Denkmale in Gefahr
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Anwalt für bedrohte Denkmale

Abriss droht. Eine bevorstehende Neubebauung rückt einem Denkmal bedenklich nahe. Eine geplante Umgestaltung  gefährdet die historische Bausubstanz oder droht sie zu verfälschen. Gründe, warum ein Denkmal in Gefahr geraten kann, gibt es viele. Fast täglich erreichen uns Meldungen über bedrohte Monumente – jeder Fall ist es wert, sich einzusetzen. Doch auch wir können nicht  jedes  Denkmal  vor  dem  Niedergang  bewahren. Aber gerade wenn die Entscheidungen und Gründe, welche zum eventuellen Verlust einzigartiger Bauwerke führen, wegweisend oder multiplizierbar sind und Schule machen könnten, erheben wir unsere Stimme. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz versteht sich als Fürsprecher der stummen Zeugen der Vergangenheit. Wir beteiligen uns aktiv an öffentlichen Debatten, sprechen Entscheider direkt an. Unsere Kompetenz und Expertise in Denkmalfragen werden gehört und ernst genommen. Nachstehend finden Sie eine Auswahl unserer Stellungnahmen.

Aktuell: Schutz für Nordrhein-Westfalens Denkmale

Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift!

Ihre Unterschrift kann helfen, dass der Schutz für Nordrhein-Westfalens Denkmale nicht brüchig wird! Entgegen aller Einwürfe aus der Fachwelt steht ein neues Denkmalschutzgesetz in dem Bundesland kurz vor der Verabschiedung. Auch wenn es der Name suggeriert, schützt das Gesetz keine Denkmale, sondern macht es zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen.

Wir bitten Sie eindringlich um Ihre Mithilfe - auch über Bundesland-Grenzen hinaus! Wir wollen verhindern, dass das Gesetz in dieser Form dem Landtag vorgelegt wird, denn es weist erhebliche Mängel auf. Dafür brauchen wir Sie! Es eilt - bis zum 5.7. möchten wir möglichst viele Unterschriften sammeln. Bitte unterzeichnen Sie die von uns gestartete Online-Petition! So können wir gemeinsam erreichen, dass der Gesetzesentwurf überarbeitet wird, Fachinstitutionen hierbei eingebunden und gehört werden und ein moderner Denkmalschutz möglich wird. Die Situation ist so dringlich, dass wir uns zum ersten Mal für diesen Weg entschieden haben. Bitte machen Sie mit und geben Sie Ihre Stimme für ein NRW, das auch in Zukunft stolz auf sein gebautes kulturelles Erbe blicken kann!

Drei Beiträge unserer Stiftung zur Debatte lesen Sie auf dieser Seite (siehe Stellungnahmen 2021 und 2020). 

Online-Petition unterstützen

2021

Offener Brief Denkmalschutzgesetz NRW vom 18.6.2021

18.6.2021

Offener Brief zur Novellierung des Denkmalschutzgesetzes NRW

An Ministerin Ina Scharrenbach, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung

Sehr geehrte Frau Ministerin,

wir haben es begrüßt, dass im Rahmen der Podiumsdiskussion im WDR 3 Forum am 13. April 2021 zur Novellierung des Denkmalschutz-Gesetzes NRW ein Austausch der Argumente stattfinden konnte. Es scheint jedoch, dass die inzwischen veröffentlichten, durchgängig kritischen Stellungnahmen aller in der Denkmalpflege engagierten Institutionen, Stiftungen, Verbände sowie von Wissenschaft und Forschung (siehe denkmalschutz-erhalten.nrw) auf die Weiterentwicklung der Novelle keinen Einfluss nehmen sollen.

Es ist uns wichtig, nochmals deutlich zu machen, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als größte private Initiative für den Erhalt unseres so stark reduzierten baukulturellen Erbes für ihre Aktivitäten in allen Bundesländern auch ein starkes Denkmalschutz-Gesetz braucht. Nur wenn die Bürger Vertrauen in die Wirksamkeit der Gesetzgebung haben, entsteht zusätzliches bürgerschaftliches Engagement.

Das aktuelle Gesetz in NWR hat sich bewährt, wie die von Ihrem Hause in Auftrag gegebene Evaluation deutlich gezeigt hat. Die Notwendigkeit einer umfassenden Novelle in der vorgelegten Form ist in der Diskussion in Köln nicht nachvollziehbar geworden. Lassen Sie mich daher nochmals zusammenfassen, gegen welche wesentlichen Kritikpunkte keine überzeugenden Gegenargumente zu finden sind:

  • Prioritäres Ziel eines Denkmalschutz-Gesetzes muss der Schutz der Denkmale sein, nicht deren wissenschaftliche Erforschung, der Wissensweitergabe und der Nutzbarmachung. Die Veränderung in der Reihenfolge der Benennung der Ziele wirkt hier irritierend. Verstärkt durch die Möglichkeit nach §8, der einen missverständlichen Nutzungsdruck aufbaut.
  • Die Berücksichtigung anderer öffentlicher Interessen wie Barrierefreiheit und Energieeffizienz kann nachrangig sicher Einzug finden und diese Nachrangigkeit sollte auch klargestellt werden. Das fehlt im Entwurf.
  • Der Wegfall der über viele Jahre bewährten Benehmensherstellung ist unverständlich. Die Argumente der Zeitersparnis treffen laut Evaluation nicht zu und es wurde auch kein anderes Argument benannt. Zur Einschätzung von Denkmalobjekten und Projekten bedarf es einer unabhängigen hohen und spezialisierten Fachlichkeit, wie sie in den den Landschaftsverbänden zugeordneten Denkmalfachämtern seit vielen Jahrzehnten aufgebaut wurde. Wie auch nur annähernd vergleichbare Kompetenzen und Strukturen bei den Kommunen aufgebaut werden sollten, bleibt ungeklärt. Es wird einen dramatischen Qualitätsverlust in der Bearbeitung der Projekte geben, der Verlust von wertvoller denkmalgeschützter Bausubstanz ist zu befürchten.
  • Ebenso unverständlich sind die Veränderungen im Procedere der Unterschutzstellung von Denkmalen. Auch hierfür wurde bislang kein Argument genannt.
  • Die Unabhängigkeit der Fachbehörden vermeidet Interessenskonflikte in den weisungsgebundenen Denkmalämtern der Kommunen im Umgang mit Denkmalen. Dies ist ein wichtiges Argument zum Schutze der Denkmale und gegen die geplante Veränderung des Gesetzes an dieser Stelle.
  • Sonderregelungen für kirchliche Bauten sind weder fachlich noch juristisch begründbar. Gleiches gilt für die vorgesehenen (und teilweise schon vorhandenen) unterschiedlichen Regelungen für Bau-, Boden- und Gründenkmale. Die geplante Novelle schafft hier Unklarheit und stellt eine große Denkmalgruppe in das freie Ermessen einer nicht staatlichen Institution. Für diese Elemente des Gesetzes wurde kein nachvollziehbarer Grund benannt.
  • Vermisst werden zukunftsfähige Ansätze, Denkmale als Wissensspeicher zu begreifen und ihre möglichen Beiträge, z.B. zum Klima- und Ressourcenschutz, über Standardverfahren hinaus zu nutzen.

