Architektur, die mehr ist als Würfel mit Flachdach

1919 gründete der Avantgarde-Architekt Walter Gropius (1883-1969) in Weimar das Bauhaus. Mit der neuen Einheit aus Kunsthochschule, Kunstgewerbeschule und Bauakademie wollte er zeitgemäßes Wohnen für eine veränderte, moderne Gesellschaft schaffen. In den 14 Jahren seines Bestehens avancierte das Bauhaus in der Epoche des Neuen Bauens zu einer stilbildenden Institution, deren Einfluss bis heute wirksam ist.

Das Bauhaus-Konzept

Nachdem er von der Westfront zurückgekehrt war, begann der 33-jährige Gropius und Designer damit, seiner Faszination für die Debatten zur Reform der Lebenswelt, zu einem menschengerechten Wohnen und von der Rolle, die Architektur, Bildende Künste und Kunsthandwerk dabei spielen sollten, eine Heimat zu geben. Unter großherzoglich-sächsischer Herrschaft konnte er 1919 in Weimar das "Bauhaus" ins Leben rufen. Gut vernetzt und mit viel Gespür gewann Gropius als Lehrer so berühmte Künstler wie Paul Klee, Johannes Itten, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer, die ihre avantgardistischen Positionen am Bauhaus einbrachten und vermittelten. Sie leiteten als künstlerische „Formmeister“ mit jeweils einem Handwerksmeister die Werkstätten.

Kreativität und didaktischer Anspruch

Trotz Not und leerer Kassen nach dem Ersten Weltkrieg verbreitete sich eine Aufbruchstimmung, vieles schien für eine bessere, humanere Welt möglich. Die sozialutopische Idee des Bauhauses fiel auf fruchtbaren Boden: zweckmäßige, materialgerechte Entwürfe für die preisgünstige Massenproduktion zu liefern, die vom Wohnraum bis zu den Gegenständen des Alltagslebens reichten, in einem ansprechenden Design und für jedermann erschwinglich. Mit diversen Bauhaus-Ausstellungen ab 1923 warb man um die Aufmerksamkeit der Industrie, die Aufträge für Entwürfe von Textilien, Möbeln, Haushaltsgeräten und -zubehör vergab.

Weimar - Dessau - Berlin

Über die künftige Ausrichtung und die Führung der Schule führte man heftige Diskussionen. 1928 gab Gropius den Direktorenposten auf, um als freier Architekt in Berlin weiterzuarbeiten, vermutlich auch um vom international beachteten Bauhaus weiteren Schaden abzuwenden. Seine Standortwechsel 1925 von Weimar nach Dessau und 1932 nach Berlin erfolgten unfreiwillig: Unter dem Druck der konservativen, zunehmend rechten Kräfte wurden dem Bauhaus in Weimar die staatlichen Mittel gestrichen. Auch der Neubeginn in Dessau war nur von kurzer Dauer - zermürbt von den immer stärker werdenden wirtschaftlichen Zwängen und dem politischen Druck beschlossen die Meister im Juli 1933 als Akt geistiger Entscheidungsfreiheit, selbst das Bauhaus aufzulösen, um seine Ideale zu bewahren.

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Motiv "Geradlinigkeit"...