Denkmalschutz
Ein Synonym für Nachhaltigkeit

Denkmalschutz – schon immer ein Synonym für Nachhaltigkeit

Wussten Sie, dass Gebäude für 54 Prozent des deutschen Müllaufkommens verantwortlich sind und 35 Prozent der CO2-Emissionen verursachen?

Bauwerke nachhaltig zu errichten und zu bewirtschaften, ist also bedeutsam, wollen wir die Erde in gutem Zustand für kommende Generationen bewahren.

Doch wie sieht unsere Lebenswirklichkeit aus? Bauplanung und Stadtentwicklung waren in den letzten Jahrzehnten in Deutschland stark von Abriss und Neubau geprägt. Bisher wurden – und werden weiterhin – immer mehr zusätzliche Flächen bebaut und so dauerhaft versiegelt. Bei Neubauten rechnet man mit kurzen Abschreibungen – und fördert gleichzeitig den Substanzverbrauch. Das steht im klaren Gegensatz zu dem Konzept der Nachhaltigkeit. Es werden in der Regel auch keine natürlichen Materialien mehr verwendet, sondern komplexe Verbundwerkstoffe, die in der Regel nicht mehr trennbar sind. Sie weisen meist eine geringe Reparaturfähigkeit auf und müssen bei Beschädigung durch neues Material ersetzt werden. Baustoffe, die in Denkmalen verbaut werden, sind hingegen einfach verarbeitet, gut trennbar und überaus reparaturfähig.

Dennoch fördert die Politik den Neubau – und zwar intensiv. Für den Erhalt wertvoller Bausubstanz hingegen tut sie bisher nur wenig. So sieht man immer wieder leerstehende Dörfer, beispielsweise in den neuen Bundesländern – und direkt daneben am Dorfrand ein Neubaugebiet! In der Praxis favorisieren wir Menschen – nicht zuletzt aus Gesichtspunkten der schnelleren Machbarkeit – eben leicht solche Lösungen, die nicht als nachhaltig einzustufen sind.

Denkmalschutz ist ein Gegenentwurf zu unserer schnelllebigen Zeit mit "Einweggebäuden". Eine Sanierung von Bestehendem ist vielleicht nicht immer die schnellste Lösung und sie benötigt genaue Planung – aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ist sie jedoch mehr als lohnend.  Gegenüber einem Neubau lassen sich bei Sanierungen rund zwei Drittel an Material einsparen. Entgegen der in der Öffentlichkeit verbreiteten Auffassung schneiden Renovierung und Anpassung von Gebäuden bei ganzheitlicher Bewertung von Baustoffen, Produktionsprozessen und Wiederverwertungsmöglichkeiten in der Regel deutlich besser ab als Abbruch und Neubau. Ein weiterer Vorteil: Bislang unberührte Grünflächen bleiben von Bebauung deutlich stärker verschont, wenn der Bestand optimal genutzt und erneuert bzw. denkmalgerecht saniert wird.

Die Tatsachen sprechen hier für sich: Denkmalschutz war schon immer ressourcenschonend, lange bevor das Thema zum Trend wurde. Auf dieser Seite haben wir für Sie noch einmal die wichtigsten Fakten zusammengestellt. 

Denkmalschutz ist nachhaltig, weil....

... hier vornehmlich regionale Baumaterialien Verwendung finden

Bis ins 18. Jahrhundert konnten sich nur Wohlhabende den teuren Transport von Baumaterialien leisten, der größtenteils auf herausragende Bauten wie Schlösser oder Sakralbauten begrenzt blieb. Deshalb bestehen viele historische Gebäude vorwiegend aus Materialien, die aus der direkten Umgebung stammen wie Holz aus dem regionalen Wald, Stroh aus dem örtlichen Getreideanbau, Lehm und Steine aus nahen Steinbrüchen und Lehmgruben. Holz aus dem bedrohten südamerikanischen Regenwald oder Kanada, Metalle aus Afrika oder Bambus aus dem weit entfernten China – solche Materialien kamen beim Bau von Gebäuden früher selten zum Einsatz und waren den Reichen vorenthalten, die es aufwendig über Land und Meer transportieren lassen mussten. Heute sind sich Denkmalpfleger ihrer sozial-ökologischen Verantwortung bewusst. Bei der fachgerechten Sanierung und Reparatur von Denkmalen werden deswegen wieder regionale Baustoffe bevorzugt. Beim Erhalt von Denkmalen wird darauf geachtet, dass originale und landestypische Materialien verbaut werden. Damit versteht sich von selbst: Der CO2-Fußabdruck von verbauten Materialien, die nicht zuvor mit dem Flugzeug rund um den Globus geflogen wurden, ist niedrig. Auch Holz aus fernen Urwäldern soll in der Denkmalpflege nicht verbaut werden – ein weiterer Beitrag zum Klimaschutz.