In NRW sind gerade einmal 1,5-2 Prozent des Baubestandes denkmalgeschützt. Der Verlust an baukulturellem Erbe durch Krieg, Stadtplanung, Unwissen und kurzfristige wirtschaftliche Interessen Einzelner ist bereits immens. Dieses von uns heute für die kommende Generation nur verwaltete Erbe ist durch diese Novelle zusätzlich gefährdet.

Daher appellieren wir an Sie, die hohe Kompetenz und das große Engagement vieler Institutionen und Fachleute im Bereich der Denkmalpflege in NRW zu nutzen und Ihre Gesetzesinitiative zum Wohle der Denkmale in einer transparenten Diskussion zu überarbeiten. Durch die Veränderung der Förderpolitik hat das Land einen wichtigen und relevanten Schritt für den Erhalt der Denkmale umgesetzt. Es wäre schade, wenn das veränderte Gesetz in der bestehenden Form einen Rückschritt einleitete.

Wir werden diesen Brief veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Steffen Skudelny, Vorstand Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Lutz Heitmüller, Vorstand Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Den offenen Brief zum Download finden Sie hier.

Offener Brief Denkmalschutzgesetz NRW vom 8.4.2021

08. April 2021 

Stellungnahme zur Überarbeitung der Neufassung des Denkmalschutzgesetzes NRW

An Ministerin Ina Scharrenbach, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung

Sehr geehrte Frau Ministerin Scharrenbach,

wir haben die Überarbeitung der Neufassung des Denkmalschutzgesetzes NRW mit Spannung erwartet und gehofft, dass die von vielen Organisationen bemängelten Schwächen des ersten Entwurfs in der überarbeiteten Version behoben werden. Es geht um den wichtigen und wertvollen Denkmalbestand in NRW, der im Interesse der Allgemeinheit eines besonderen Schutzes bedarf. Doch der vorgelegte Entwurf erreicht nicht die von Ihrem Ministerium vorausgeschickten Ziele und ist entgegen der einführenden Worte alles andere als zukunftsorientiert.

Unsere dringende Empfehlung kann daher nur lauten, die Novellierung des Gesetzes dem z.T. jahrhundertealten und in NRW inzwischen immer rarer werdenden Schutzgut entsprechend noch einmal zu prüfen und eine sorgfältige Abwägung im Hinblick auf angemessene Berücksichtigung historischer Bautechniken, Transparenz, Partizipation und Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

Folgende Ziele des Gesetzes halten wir als Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) für
denkmalgefährdend:

1. Die Verschiebung des Ziels des Denkmalschutzgesetzes: an erster Stelle stehen nun wissenschaftliche Erforschung und Weitergabe des Wissens. Schutz und Pflege dagegen sind nachrangig und eingeschränkt nach Maßgabe des Gesetzes in Bezug auf Fremdinteressen. Das aktive Hinwirken auf eine Nutzung wird als neues Ziel formuliert. Im Zusammenhang mit der zulässigen Zumutbarkeit und der im Gesetz formulierten Fremdinteressen werden denkmalunverträgliche Nutzungen deutlich erleichtert. Dies kann nicht Ziel eines Denkmalschutzgesetzes sein.

2. Die fachliche Herabsetzung der Landesämter für Denkmalpflege durch den Verzicht auf Benehmensherstellung mit den Unteren Denkmalbehörden (UDB) bei Baudenkmalen mit dem Ziel der Verfahrensbeschleunigung und Durchsetzung von Bauherreninteressen mit dem Ergebnis, dass zukünftig die fachliche Zuständigkeit grundsätzlich in die Hände von Verwaltungskräften gelegt wird, denen es vielfach an ausreichenden zeitlichen
Ressourcen, umfassender denkmalpflegerischer Kompetenz und angemessener Unabhängigkeit mangelt und denen es dann beliebig anheimgestellt ist, die Fachbehörde einzubeziehen.

  • Die bereits kritisierte und nicht begründete Ungleichbehandlung von Baudenkmalpflege (Anhörung) und Bodendenkmalpflege (Benehmensherstellung) wird beibehalten. Die als neuer Begriff eingeführten Gartendenkmale bedürfen ebenfalls einer Benehmensherstellung. Bei baulichen zusammenhängen aus Gebäude und Garten oder Bodendenkmal und Baudenkmal (z.B. Burgruinen) wird das Verfahren unverständlich.
  • Den Fachbehörden bleibt zukünftig nach ihrer Anhörung mittels Stellungnahme in Angelegenheiten der Baudenkmalpflege bei abweichenden Entscheidungen der Unteren Denkmalbehörden allein die Möglichkeit, die Oberste Denkmalbehörde um Entscheidung anzurufen. Die bisherige Praxis zeigt, dass dieser Weg kaum Erfolgsaussichten hat.
  • Den fachlich nicht oder nicht ausreichend geschulten Mitarbeitern Unterer Denkmalbehörden fehlt auf Grund der Vielzahl von Bautechniken, Epochen und Besonderheiten fast durchweg die Kompetenz, Nutzungs- und Umbauwünsche richtig einschätzen zu können oder die Notwendigkeit zu erkennen, wann zusätzlicher fachlicher Rat eingeholt werden muss. Es wird nun lediglich die bloße Option eröffnet, sich dem Votum der Fachbehörde anzuschließen (auch wenn Abweichungen dokumentiert werden sollen), wo es vorher einen fachlichen Abwägungsprozess aller Anforderungen gab.
  • Der durch die Novelle in das Gesetz eingeschriebene Zeitdruck bei den oft auch personell zu gering ausgestatteten Verwaltungen kommt erschwerend hinzu.
  • Der Aufbau personell und fachlich gut ausgestatteter UDBs wird viel Zeit und Mehrkosten beanspruchen und der Erfolg bleibt ohne verbindliche Stellenprofile ungewiss. Welche langfristigen Verluste von Denkmalsubstanz aufgrund von renditeorientierten lnvestoreninteressen und durch Verwendung denkmalschädlichen Materials entstehen, zeigen uns als DSD heute eindrücklich die zunehmenden Unterstützungsanfragen aus der Bevölkerung für Denkmale in Gefahr oder Förderanfragen für die Sanierung der Sanierung aus jüngerer Vergangenheit. Der notwendige Bedarf an Fachpersonal, der durch die Schere zwischen der heutigen bauindustriell geprägten Bauwirtschaft und den Bedürfnissen des vielfach handwerklich gefertigten Denkmals entsteht, wird zum Erhalt des Schutzgutes Denkmal immer dringlicher.

