Schon bislang ist die Befundlage überraschend
Für die sondierenden restauratorischen Untersuchungen an der bauzeitlichen Wandmalerei in der Kapelle von Schloss Hartenfels in Torgau stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank zahlreicher Spenden sowie der Erträge der GlücksSpirale 19.600 Euro bereit. Konkret geht es um die Malerei an der Westwand neben der Orgel. Sie hat sich allein aus der Erbauungszeit des Schlosses Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten und ist außerordentlich bedeutsam. Die floralen und figürlichen Darstellungen gehörten ursprünglich zum umfangreichen Gestaltungsprogramm der Westwand. Die Untersuchungen sollen die Befundlage weiter klären.
Schon bislang ist die Befundlage überraschend. Neben der schon bekannten floralen Gestaltung mit Ranken aus gestieltem und gedrehtem Laub- und Astwerk, Blüten, ringförmigen Schlingen, Perlenketten und Zierspangen ergänzen figürliche Darstellungen das Bildprogramm. Drei Engel zieren den oberen Abschluss zum Gewölbe. Anordnung und Symbolgehalt lassen auf ein ursprünglich reiches und inhaltlich komplexes Bildprogramm schließen. Ein nackter Engel hält Kreuz und Granat- bzw. Reichsapfel in den Händen, zu ihm blicken zwei weitere Engelsköpfe auf. Kreuz und Reichsapfel können als Insignien für göttlichen Schutz und Weltherrschaft gedeutet werden. Beide sind eng miteinander verbunden und stehen als Metapher für die kurfürstliche Nähe zu Gott, als Bekenntnis zum christlichen Glauben.
Als Hauptsitz der ernestinischen sächsischen Kurfürsten vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis Mitte des 16. Jahrhunderts war Schloss Hartenfels neben Wittenberg das politische Zentrum der Lutherischen Reformation. Hier wurde die als erster evangelischer Kirchenneubau errichtete Schlosskapelle 1544 von Martin Luther selber geweiht.
Die Burganlage fand erstmals 973 Erwähnung. Kaiser Karl V. nannte sie bei seinem Einzug 1547 "eine recht kaiserliche Burg". Sie erhebt sich 10 Meter über der Elbe auf einem Porphyrfelsen und wirkt weit in die Auenlandschaft hinein. Unter Herzog Albrecht und Kurfürst Ernst entstand ab 1470 das eindrucksvolle Renaissance-Schloss als unregelmäßiger Vierflügelbau. Ab 1485 residierten hier die Ernestiner, nach der Schlacht bei Mühlberg gingen Stadt und Feste 1547 an die Albertiner über und blieb eine der wichtigsten Residenzen bis ins 17. Jahrhundert.
Schloss Hartenfels zählt zu den bedeutendsten Bauten der sächsischen Renaissance, insbesondere der von 1533 bis 1538 errichtete Johann-Friedrich-Bau mit dem "Großen Wendelstein" von 1536 und der Kapellenflügel mit dem "Schönen Erker" von 1544 sind Hauptleistungen der Frührenaissance in Deutschland. Der dem Friedrichsbau als Turm mit eleganter Treppe vorgelagerter „Große Wendelstein“ weist eine so kühne Konstruktion der spiralförmigen Stiege auf, dass sein Erhalt bis zum heutigen Tag wie ein Wunder erscheint.
Schloss Hartenfels gehört seit 1991 zu den jetzt über 880 Denkmalen, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale allein in Sachsen fördern konnte.