... vor allem natürliche Baumaterialien zum Einsatz kommen

Natürliche Materialien kann die Natur abbauen, Plastik und & Co. leider nicht. Mit der Entwicklung moderner Baustoffe nimmt auch die Verwendung künstlicher Zuschlagstoffe seit dem frühen 20. Jahrhundert in rasantem Maße zu. In der Denkmalpflege kommen größtenteils Baustoffe aus natürlichen Materialien zum Einsatz. Bei der fachgerechten Sanierung und Reparatur von Baudenkmalen greifen Handwerker, wenn ein Austausch geschädigter Bauteile notwendig ist, auf diese Materialien zurück. Sie sind einfach verarbeitet, gut trennbar und überaus reparaturfähig. Hinzu kommt, dass viele Denkmalschützer auf die Verwendung bedenklicher Stoffe verzichten. 

... erneuerbare Energien möglich sind

Energiewende und Denkmalschutz schließen sich nicht aus: Der Einsatz von erneuerbaren Energien wie Erdwärme, Photovoltaik und thermischen Solaranlagen ist oft auch bei Gebäuden mit historischer Bausubstanz möglich. Man muss sich hierbei natürlich mit der Denkmalschutzbehörde abstimmen. Manche Denkmale stellen grüne Energie her: Die Wassermühle Nideggen Embken beispielsweise: Das Wassermühlrad an der "Nicks Mühle" wurde wieder montiert und ist mit über acht Metern Durchmesser eines der größten Wasserräder im Rheinland. Interessant ist die Kombination von historischer mit moderner Wassertechnik: Die Mühltechnik wurde so ausgeführt, dass das Mühlrad nun auch grünen Strom erzeugen kann und so einen wirtschaftlichen Nutzen darstellt. Steuern kann man die Anlage über modernste Technik, beispielsweise ist ein Ein- und Ausschalten des Mühlrades über das Smartphone des Besitzers per Internet von überall aus möglich.

... energetische Ertüchtigungen gleich doppelt wirksam werden

Für die Dämmung von Denkmalen gelten Ausnahmen, um sicherzustellen, dass die verwendeten Materialien keine Schäden an den historischen Bauten bewirken. Bereits durch die sorgsame Auswahl eines modernen Heizsystems oder durch die Isolierung des Daches oder des Kellers lassen sich erhebliche Einsparungen erzielen. Je nach Gebäude kann allein die Heizung für 14 Prozent, der Keller für 11 Prozent und das Dach für 21 Prozent des Wärmeverlustes verantwortlich sein. Hier eingesetzte Mittel sind besonders effektiv, beugen teuren Folgeschäden vor und erhalten die Attraktivität des Denkmals.

...Denkmalschutz deutlich ressourcensparender als ein Neubau ist

Bei einer Sanierung lassen sich gegenüber einem Neubau rund zwei Drittel an Material einsparenDas senkt den Verbrauch von Substanzen enorm. Hinzu kommt, dass meist in der Gesamtbilanz weniger CO2 verbraucht wird. Entgegen der in der Öffentlichkeit verbreiteten Auffassung schneiden Instandsetzung und Anpassung von Gebäuden bei ganzheitlicher Bewertung von Baustoffen, Produktionsprozessen und Wiederverwertungsmöglichkeiten meist erheblich besser ab als Abbruch und Neubau. In neuen Häusern werden in der Regel auch keine natürlichen Materialien mehr verwendet, sondern komplexe Verbundwerkstoffe, die in der Regel nicht gut trennbar sind. Sie weisen meist eine geringe Reparaturfähigkeit auf und müssen bei Beschädigung ersetzt werden. All das sorgt für einen hohen Verbrauch - der auch bei der Vollemissionsrechnung nicht fehlen darf: Die Entsorgung von Stoffen müsste hier mit eingerechnet und vor Verbrauch des Baumaterials feste berücksichtigt werden. Denkmalbaustoffe hingegen sind hochgradig reparaturfähig. Ein denkmalgeschütztes Gebäude zu erhalten ist häufig umweltfreundlicher als neu zu bauen. Denkmalpfleger haben auch die Aufgabe, neue und zukunftsfähige Konzepte für die Nutzung der Denkmale zu erarbeiten und sie so vor Leerstand und Abriss zu bewahren.