3. lntransparenz:

  • Die Inventarisation von Denkmalen ist nicht mehr verbindlich geregelt, die Fachämter können Gutachten erstellen sofern ein Anfragender ein berechtigtes Interesse nachweist (§ 22 (3)). Die Eintragung in Denkmallisten steht damit aber nicht im Zusammenhang und die Fachämter können diese auch nicht anregen, wenn die Gemeinde kein Interesse hat. (§ 23 (4))
  • Das Führen der Denkmallisten soll bei der UDB liegen, die diese Aufgabe aber an die Fachbehörde übertragen kann, dies verursacht für den Bürger unklare Zuständigkeiten.
  • Der Verzicht auf eine verbindliche regional übergeordnete fachliche Sicht eröffnet unterschiedliche Vorgehensweisen von Kreis zu Kreis und öffnet lokalbedingten rein wirtschaftlichen und anderen Interessen Tür und Tor.
  • Es findet sich eine gestärkte Bevorzugung einzelner Gruppen von Denkmaleigentümern.

4. Zum Thema „zukunftsorientiert":

  • Es mangelt die Berücksichtigung des Potentials der Denkmale durch die Reduzierung auf
    aktuelle Betriebskostenfragen entgegen der notwendigen und sich inzwischen allerorten
    entwickelnden Gesamtbetrachtungen von Klima- und Energiefragen, Ressourcenschonung, Bauschuttvermeidung, ,,Circular Economy".
  • Partizipation wird zukünftig durch einen Landesdenkmalrat allenfalls sehr eingeschränkt ermöglicht, da er allein von der Obersten Denkmalbehörde zur Beratung einberufen werden kann und nicht bei Bedarf von den Mitgliedern oder einer interessierten Öffentlichkeit. Daher handelt es sich um eine Einbahnstraße, die allein von politischen Mehrheitsverhältnissen abhängig ist.

Als bundesweit fördernde Stiftung werden wir auch in NRW nach wie vor größten Wert auf eine mit den Fachbehörden abgestimmte Vorgehensweise legen. Ohne diese kann eine denkmalverträgliche, wert- und nachhaltige Instandsetzung nicht sichergestellt werden und damit würde eine Förderung, die einen Anspruch auf Mehrwert legt, kaum möglich. Wir haben oft genug erfahren, dass denkmalrechtliche Genehmigungen den fachlich notwendigen Anforderungen nicht ausreichend gerecht werden, da die Fachbehörden schon heute nur
eingeschränkt Einfluss nehmen können. Das führt zu nachteiligen Folgen für den Denkmaleigentümer, der durch die Behebung von fehlerhaften Sanierungen spätere Mehrkosten zu tragen hat, ganz zu schweigen von den Verlusten für die Denkmalsubstanz.

Wir werden mit Interesse und Sorge verfolgen, ob durch das aktuelle Denkmalförderprogramm des Landes der Erhalt des Denkmalbestandes in seiner Eigenart zum Ziel erhoben wird und welche Schwerpunkte dabei gesetzt werden.

Auch wenn es einige positive Änderungen in der Neufassung gibt, halten wir die aufgeführten Mängel neben weiteren für so gravierend, dass wir dringend zu einer weiteren Überarbeitung raten müssen.

Wir werden diesen Brief veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Steffen Skudelny
Vorstand

Lutz Heitmüller
Vorstand

Verteiler: Wissenschaftliche Kommission der DSD, Landschaftsverbände LWL und LVR, Bund
Heimat und Umwelt, Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, Deutsches Nationalkomitee für
Denkmalschutz, Verband Deutscher Kunsthistoriker.

Die Stellungnahme zum Download finden Sie hier.

Lesen Sie hier auch unsere Pressemitteilung dazu. 

Weitere Stellungnahmen der gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Denkmalschutz-Bündnis NRW Engagierten finden Sie unter www.denkmalschutz-erhalten.nrw

Pressemeldung zu den Umbauplänen der Lorenzkirche Nürnberg vom 22.3.2021

22. März 2021

Nürnberger Lorenzkirche muss erhalten bleiben

Einzigartige Raumwirkung lockt Touristenscharen

Vorstand und Wissenschaftliche Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) begrüßen die Entscheidung des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Nürnberg, die vorgelegten Bauplanungen für einen mit 6 Millionen Euro veranschlagten Einbau in die denkmalgeschützte St. Lorenzkirche in Nürnberg zu überdenken. Die Pläne wurden nach ihrer öffentlichen Vorstellung kurz vor Jahresende von Nürnberger Bürgern, Kunsthistorikern, Denkmalpflegern und Architekten heftig kritisiert. Nun heißt es, dass die Pläne überprüft werden sollen.

Geplant war, das Westportal als alltäglichen Besuchereingang zu öffnen und einen monumentalen Einbau im Inneren für Funktions-, Aufenthalts- und Lagerräume zu errichten. Der raumhohe dreigeschossige Einbau aus Beton, Stahl, Aluminium und Glas unter der Orgelempore und in den westlichen drei Seitenschiffsjochen hätte den Raum irreversibel zerstört. Der massive, aus harten Materialien errichtete Neubau hätte Raumklima und Akustik verändert, den Innenraum spürbar verkürzt und die gesamte historische Ausstattung bedrängt. Außerdem hätten die Rückwände der vorgesehenen neuen Räume einige der über 400 Jahre alten Fenster verdeckt. Erscheinungsbild und Raumeindruck eines der herausragenden gotischen Kirchenräume in Deutschland, eines Denkmals von nationaler Bedeutung, wären verloren.

Die Stiftung verweist auf die traditionell vorbildliche denkmalpflegerische Arbeit der Evangelischen Landeskirchen mit ihren Kirchenbauämtern. Die unzweifelhaft notwendige vorgesehene Aktualisierung der technischen und elektrischen Anlagen und die Beseitigung der im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hinzugekommenen, im Kirchenraum verteilten Einbauten, Behelfsverschläge und Gebrauchsmöbel soll die Wirkung des durch seine kostbare Ausstattung einzigartigen gotischen Predigtraums noch mehr zur Wirkung kommen lassen. Schon jetzt besuchen durchschnittlich 750.000 Gäste im Jahr die Lorenzkirche, ein Zeichen dafür, dass der Kirchenraum bereits eine immense touristischen Bedeutung hat.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz begleitete in den vergangenen dreißig Jahren partnerschaftlich zahlreiche Denkmalprojekte der evangelischen Kirche. Gerade die Rettung kleiner, durch Geldmangel und daraus folgendem Verfall bedrohte Dorfkirchen wurden in großer Zahl gerettet. In der St. Lorenzkirche unterstützt die DSD seit 2005 die aufwendigen, bis heute anhaltenden Instandsetzungsarbeiten, insbesondere die Restaurierung der wertvollen spätgotischen und renaissancezeitlichen Fenster sowie der Joche des Langhauses.

Die Informationen zum Download finden Sie hier.

2020

Baukulturelles Erbe wird bei der CO2-Steuer nicht berücksichtigt - Appell an Bundesumweltministerin Svenja Schulze

15. Dezember 2020

Baukulturelles Erbe wird
bei der CO2-Steuer nicht berücksichtigt

Appell an Bundesumweltministerin Svenja Schulze

In einem Brief an Bundesumweltministerin Svenja Schulze bitten führende Organisationen der Denkmalpflege in Deutschland die Ministerin, „die Sondersituation des baukulturellen Erbes in Deutschland zu berücksichtigen und sich für eine gesetzliche Ergänzung einzusetzen, die die Baudenkmäler von der CO2-Abgabe gänzlich ausnimmt”.

