Belastungen durch Wind und Schlagregen sollen minimiert werden
Das Schloss Hungen erhält Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) für die Verschieferung des Fachwerkaufbaus am Treppenturm auf der Nordwestseite der Anlage: Am Donnerstag, den 6. August 2026, um 11.00 Uhr übergibt Daniela Vogt, DSD-Ortskuratorin Marburg, den Fördervertrag über 14.000 Euro symbolisch an die Wohnungseigentümergemeinschaft Schloss Hungen, vertreten durch Ulrich Falk. Möglich ist die Unterstützung dank der privaten Spender der DSD und Erträgen der Lotterie GlücksSpirale.
Durch die Maßnahme soll die besonders exponierte Nord-Nordwest-Seite des Turms künftig dauerhaft vor Wind- und Schlagregenbelastungen geschützt werden. Vorgesehen ist eine Ausführung mit Naturschiefer in altdeutscher Deckung – hierbei wechseln sich breit und schmal zugerichtete Decksteine ab, die an historische Zustände des Schlosses anknüpft und den authentischen Charakter des Gebäudes erhält. Zugleich wird die empfindliche Bausubstanz langfristig gesichert und die Gefahr erneuter Schäden am Holzwerk des exponierten Fachwerkaufbaus des Treppenturms wird reduziert.
Schloss Hungen gehört zu den bedeutenden Denkmalen der Weserrenaissance im mittelhessischen Raum. Seine Wurzeln reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Jahrhunderte entstand ein vielschichtiges Ensemble mit Bauteilen und Fassadenelementen aus Gotik, Renaissance und Barock. Lange diente das Schloss dem Haus Solms-Braunfels als Wohnsitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort zunächst ein Altenheim betrieben, später nutzte eine Eisengießerei Teile der Anlage als Unterkunft für Gastarbeiter.
Seine heutige Bekanntheit verdankt das Schloss jedoch vor allem einer außergewöhnlichen Rettungsgeschichte. Als die stark sanierungsbedürftige Anlage Anfang der 1970er Jahre vor einer ungewissen Zukunft stand, schenkte die gräfliche Familie Solms-Braunfels das Denkmal 1974 einer privaten Initiative engagierter Bürger. Aus einer zunächst kleinen Gruppe entstand eine Wohnungseigentümergemeinschaft, die sich der Rettung und Erhaltung des Schlosses verschrieb. Das damals neuartige Konzept gemeinschaftlicher Denkmalrettung wurde von der Denkmalpflege als Pilotprojekt unterstützt und entwickelte sich zu einem weithin beachteten Beispiel bürgerschaftlichen Engagements.
Seit Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 1975 haben die Eigentümer erhebliche finanzielle Mittel und unzählige Stunden Eigenleistung in das Kulturdenkmal investiert. 2019 hat die DSD erstmals Restaurierungsarbeiten am Schloss unterstützt. Mit 50.000 Euro wurde damals die Instandsetzung der Giebel und der Fassade des Frauenzimmerbaus gefördert.
Schloss Hungen verbindet Denkmalpflege, Wohnen und Kultur und bürgerliches Engagement in besonderer Weise. In den historischen Gebäuden entstanden 23 Wohnungen. Darüber hinaus stehen Gemeinschaftsräume wie der „Blaue Saal“ und der ehemalige Pferdestall für kulturelle Veranstaltungen offen. Der 1976 gegründete Freundeskreis Schloss Hungen organisiert seit nunmehr 50 Jahren Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Konzerte und weitere Kulturveranstaltungen. Damit hat sich das Schloss zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Hungen und der Region entwickelt.
Schloss Hungen in Hungen ist eines der mehr als 300 Denkmale, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale bisher allein in Hessen fördern konnte.
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