und Sicherung der zu sanierenden Karosserie des Triebzugs VT 18.06.03 in Chemnitz-Kappel 30.000 Euro zur Verfügung. An der Karosserie sind verschiedene Schäden zu beheben, so an den Fenstern, dem Blechdach, der Lackierung, dem Fahrzeugboden, der Innenverkleidung, der technischen Installation und der Innenausstattung. Auch Graffiti sind zu beseitigen.
Zu den formschönen Zeugen ostdeutscher und insbesondere sächsischer Industriegeschichte gehören die eleganten Schnellverkehrstriebzüge (SVT) der Bauart „Görlitz". Vor sechzig Jahren vom damaligen VEB Waggonbau Görlitz als Typ VT 18.16 entwickelt und in 8 Serieneinheiten gebaut, waren diese seinerzeit sehr hochwertigen Reisezüge ein internationales Aushängeschild des deutschen Schienenfahrzeugbaus und der Deutschen Reichsbahn in der DDR.
Im September 1992 kaufte die Solaris Energie- und Umwelt-Beteiligungs-GmbH nach einer Fahrzeugbesichtigung am Abstellort in Berlin Rummelsburg von der Deutschen Reichsbahn den bereits seit Ende 1989 perspektivlos abgestellten vierteiligen Triebzug VT 18.16.03. Mitte Dezember wurde der Zug auf der Schiene zur Aufarbeitung nach Chemnitz überführt.
1991 endete in Chemnitz-Kappel der Betrieb der traditionsreichen Fettchemie-Werke. Nach Erwerb des stillgelegten Areals durch die Stuttgarter IN-Bau GmbH begannen im Folgejahr Abriss, Umweltschadenssanierung und die revitalisierende Neuentwicklung eines Technologie- und Gewerbeparks, der bis heute unter dem Namen Solaris bekannt ist.
Direkt an der Bahnstrecke Dresden-Werdau sowie dem Containerbahnhof Kappel gelegen, verfügte noch die Fettchemie mit einer werkseigenen Anschlussbahn schienenseitig über sehr gute logistische Bedingungen. In die Transformationsaktivitäten für den neuen Solaris Technologie- und Gewerbepark sollte aufgrund der guten infrastrukturellen Voraussetzungen sowie insbesondere mit dem Ziel eines sichtbaren gemeinschaftlich-identitätsstiftenden Bindeglieds zwischen Vergangenheit und Zukunft auch ein repräsentatives Eisenbahnfahrzeug integriert werden.
Die engere Wahl fiel auf ein einmaliges Sonderexemplar des VT 18.16, den vierteiligen ehemaligen Jugendklubzug „Ernst Thälmann" alias VT 18.16.03. Diese im Mai 1966 in Dienst gestellte Einheit war nach ihrem Ausscheiden aus dem regulären Betriebsdienst zu einem rollenden Veranstaltungsort umgestaltet worden und in dieser Funktion vom Mai 1985 bis Dezember 1989 Teil des staatlich gelenkten Zentralen Jugendobjekts „Streckenelektrifizierung". In dieser Zeit begleitete der VT 18.16.03 fahrend die sehr umfangreichen Elektrifizierungsneubauten auf den Eisenbahnhauptstrecken rund um Berlin.
Der Triebzug gehört nunmehr zu den jetzt über 880 Denkmalen, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale allein in Sachsen fördern konnte.