In dem Appell, der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte, der Deutschen Burgenvereinigung e.V., dem Verein Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. und dem Verein Familienbetriebe Land und Forst e.V. unterzeichnet ist, erinnern die vorgenannten Organisationen daran, dass Denkmaleigentümer durch den Erhalt ihrer Denkmale bereits einen hohen Beitrag leisteten an „sehr viel Zeit, Geld und Engagement“, um „die originale Denkmalsubstanz ihrer oft Jahrhunderte alten Baudenkmäler zu erhalten“. Zudem verlange „die Ressource schonenden Eigenschaften unserer wertvollen Baudenkmäler“ bereits „eine entsprechende Ausnahmeregelung“. So fordern die Unterzeichner abschließend, dass der aktive Klimaschutz „auch Lösungen für den dauerhaften Erhalt von Baudenkmälern als Teil der Landeskultur anbieten“ müsse.

Anlass für das Schreiben sind das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) vom 12.12.2019 sowie das Erste Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes vom 3.11.2020 und die darin enthaltene pauschale Regelung zur CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe. Durch sie werde auch den Bewahrern des baukulturellen Erbes eine zusätzliche CO2-Abgabe abverlangt.

Den Absendern des Schreibens stehen die Eigentümer der rund 660.000 Baudenkmäler in Deutschland vor Augen, denen die „Denkmalschutzgesetze der Länder vorschreiben, weder eine Außendämmung an den historischen Fassaden unserer Baudenkmäler anzubringen, noch erneuerbare Energien mittels Photovoltaik oder Solarthermie auf den Dachflächen zu nutzen”. Sie würden durch die Abgabe bestraft, weil sie sich an geltendes Recht halten müssten. Das beträfe insbesondere die Besitzer von Fachwerkhäusern, Bürgerhäusern und sonstigen Kleinoden unserer vielfältigen Kulturlandschaften.

Gleichzeitig werde „die gute Gesamtenergiebilanz unserer Jahrhunderte alten Häuser außer Acht gelassen”. Hier seien sowohl die Gesamtenergiebilanz wie auch die CO2-Gesamtbilanz von Gebäuden zu bewerten und nicht nur der Energieverbrauch der aktuellen Nutzungsphase. Beispielsweise habe „ein gut gedämmter Neubau bis zum Nutzungsbeginn ein Tausendfaches an Herstellungsenergie mehr verbraucht als eines unserer Baudenkmäler mit Natursteinwänden oder Fachwerk und Holzbalkendecken“.

Die Informationen zum Download finden Sie hier

Offener Brief Erhalt Städtische Bühnen Frankfurt vom 16.11.2020

Offener Brief 16. November 2020

An den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, die Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig, den Planungsdezernenten Mike Josef und den Baudezernenten Jan Schneider

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedauern die Entscheidung der Stadt Frankfurt am Main sehr, ihre architektonisch und geschichtlich bedeutende, in Teilen als Baudenkmal anerkannte Theaterdoppelanlage aus wirtschaftlichen Erwägungen abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Damit droht der Verlust eines herausragenden Zeugnisses der Theater- wie auch der Stadtgeschichte, das seit über 100 Jahren als zentrales Foyer der Frankfurter Bürgerschaft dient und durch den Umbau von 1959-63 wie kein zweites öffentliches Gebäude der Kommune für den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Aufbruch der Nachkriegszeit steht.

Beunruhigend ist aber nicht allein der geplante Abbruch des Gebäudes, sondern auch die Art und Weise, wie dieses Vorhaben in der Öffentlichkeit kommuniziert und begründet wird. Dies gilt insbesondere für die Reaktionen kommunaler Vertreterinnen und Vertreter auf das im Mai dieses Jahres vom Landesdenkmalamt veröffentlichte Gutachten, das insbesondere das Foyer des Gebäudes als denkmalwürdig anerkennt. In mehreren Stellungnahmen in der Presse sowie im Rahmen einer Pressekonferenz am 10. Juni hat sich die Kulturdezernentin der Stadt, Frau Dr. Ina Hartwig, in einer Weise zu diesem Gutachten geäußert, die wichtigen Grundsätzen des Denkmalschutzes widerspricht und die wir als Vertreterinnen und Vertreter des Fachs daher nicht unkommentiert stehen lassen können – zumal diese Aussagen und Argumente seither die Debatte über die Zukunft des Gebäudes bestimmen. Auch weil die Kulturdezernentin betont hat, dass für sie „der Denkmalschutz die Referenz sei“, erlauben wir uns, drei Aspekte klarzustellen:

1. Das Theaterfoyer ist als Baudenkmal geschützt!

Auf der Pressekonferenz hob die Kulturdezernentin hervor, dass das gesamte Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehe. Diese Aussage war in der Sache richtig, im Kontext aber irreführend. Richtig ist, dass nicht das gesamte Gebäude unter Schutz steht. Irreführend war die Aussage aber, weil anschließend die „Denkmalwürdigkeit“ des Foyers zwar erwähnt wurde, aber angesichts der einzig auf die Neubauvarianten fokussierten Diskussion nur als unverbindliche Empfehlung des Landesdenkmalamts erscheinen musste. Hierzu ist festzustellen: Das Foyer der Theaterdoppelanlage ist als Baudenkmal geschützt, da mit der gutachterlichen Feststellung des Denkmalwerts die rechtliche Unterschutzstellung einhergeht. Eine Eintragung in das Denkmalverzeichnis ist gemäß §11 des hessischen Denkmalschutzgesetzes nicht notwendig. Angesichts der in der öffentlichen Debatte vorherrschenden Verwirrung hinsichtlich der Verbindlichkeit des Denkmalgutachtens und des denkmalrechtlichen Status des Foyers wäre eine Eintragung in das Verzeichnis allerdings wünschenswert, um in diesem Punkt Klarheit zu schaffen.

2. Denkmalschutz bedeutet Substanzschutz!

Die Kulturdezernentin betonte außerdem, dass sie die im Gutachten dargelegte Begründung des Denkmalwertes des Foyers nachvollziehen kann. Sie plädiert daher für eine Übertragung des „ideellen Denkmalwertes“ und des mit der Architektur des Foyers verbundenen „Gedankens der Transparenz“ in einen Neubau. Dieser Argumentation auf Basis der begrifflichen Neuschöpfung des „ideellen Denkmalwertes“ liegt eine falsche Vorstellung von den Aufgaben des Denkmalschutzes zugrunde: Dessen vorrangige Ziele sind immer Erhalt und Pflege der Bausubstanz, denn mit der Substanz sind die Qualitäten und Werte des Denkmals, etwa als geschichtliches Zeugnis, untrennbar verbunden.

