Um die Kirche im Ortsteil Seehausen zu erhalten, muss sie dringend weiter instandgesetzt werden
Die Sicherung der evangelischen Dorfkirche St. Paul im Ortsteil Seehausen der Stadt Wanzleben‑Börde wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt. Am Dienstag, den 9. Juni 2026 um 11.00 Uhr wird Prof. Christian Antz, Ortskurator Magdeburg der DSD, den Fördervertrag vor der Kirche symbolisch an Pfarrer Lutz Brillinger überreichen.
Der Betrag setzt sich aus zweckgebundenen Spenden zusammen, die auch durch einen Aufruf in „Monumente“, dem Fördermagazin der DSD, gesammelt werden konnten. Gefördert werden mit den Mitteln Mauerwerksarbeiten – verputzen, verfugen, stabilisieren, untermauern – im Rahmen der dringend nötigen Sicherungs- und Stabilisierungsarbeiten an Baugrund, Kirchenschiff und Kirchturm, damit die Kirche dauerhaft erhalten werden kann. Es ist bereits das fünfte Mal, dass die DSD Arbeiten an der Kirche fördert, zuletzt wurden etwa 2024/2025 Mittel für die Notsicherung des Turms bereitgestellt. 2002/2003 erfolgte die erste Förderung. Neben der Sanierung von Mauerwerk und Putz sind seither auch Wartungsarbeiten am Dach und die Mauerwerkssanierung im Sockelbereich unterstützt worden.
Die evangelische Kirche St. Peter und Paul zählt zu den ältesten Dorfkirchen der Magdeburger Börde. Sie wurde vermutlich um 1148 errichtet und erstmals als Archidiakonatskirche erwähnt, eine Kirche, die dem regionalen Verwaltungsbezirk eines Erzdiakons zugehört. Die Kirche befand sich im Besitz des Erzbistums Magdeburg und war als Mater Ecclesiae, als Hauptkirche, bedeutsam für die Region. Die Kirche St. Peter und Paul entstand im damaligen mittelalterlichen Nordendorf, jetzt Seehausen, und prägt bis heute die Silhouette des Ortes und die Landschaft der Börde.
Der aus behauenen Bruchsteinen errichtete Bau ist ein mustergültiges Beispiel romanischer Architektur in Sachsen‑Anhalt. Der Bau zeigt den für die Romanik typischen, klar gegliederten Aufbau: Auf den rechteckigen Westturm mit Satteldach, der eine beeindruckende Größe aufweist, folgen der Hauptraum der Kirche und der etwas schmalere Altarraum mit halbrundem Abschluss.
Charakteristisch sind ebenfalls die sogenannten Schall- oder Klangarkaden: rundbogige, gleichartige und nebeneinanderliegende Schallöffnungen im Turm, die dazu beitragen, dass sich der Schall der Glocken im Turm bündelt und in alle Himmelsrichtungen entweichen kann. Romanische Rundbogenfenster sowie das südliche Säulenportal mit Säulenköpfen in Würfelform und einfachem Pflanzendekor sind weitere typisch romanische Elemente. Auch im Inneren der Kirche hat sich das mittelalterliche Raum‑ und Nutzungskonzept weitgehend erhalten: Zu den bemerkenswerten Ausstattungselementen zählt die auf 1690 datierte Westempore.
Aufgrund ihrer bau‑ und kulturgeschichtlichen Bedeutung gehört die Kirche seit 2003 zur Straße der Romanik in Sachsen‑Anhalt und ist seit 2006 Teil der vom Europarat anerkannten europäischen Kulturstraße Transromanica. Damit nimmt die Kirche eine herausragende Stellung innerhalb der Denkmallandschaft der Region ein.
Seit den Dürrejahren ab 2017 hat sich der bauliche Zustand des Kirchengebäudes durch das Absinken des Grundwasserspiegels und Veränderungen im Baugrund verschlechtert, es kam zu erheblichen Rissbildungen am Westturm, am Kirchenschiff und am Chor. In der Folge musste das Gelände 2020 aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt werden.
Die nun geförderten Maßnahmen zielen auf die dringend notwendige statische Sicherung des Bauwerks ab, um weitere Setzungen und Folgeschäden zu verhindern. Nach Abschluss der Sicherungsarbeiten soll die Kirche schrittweise wieder nutzbar werden – unter anderem als offene Kirche für besondere Gottesdienste und kleinere Veranstaltungen.
Die St.-Peter-Kirche in Wanzleben-Börde ist eines der mehr als 680 Denkmale, die die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank Spenden, der Erträge der Treuhandstiftungen und der GlücksSpirale in Sachsen-Anhalt bisher fördern konnte.
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