Palais Salfeldt - ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Quedlinburg, Sachsen-Anhalt

Palais Salfeldt - ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Prachtpalais - ganz untypisch im Fachwerkmekka!

Quedlinburg ist vor allem bekannt für seine Fachwerkbauten. Das Palais Salfeldt am Kornmarkt - komplett aus Stein gebaut - fällt da dank des herrschaftlichen Anspruchs seines Erbauers völlig aus dem Rahmen. Der massive Steinbau Palais Salfeldt mit der Hausnummer 5 wurde laut Inschrift im Jahre 1737 fertiggestellt und diente Repräsentationszwecken. Das eingesetzte Baumaterial Stein zeugt vom einstigen Reichtum seines Erbauers. Denn Stein war in der waldreichen Region des Harzes wesentlich teurer als Holz. Im benachbarten Fachwerkbau war das einfachere Wohnhaus untergebracht.

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Neureicher Erbauer – Günstling der Fürsten

Das dreigeschossige Barockpalais weist eine prächtige Natursteinfassade auf, die von der großen mittigen Hofdurchfahrt bestimmt wird. Profilierte Gesimse trennen das Gebäude horizontal in drei Blöcke mit jeweils sechs Fenstern. Den Abschluss bildet ein mächtiges Walmdach mit zwei kleineren Gauben und einem großen Zwerchhaus. Palais Salfeldt weist noch viel Originalsubstanz auf. So sind die wandfesten Einbauten der Barockzeit - Stuckdecken, Türen, Kamine - erhalten. Insbesondere im 1. Obergeschoß zeugt das Musikzimmer mit seinem kostbaren Stuck im Régencestil vom Reichtum und Kunstsinn seines Erbauers, dem Kämmerer und Ratsherrn Röttger Salfeldt (geb. um 1780, gest. um 1745). Es gibt wenig Quellen über seine Person. Er muss damals wohl einer der reichsten Männer vor Ort gewesen sein.

Schon sein Vater Eckard Salfeldt (1647-1700) lebte prominent in der alten Stadt Quedlinburg. Ende des 17. Jahrhunderts war er der Bürgermeister. Ihm gehörte schon der Vorgängerbau des heutigen Barockpalais, das Brauhaus „Zum schwarzen Adler“. Kurz vor seinem Tod wurde Eckard Salfeldt noch zum Akzise-Inspektor ernannt. Er war somit für die Eintreibung der Verbrauchssteuer zuständig. In dieser Funktion arbeitete er eng mit dem Stiftshauptmann vom Schloss zusammen – ein Schlüssel zum höfischen Leben, in das auch sein Sohn Röttger hineinwuchs. Der nutze den ererbten Reichtum und vermehrte ihn durch Leihgeschäfte, zum Beispiel an die hohen Fürsten von Anhalt-Bernburg. Der Geschäftsmann Röttger Salfeldt nutzte seine Beziehungen und sein Geld, um sich und seiner Familie ein Denkmal bürgerlichen Wohlstands zu setzen. Von 1734-37 ließ er die Stuckaturen im Palais Salfeldt vermutlich von den gleichen Künstlern gestalten, die auch am Stiftsschloss von Quedlinburg gearbeitet hatten. Hinweis darauf geben gleiche oder ähnliche Arbeiten im Schloss. Der gesamte Neubau kostete Röttger Salfeldt 26.000 Reichstaler, nach heutiger Kaufkraft ein Vermögen.

Pleite nach Fertigstellung

Scheinbar war Röttger Salfeldt das Geld ausgegangen - ob durch den aufwendigen Bau oder säumige Schuldner ist nicht bekannt. 1745 - erst sieben Jahre nach seiner Errichtung und dem Tod seines Erbauers - musste der Palais bereits an den königlich preußischen Statthalter zu Quedlinburg vermietet werden. Ab hier wurde der Bau nicht mehr wesentlich verändert, bald konnten die Erben des Bauherrn die Unterhaltung des aufwendigen Baus nicht mehr aufbringen. Schließlich mussten sie das Gebäude 1785 zwangsweise für einen Spottpreis an die Stadt Quedlinburg verkaufen, die dort den ständigen Wohnsitz des Stiftshauptmannes einrichtete, des weltlichen Vertreters des Damenstiftes auf dem Schlossberg. Der Nach der Säkularisation kam ab 1815 das Gericht des Kreises Aschersleben im Haus unter, das auch später zu DDR-Zeiten hier arbeitete. 1997 erwarb die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lange leerstehende Gebäude von der Stadt. Aufgrund mangelnder Bauunterhaltung war das Gebäude durch den echten Hausschwamm befallen, dies hatte bereits massive Schäden zur Folge.

Von 1998-2001 stellte die Stiftung kontinuierlich erhebliche Mittel für die Generalsanierung von Palais Salfeldt zur Verfügung.

Fachwerkbau auf massivem Erdgeschoss mit Tordurchfahrt, im Kern 1660, Ausbau 1732-35, im Hof Wohn- und Speichergebäude z.T. massiv aus Backstein, 17./18. Jh., Förderung 2000-07

Adresse:
Kornmarkt
06484 Quedlinburg
Sachsen-Anhalt