3. Das Foyer ist Bestandteil eines historisch vielschichtigen Gebäudekomplexes!

So wenig das Foyer auf ein beliebig aktualisierbares oder übertragbares Bild des Gedankens der Transparenz zu reduzieren ist, so wenig ist es als isoliertes Bauwerk zu betrachten und zu bewerten. Es wurde als Bestandteil eines in mehreren Etappen seit dem späten 19. Jahrhundert entstandenen Baukomplexes konzipiert. Dass dieses Gebäude als Ganzes einem „Puzzle“ gleichen mag, wie in der Pressekonferenz hervorgehoben wurde, ändert nichts an seiner Bedeutung als historisch vielschichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte, im Gegenteil. Ebenso wenig mindern die kleineren Umbauten des Foyers, das nicht mehr exakt im „Zustand von 1963“ erhalten ist, dessen Denkmalwürdigkeit – schließlich verringert es ja auch nicht den Denkmalwert des Römers, dass er einem „Puzzle“ gleicht und nicht mehr im Zustand von 1408 erhalten ist. Darüber hinaus ist es nicht nachvollziehbar, weshalb die in der Theaterdoppelanlage umfangreich erhaltenen Teile des 1899-1902 nach Plänen von Heinrich Seeling errichteten, anspruchsvoll gestalteten Schauspielhauses bei der Debatte über den Denkmalschutz bisher ebenso wenig berücksichtigt wurden wie die ab 1949 errichtete Drehbühne der Oper, damals die größte ihrer Art in Europa. Auch diese Bauteile hat das Gutachten hinsichtlich ihres Denkmalwerts gewürdigt.

Wir fordern daher die Stadt Frankfurt auf, sich öffentlich zur Unterschutzstellung des Theaterfoyers und zum Erhalt der geschützten Bausubstanz dieses Kulturdenkmals als Grundlage weiterer Sanierungs- und Umbauplanungen zu bekennen. Die durchgeführten umfangreichen Untersuchungen lassen nicht erkennen, dass es andere überwiegende öffentliche Belange gibt, sei es der Kosten oder der Nutzbarkeit, die einem Erhalt entgegenstehen. Der massive Sanierungs- und Erneuerungsbedarf betrifft überwiegend den nicht denkmalgeschützten Backstage-Bereich der Anlage. Es ist nicht nachvollziehbar, dass in Frankfurt nicht möglich sein soll, was an vielen Orten im In- und Ausland in den letzten Jahren und Jahrzehnten praktiziert worden ist: die Sanierung und Erneuerung von Theaterkomplexen – auch mit Teilneubauten – unter Beibehaltung der denkmalgeschützten Gebäudeteile. Denkmalschutz ist keineswegs gleichbedeutend mit Stillstand oder Rückwärtsgewandtheit, sondern lässt sich mit konzeptueller Innovation und Transformation der Gesamtanlage verbinden. Sicherlich benötigt Frankfurt heute einen anderen Spielbetrieb als vor 60 Jahren, aber leider fehlt in der Frankfurter Debatte bisher das Verständnis und die Fantasie für die Möglichkeiten, die ein Weiterbauen mit dem Bestand ermöglicht.

Die Stadt Frankfurt hält mit Recht ihre Bedeutung als herausragendes Zentrum moderner Architektur seit den 1920er Jahren hoch und möchte dieser mit einem Welterbeantrag Ausdruck verleihen. Es ist jedoch nicht einsichtig, dass die Stadt einerseits für ihre Siedlungen der 20er Jahre einen Welterbestatus beantragt, andererseits aber wichtige Baudenkmäler der Moderne opfert. Ein Erbe von Weltrang zu besitzen ist das eine, sich als Hüterin dieses Erbes als würdig zu erweisen ist das andere. Wir hoffen sehr, dass Frankfurt diese große Chance nicht verspielt.

Diesen Brief zeichnen:

für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Dr. Steffen Skudelny (Vorstand)

für ICOMOS Deutschland – Prof. Dr. Jörg Haspel (Präsident)

für den Verband Deutscher Kunsthistoriker: Dr. Martin Bredenbeck (Vorstandsmitglied für die Berufsgruppe Denkmalpflege)

für docomomo Deutschland: Franz Jaschke und Prof. Dr. Uta Pottgiesser (Vorstand)

für den Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege Prof. Dr. Chistian Raabe ( 1. Vorsitzender)

für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz: Prof. Dr. Christoph Zöpel(Vorsitzender), Prof. Dr. Matthias Müller (stellv. Vorsitzender)

Den offenen Brief zum Download finden Sie hier.

Anfrage zur Neufassung des Denkmalschutzgesetzes NRW

Frau Ministerin
Ina Scharrenbach
Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung
Jürgensplatz 1
40219 Düsseldorf

Vorab per E-Mail:
ina.scharrenbach@mhkbg.nrw.de
cc: Poststelle@mhkbg.nrw.de

Bonn, den 11. September 2020

Denkmalschutzgesetz NRW / Novellierung: Verfahren und Stellungnahmen

Sehr geehrte Frau Ministerin!

Wir wenden uns an Sie als landes- sowie bundesweite gemeinnützige Institutionen, die sich seit langem erfolgreich für Denkmalschutz und Denkmalpflege einsetzen.

Im Rahmen der Neufassung des Denkmalschutzgesetzes NRW haben wir, wie viele andere Organisationen und Privatleute, Anregungen zum Gesetzesentwurf der Landesregierung eingebracht. Zum Gesetzesentwurf wurden von verschiedenen Seiten erhebliche Bedenken geäußert. Der bevorstehende diesjährige Tag des offenen Denkmals® ist für uns nun Anlass zu einer Nachfrage zum Stand der Dinge.

Wir fragen daher an, wie das Verfahren weiter fortgesetzt wird und welche Zeitplanung in Ihrem Hause sowie in der Landesregierung und im Landtag vorgesehen ist.

Im Sinne eines transparenten Verfahrens bitten wir darum, dass unsere Stellungnahmen von Ihrem Haus öffentlich zugänglich gemacht werden. Außerdem bitten wir um eine Veröffentlichung sämtlicher Stellungnahmen, wobei wir davon ausgehen, dass es seitens der anderen Absender hierzu keine Bedenken gibt. Für unsere weitere Arbeit und das Zusammenwirken mit Ihrem Haus in dieser Sache wäre das eine wesentliche Unterstützung. Ebenfalls im Sinne der Transparenz werden wir diese Nachfrage nach dem Tag des offenen Denkmals® in unseren Netzwerken veröffentlichen.

Wir danken Ihnen im Voraus und verbleiben mit den besten Grüßen.