... Wiederverwendung und Reparatur von Baumaterialien hier selbstverständlich sind

Im Denkmalschutz geht es vorrangig ums Erhalten, nicht ums Ersetzen oder Neuschaffen. So werden etwa bei der Instandsetzung von historischen Gebäuden wie Türmen oder Dorfkirchen häufig historische Putzfragmente des Außenputzes bewahrt. Nicht selten werden für die Rettung eines beschädigten, denkmalgeschützten Gebäudes die Gebäudeteile eines anderen historischen Gebäudes verwendet. So ist es beispielsweise möglich, den Fachwerkaufsatz bzw. ersten Stock eines historischen Hauses, das vor Ort nicht mehr gerettet werden kann, behutsam abzubauen und auf ein anderes, baulich sehr ähnliches Haus aufzusetzen, dessen erstes Stockwerk zerstört wurde. Häufig werden statt eines Stockwerks auch nur einzelne Bauelemente eines unrettbaren Gebäudes wie Teile des Fachwerkgerüstes, Türen, Bodenbeläge oder auch Gefachfüllungen in anderen denkmalgeschützten Objekten wiederverwertet. Grundsätzlich versucht man in der Denkmalpflege Materialien – sofern nicht unbrauchbar durch schwere Beschädigung – zu reparieren. Die Originalsubstanz soll bestmöglich gepflegt, repariert und erhalten bleiben. Schließlich macht sie den besonderen Charme des Denkmals aus – denn wer berührt nicht gerne Gemäuer, die alte Geschichten flüstern!?

...Denkmalschutz auch Tierschutz sein kann

Seltene Tierarten wie Fledermäuse oder Turmfalken leben häufig in alten Gemäuern wie etwa Kirchentürmen. Alte Gemäuer bieten deutlich mehr kleine Ritzen und Löcher in ihren natürlichen Bausubstanzen als moderne Neubauten. Denkmale mit ihren Gärten beherbergen viele bedrohte Vogelarten und Nutzinsekten, die in modernen Gebäuden keinen Lebensraum mehr finden. 

...durch Denkmalpflege auch bedeutende Grünflächen erhalten werden

Bauplanung und Stadtentwicklung waren in den letzten Jahrzehnten in Deutschland von Abriss und Neubau geprägt. Immer mehr zusätzliche Flächen werden bebaut – und so dauerhaft versiegelt. Neue Gebäude fressen oftmals zuvor begrüntes Land. Anders beim Erhalt von Denkmalen: Die alten Gebäude brauchen keine neuen Flächen. Viele historische Anlagen verfügen zudem über weitläufige Parks, fast immer mit altem Baumbestand, der als Rückzugsort für Baumbrüter wie Specht, Kleiber oder Kauz dient. Vielerorts stehen auch grüne Parks und Friedhöfe selbst unter Denkmalschutz. Denkmale bewahren heißt häufig eben auch: Grünflächen in städtischen Gebieten bewahren. 

...die Natur hier auch selbst zum Denkmal wird

Einige Denkmale sind nicht nur umweltfreundlich, sondern viel mehr: Sie sind schlichtweg ein Teil der Natur. So beispielsweise die beeindruckenden Tanzlinden, von denen es noch einige in Deutschland und Europa gibt. Sie sind nicht nur beeindruckend und ein Teil der Geschichte – sie binden auch aktiv CO2 und beherbergen Tiere. 


Was wir erreichen wollen:

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz arbeitet aktuell eigene Kriterien aus, mit deren Hilfe Bauherren, Denkmalpfleger und die stiftungseigenen Fachleute die Nachhaltigkeit eines Sanierungsprojektes noch genauer bewerten und messen können. Denkmalschutzkonzepte, die nachweislich als besonders umweltfreundlich einzustufen sind, erhalten im Auswahlprozess neuer Förderprojekte Pluspunkte. Am höchsten sind dabei die Kriterien Ökobilanz, Lebenszykluskosten sowie Flexibilität/Umnutzungsfähigkeit zu gewichten. Die erarbeiteten Kriterienkataloge sollen in Zukunft insbesondere auch Planern jenseits der Stiftung dabei helfen abzuschätzen, als wie nachhaltig ein Denkmal vor und nach der Sanierung einzustufen ist. Auch bei der Bewertung von Bewerbungen für Auszeichnungen, beispielsweise für den Bundespreis für Handwerk, soll Nachhaltigkeit in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

Wegweisende Modellvorhaben und Best-Practice-Beispiele möchte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz identifizieren und öffentlich bekannt machen, damit sie anderen als Ideenquelle und Beispiel zur Nachahmung dienen können.