Wasserspeier am Kirchturm, Ulmer Münster, Baden-Württemberg

Wasserspeier am Ulmer Münster

Über den Superlativ des Ulmer Münsters wird immer geschrieben: Höhe 162 Meter, Weltrekord! Was da aber alles noch dran hängt, ist viel seltener Thema. Neben Türmen und Türmchen, Dachreitern, Portalen, Fenstern, Figuren gibt es auch kleinere Objekte, an denen sich Ihre Erschaffer mehr ausgelassen haben, als den Bauherren lieb gewesen wäre, hätten sie oben so nahe am Himmel noch mal nachgeschaut. Seltsame Figuren, mehr Quasimodo als Mensch, dazu Drachen, Tiere, Fabelwesen… im wahrsten Sinne des Wortes alles hohe Tiere, die so luftig am Münster hängen, dass sie dort oben der Allgemeinheit verborgen bleiben. Und so bleibt manches in der über 600jährigen Geschichte des Münsters unentdeckt, verwittert und ist trotzdem unbedingt erhaltenswert. Von einem Vogelstrauß ist allerdings nur das Hinterteil zu sehen. Idee eines Gesellen, der sich in die Tochter des Meisters verliebt hatte, und die er nach der Zunftordnung aber nicht heiraten durfte. So schaffte der Geselle eine Tierskulptur, die dem Meister und seinem Haus seinen Hintern entgegenstreckte… ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Abwehr böser Mächte

Da sich Wasserspeier ausschließlich an der Außenfassade der Kirchen und niemals innen befinden, symbolisieren sie den Einfluss des Teufels auf die irdische Welt, im Kontrast zur Reinheit des Himmelsreiches, für die das Innere der Kirche steht. Die Wesen haben den Ruf, Beschützer zu sein. Ihr dämonisches Aussehen soll den Geistern einen Spiegel vorhalten, sie vergraulen und somit Kirchen vor bösen Mächten schützen. Aber Wasserspeier haben vor allem einen ganz praktischen Grund: Sie leiten das Wasser von der Kirche weg. Denn das ist letztendlich eine der größten Gefahren für die Bausubstanz.

Ulmer Münster

Zum gotischen Münster selbst wurde 1377 der Grundstein gelegt, als die freie Reichsstadt Ulm durch Jahrhunderte noch römisch-katholisch war. Durch die Predigten des Ulmer Reformators Konrad Sam und der nachfolgenden Einführung des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses im Jahre 1520/1522 wurde das Ulmer Münster ein evangelisches Gotteshaus. Es überstand die Bombardierungen der Stadt Ulm am Ende des Zweiten Weltkrieges 1944/1945 weitgehend unbeschädigt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert seit langem den Erhalt und die Sanierung des großartigen Denkmals, und das nicht nur, weil es den höchsten Kirchenturm der Welt trägt, sondern eben auch kleinere Preziosen mit ihren ganz eigenen Geschichten.

Mehr Informationen zum Denkmal und wie die Stiftung helfen konnte finden Sie hier!

Motiv "Hohe Tiere"