Unterzeichner:

Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz:
Dr. Steffen Skudelny
Schlegelstr. 1
53113 Bonn
Tel. 0228-9091-100
steffen.skudelny@denkmalschutz.de

Für die Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V.:
Hajo Meiborg
Bundesvorsitzender
Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V.
Nussbaumer Straße 55
51467 Bergisch Gladbach
Tel. 02202 2510199
buero@igbauernhaus.de

Für den Verband Deutscher Kunsthistoriker:
Prof. Dr. Kilian Heck, Erster Vorsitzender
Haus der Kultur
Weberstr. 59a
53113 Bonn
info@kunsthistoriker.org

Für den Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege e.V.:
Prof. Dr. Gerhard Vinken,
1. Vorsitzender
c/o Universität Bamberg – Lehrstuhl für Denkmalpflege / Heritage Sciences
Institut für archäologische Wissenschaften,Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte (IADK)
Am Zwinger 4
96047 Bamberg
gerhard.vinken@uni-bamberg.de

Für den Verband der Restauratoren e. V.:
Robert Wennemer
Sprecher Landesgruppe Nordrhein-Westfalen
Weberstraße 61
53113 Bonn
Tel. 0228 9268970
info@restauratoren.de

Für den Rheinischen Verein e.V.:
Prof. Dr. Christoph Zöpel
Vorsitzender
Dr.-Simons-Straße 2
50679 Köln
sekretariat@rheinischer-verein.de

Für den Westfälischen Heimatbund e.V.:
Dr. Silke Eilers
Geschäftsführerin
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel. 0251 203810-12
silke.eilers@whb.nrw

Für die Deutsche Burgenvereinigung e.V.:
Maximilian Nicolaus Fürst zu Bentheim-Tecklenburg
Präsident
Marksburg
56338 Braubach
Tel.: 02627/536
info@deutsche-burgen.org

Für die Deutsche Burgenvereinigung e.V.
Landesgruppe Rheinland, Vorstand:
Christian Vonderreck
Detmar Westhoff
Wildenbruchstraße 23
40545 Düsseldorf
Telefon: 0211 / 875 42 258
vonderreck@deutsche-burgen.org

Die Anfrage zum Download finden Sie hier.

Offener Brief Neugestaltung des Kurparks Bad Neuenahr nach Denkmalzerstörung vom 10.07.2020

An
Stadtverwaltung und Stadtrat
Bad Neuenahr-Ahrweiler
sowie lokale, regionale und überregionale Presse

10. Juli 2020

Offener Brief:
Kurparkanlagen Bad Neuenahr – Verlust und Neubeginn

Die Neugestaltung der Kuranlagen ist für die Zukunft Bad Neuenahrs von zentraler Bedeutung. Sie wird von uns und unseren Organisationen, die zumeist bundesweit für Baukultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege aktiv sind, aufmerksam verfolgt. Dabei gibt der derzeitige Zustand Anlass zu erheblicher Besorgnis. Wer heute den Kurpark betritt, sieht sich anstelle der jetzt vollständig abgerissenen historisch wertvollen Bauten aus der frühen Moderne (Architekt Hermann Weiser, Wettbewerb 1927, Bauzeit 1934-38) einer Brache gegenüber.

Nach der übergangsweisen Nutzung der Fläche für die Landesgartenschau steht erst im Herbst 2022 eine dauerhafte Neubebauung an. Wir plädieren dafür, diese Zeit für eine überzeugende Neuplanung zu nutzen. Angesichts der Stellung von Bad Neuenahr als Kurort von nationaler und internationaler Bedeutung und angesichts der städtebaulichen und kulturhistorischen Bedeutung des Neubaus kann aus unserer Sicht nur ein Architekturwettbewerb, der über die beiden bereits vorliegenden Neubauentwürfe hinausgeht, angemessene Beiträge zu einer Neuordnung und Neubebauung des Geländes liefern. Dabei ist auch die wichtige Wechselbeziehung zwischen der Architektur und den Parkanlagen zu thematisieren. Wir fordern Rat und Verwaltung Bad Neuenahrs dazu auf, diesen Weg zu beschreiten.

Der Wunsch der Stadt, zu einer Revitalisierung und Neugestaltung verschiedener für das städtische und touristische Leben wichtiger Angebote zu kommen, ist aus unserer Sicht nachvollziehbar. Für das Leben der Bürgerinnen und Bürger von Bad Neuenahr wie auch für Gäste, die Bad Neuenahr aus unterschiedlichen Gründen besuchen, ist ein zeitgemäßes Angebot von großer Bedeutung. Dass aber die Kurparkbauten und die ihnen zugrundeliegenden gestalterischen Konzeptionen an entscheidender Stelle überhaupt keine Rolle gespielt haben, ist aus unserer Sicht völlig unverständlich – zumal in Zeiten, in denen denkmalgeschützte Bauten ganz selbstverständlich als ein zentraler Baustein für die organische und identitätsstiftende Weiterentwicklung unserer Städte angesehen und wertgeschätzt werden. Denkmäler sind folglich für die Zukunft unserer Städte unverzichtbar. Der Verweis auf Städte wie Bad Nauheim und Bad Ems und deren sensiblen Umgang mit ihrem Bau-Erbe erscheint daher angebracht.

Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler plant auf dem Grund und Boden des abgerissenen Kulturdenkmals einen Neubau, der verschiedene städtische und touristische Funktionen vereinen soll. Der derzeitig diskutierte, insgesamt qualitätvolle Entwurf des Architekturbüros Pilhatsch (Bonn) reflektiert zwar die spezifischen funktionalen Vorgaben für Bibliothek, Konzertsaal und touristische Information, verzichtet jedoch auf die Gesamtschau des Ensembles von Gebäude und Parklandschaft, was offensichtlich von der Stadt nicht beanstandet wird. Die Einheit von Architektur und Parklandschaft bzw. ihre wechselseitige Beziehung aber war die bezwingende Idee der vormaligen Bauten von Herman Weiser und verdient auch in den Neubauten eine Revitalisierung.

Der Verlust der Kuranlagen bleibt aus unserer Sicht in höchstem Maße bedauerlich. Die herausragende und wertvolle Bausubstanz, die aus unserer Sicht im Rahmen einer eklatanten Fehlentscheidung aufgegeben wurde, ist nicht zu ersetzen. Jede Nachfolgebebauung ist die zweitbeste Lösung. Diese sollte es aber auch sein. Daher ist ein geeignet formulierter Wettbewerb, der neben funktionaler und gestalterischer Qualität auch sensiblen Umgang mit der Geschichte und dem städtebaulichen Kontext fordert, aus unserer Sicht der einzige Weg, um langfristig zu einer von allen mitgetragenen Neugestaltung zu kommen. Die Stadt Bad Neuenahr sollte sich dieses Instrument und die national wie international überaus zahlreichen in diesem Bereich profilierten Architekturbüros zu Nutze machen. Der aktuell vorliegende und von der Stadt favorisierte Entwurf des Architekturbüros Pilhatsch (Bonn) soll sich selbstverständlich in diesem offenen und fairen Verfahren zur Diskussion stellen dürfen.

Erneut erklären wir unsere Bereitschaft, an der Neugestaltung der Kurparkliegenschaften mitzuwirken und bieten der Stadt – ungeachtet der vergangenen Auseinandersetzungen um den Erhalt der Bauten von Hermann Weiser – unsere volle Unterstützung an.

Diesen Brief zeichnen:

für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz

- Prof. Dr. Matthias Müller, Universität Mainz, Stellv. Vorsitzender
- Dr. Ulrich Stevens, Brühl, Stellv. Landeskonservator a.D., Vorstandsmitglied
- Heiner Eckoldt, Bonn, Vorsitzender des Regionalverbands Bonn/Rhein-Sieg/Ahr

für den Bund Deutscher Architekten Landesverband Rheinland-Pfalz:

- Prof. Marcus Rommel, Stv. Landesvorsitzender

für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

- Dr. Steffen Skudelny, Berlin, Geschäftsführender Vorstand

für ICOMOS Deutschland

- Prof. Dr. Jörg Haspel, Berlin, Präsident

für den Bund Heimat und Umwelt in Deutschland

- Dr. Herlind Gundelach, Berlin, Senatorin a.D., Präsidentin

für Europa Nostra Deutschland

- Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, Schloss Sayn

für den Verband Deutscher Kunsthistoriker

- Prof. Dr. Kilian Heck, Greifswald, 1. Vorsitzender
- Dr. Martin Bredenbeck, Koblenz, Vorstandsmitglied für den Bereich Denkmalpflege

für die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL)

- Dr. Rita Hombach, Köln, Vorsitzende des Landesverbands Rheinland

für den Arbeitskreis Historische Gärten in der DGGL

- Heino Grunert, Hamburg, Stellv. Vorsitzender

für die Denkmalpflege an den Hochschulen

- Prof. Dr. Andreas Denk, Technische Hochschule Köln
- Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Bauhaus-Universität Weimar

aus dem Lenkungskreis „Bauhaus 100 im Westen“ als Vertreter des Rheinlands

- Prof. Dr. Thomas Schleper, Köln

für das Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

- Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann
- Dr. Jasmin Grande


Den offenen Brief zum Download finden Sie hier

2019

Pressemeldung zur Zustimmung des Bundesrates zum Denkmalabschlag bei der Grundsteuer vom 08.11.2019

Zustimmung des Bundesrates zum Denkmalabschlag bei der Grundsteuer

Würdigung der privaten Denkmaleigentümer

Der Bundesrat hat auf seiner Sitzung vom 8. November das Grundsteuer-reformgesetz beschlossen. Darin enthalten ist erstmalig eine zehnprozentige Ermäßigung für private Denkmaleigentümer. Denkmale in privatem Besitz, vom Fachwerkhaus bis zur Burg, prägen die Kulturlandschaften und schaffen Identität und Verbundenheit. Aus Anlass der Grundsteuerreform hatten sich sechs bundesweit aktive Denkmalorganisationen zu einem Denkmalbündnis zusammengeschlossen, um eine Schlechterstellung historischer Bauten gegenüber der bisherigen Gesetzeslage des Grundsteuer- und Bewertungs-rechts zu verhindern. Das Denkmalbündnis dankt allen Bundestagsabgeord-neten und dem Bundesrat für die gute Lösung, die auch ein wichtiges Signal für die Wertschätzung des Engagements privater Denkmaleigentümer in Deutschland darstellt, die auch im Sinne des Gemeinwohls Kulturdenkmale und ein Stück Heimat erhalten. „Mit dem Steuernachlass werden die Leistungen von über 500.000 privaten Denkmaleigentümern beim Erhalt unserer Kulturdenkmale zumindest gewürdigt“, so Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Durch die gesetzliche Erhaltungspflicht, das Veränderungsverbot und Nutzungseinschränkung sind private Denkmaleigentümer besonders belastet, wie wir als private Stiftung bei den von uns geförderten Objekten immer wieder feststellen.“

Unangetastet bleibt im neuen Gesetz die Möglichkeit für unwirtschaftliche Baudenkmäler eine Befreiung von der Grundsteuer zu beantragen.

Zum Denkmalbündnis gehören neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz der Verein Schlösser und Gärten in Deutschland, die Interessengemeinschaft Bauernhaus, der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, die Deutsche Burgenvereinigung und der Bundesverband der Familienbetriebe Land und Forst.  

Offener Brief zur höheren Grundsteuerbelastung für Denkmaleigentümer vom 23.05.2019

Keine höhere Grundsteuerbelastung für Denkmaleigentümer

Denkmal-Initiativen in Sorge

Im Rahmen des geplanten Gesetzentwurfes zur Grundsteuerreform darf es nicht zu einer höheren Belastung für private Denkmaleigentümer kommen. Davor warnen in einem gemeinsamen Appell sechs große Denkmalpflegeinitiativen in einem Brief an Finanzminister Olaf Scholz. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Verein Schlösser und Gärten in Deutschland, die Deutsche Burgenvereinigung, der Bundesverband der Familienbetriebe Land und Forst, die Interessengemeinschaft Bauernhaus und der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland fordern die Beibehaltung eines allgemeinen Denkmalabschlags bei der Grundsteuerveranlagung. Die sechs bundesweit aktiven Organisationen vertreten private Denkmaleigentümer und die Interessen von engagierten Bürgern im Denkmalschutz. Historische Baudenkmale prägen lebens- und liebenswerte Städte und Gemeinden und gestalten die vielfältigen Kulturlandschaften in Deutschland. Sie dürften bei der zukünftigen Grundsteuererhebung daher nicht wie normale Häuser des Baujahrs 1948 bewertet werden. Die bisherigen Ermäßigungen, die aufgrund der den historischen Bauten innewohnenden Faktoren wie Bauschäden, wirtschaftlicher Überalterung sowie erhöhter Unterhaltungs-, Erhaltungs- und Sanierungsaufwand gelten, dürften im neuen Gesetz nicht gestrichen werden. Private Denkmaleigentümer leisten mit der Erhaltung ihrer Denkmale einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung lebendiger Geschichte, der Schaffung von Identität und Heimat sowie als sekundärem Standortfaktor auch maßgebliche wirtschaftliche Werte. Die Eigentümer nehmen aufgrund der Erhaltungspflicht und dem Veränderungsverbot ihrer Denkmale sowie den Nutzungseinschränkungen und hohen Unterhaltungskosten bereits erhebliche Lasten auf sich. Die öffentliche Hand dürfe als Steuergläubiger nicht noch quasi zum Nutznießer der durchweg unwirtschaftlichen Übergrößen bei Baudenkmälern werden. Laut Schätzungen des statistischen Bundesamts werden von den rund 750.000 Baudenkmälern in Deutschland ca. 65-80 Prozent des baulichen Kulturerbes von privater Hand bewahrt und gepflegt.

Die Besonderheiten bei Denkmälern und die speziellen Belastungen der rund 4 Prozent unter Denkmalschutz stehenden Immobilien müssten auch weiterhin eine angemessene Berücksichtigung sowohl beim Ertragswert- wie auch beim Sachwertverfahren finden. Die Sondersituation bei Baudenkmälern scheint den Unterzeichnern des Schreibens an Finanzminister Scholz bisher leider gänzlich außerhalb der steuerpolitischen Betrachtung geblieben zu sein.

Anlage: Offener Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz

Pressemeldung zur gefährdeten Bad Neuenahrer Kuranlage vom 27.04.2019

Bad Neuenahrer Kuranlagen in Gefahr

DSD bietet Stadt erneut finanzielle Hilfe an

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt den Offenen Brief an den Stadtrat und den Bürgermeister der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen, zum Schutz der Bad Neuenahrer Kuranlagen, den am gestrigen Freitag Professor Dr. Matthias Müller für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Gutachter Professor Dr. Rainer Hempel, Professor Andreas Denk von der TH Köln, Dr. Herlind Gundelach für den Bund Heimat und Umwelt in Deutschland und Dr. Martin Bredenbeck für den Verband Deutscher Kunsthistoriker unterzeichnet haben. Für die DSD firmierte ihr Vorstand, Dr. Steffen Skudelny.

Nach dem Hinweis auf den öffentlichen Appell vom August 2018, in dem führende Organisationen der Denkmalpflege deutschlandweit die Erhaltung und Ertüchtigung der Kuranlagen aus den 1930er Jahren in Bad Neuenahr gefordert und unterstützt hatten, erinnert das Schreiben an das Angebot materieller und ideeller Hilfe seitens der Unterzeichner, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im April diesen Jahres erneut bekräftigt und mit einem finanziellen Förderungsangebot unterstrichen habe.

Mit Blick auf die kommende Stadtratssitzung am Montag, den 29. April 2019 appellieren die Unterzeichnenden nochmals „im Lichte der kulturellen Bedeutung und der möglichen Lösungen für eine Sanierung“ keinen Abriss zu beschließen. Ein solcher Beschluss wäre umso unverständlicher, als derzeit keine Option für einen Neubau vorliege und damit „der Verlust eines bedeutenden Denkmals der Kulturgeschichte, der Kunstgeschichte und nicht zuletzt der Stadtgeschichte Bad Neuenahrs zugunsten einer ‚grünen Wiese‘“ drohe.

Die Unterzeichner des offenen Briefs erinnern erneut daran, dass der einzig sinnvolle nächste Schritt die Erstellung eines Sanierungsgutachtens sei. Auf dessen Grundlage könne „ein Prozess angestoßen werden, der die Akquise finanzieller Mittel ebenso einschließt wie die konstruktive Vermittlung der Sanierung und Ertüchtigung dieses Kulturerbes an eine breite Öffentlichkeit“.

Schließlich sei mit Blick auf die bevorstehende Landesgartenschau „eine nicht abgeschlossene Sanierung kein Defizit, sondern im Gegenteil ein Zeichen des verantwortungsvollen Umgangs mit dem architektonischen Erbe für die Zukunft der Stadt und der Region“.

2018

Pressemeldung zum Erhalt der Gleishalle des Hauptbahnhofs Oldenburg vom 23.11.2018

Deutsche Stiftung Denkmalschutz begrüßt neuen Ansatz zum Erhalt der Gleishalle

Die Ergebnisse des von der Bahn in Auftrag gegebenen Gutachtens sind eindeutig: Die Sanierung und der Erhalt der historischen Gleishalle in Oldenburg ist möglich. Die im Bauausschuss der Stadt präsentierten Untersuchungsergebnisse sind auch für Klaus Büscher, den Leiter des Amtes für Umweltschutz und Bauordnung, ein positives Signal. Die Stadt hatte den Abriss der denkmalgeschützten Gleishalle und einen kostengünstigeren Ersatz durch einfache Gleisdächer oder den Versuch einer Rekonstruktion immer abgelehnt und wurde darin auch durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt. Sowohl die Zentrale in Bonn als auch das lokale Ortskuratorium der Stiftung unter der Leitung von Dörte Lossin haben sich immer wieder für den Erhalt der Gleishalle stark gemacht. Nun scheint die sachliche Grundlage für eine Entscheidung des Vorstandes der DB Station & Service zur Wiederherstellung der Gleishalle gelegt.

„Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die Gleishalle ein unverzichtbarer Bestandteil des überregional bedeutenden Bahnhofs-Ensembles in Oldenburg“, stellte die Stiftung bereits im April 2016 klar. „Wir begrüßen es außerordentlich, dass nun bei allen notwendigen Maßnahmen eine denkmalgerechte Lösung in Reichweite kommt“, so Stiftungsvorstand Dr. Steffen Skudelny.

Das Ensemble des von 1911 bis 1915 in den Formen des Heimat- und Jugendstils errichteten Oldenburger Bahnhofs, dessen Eigentümer die Deutsche Bahn AG ist, steht in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz. Während das Empfangsgebäude noch vor zehn Jahren denkmalgerecht instandgesetzt wurde, geriet die verglaste Stahlkonstruktion, die Reisende auf den Bahnsteigen vor dem Wetter schützt, in Vergessenheit und verfiel immer weiter und sollte dann aus Kostengründen durch standardisierte Einzelüberdachungen ersetzt werden.

Die Denkmalbehörden, der Stadtrat Oldenburg, die Oldenburgische Landschaft sowie der Architekten- und Ingenieurs-Verein Oldenburg (AIV) und der Bund Deutscher Architekten (BDA) haben sich gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für den Erhalt des Denkmals eingesetzt.

Nachruf zum Abriss der Immenrather Mühle am 18.10.2018

Die Immerather Mühle am Rande des Tagebaus Garzweiler II ist Geschichte

Noch bei einem Gespräch am 15. Oktober 2018 mit Vertretern von RWE warb der Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für ein Überdenken der Pläne zum Abriss der Immerather Turmmühle aus dem 17. Jahrhundert. Es wurde in den Raum gestellt, ob die eng an der Abrisskante für den Braunkohle-Tagebau Garzweiler II stehende Mühle nicht durch eine leichte Begradigung dieser Grenze zu retten gewesen wäre. Zum Zeitpunkt des Gesprächs war von einem unmittelbar bevorstehenden Abriss keine Rede. Umso größer die Bestürzung, dass der Energiekonzern RWE hier offenbar schnell Tatsachen schaffen wollte. Der Abriss des denkmalgeschützten Bauwerks erfolgte nur wenige Tage später, vollkommen unerwartet, am 18. Oktober.
„Lückenhafter Verlust von Holzschalung und Schindeln, ausgeprägte Verwitterungserscheinungen und Biegebrüche der Konstruktionshölzer, Veralgungen und Bemoosungen sowie Feuchteflecken des Mauerwerks mit stark durchfeuchtetem Putz." So las sich die Schadensbeschreibung der Immerather Mühle, die der Vorstand unserer Stiftung im Anschluss vom Energiekonzern RWE erhielt.

Seit dem Verkauf der denkmalgeschützten Mühle durch die Gemeinde Immerath an den Konzern warnte insbesondere die Initiative Kreativ gegen Kohle vor schnellem Aktivismus. Misstrauisch macht es, dass neben den Zwängen der Kantensicherung des Grubenbereichs von den Vertretern von RWE plötzlich auch Argumente wie der jahrzehntelange Leerstand und das Schadensgutachten des Sachverständigenbüros INEC Aachen herangezogen wurden. Dies wirkt geradezu zynisch: Die Schäden und der unterbliebene Bauunterhalt sind Folgen des vor Jahren genehmigten Abrisses und werden nun als Mit-Ursache umgedeutet. Zudem ist diese Darstellung auch sachlich nicht nachvollziehbar.

Vergleichbare Schadensbeschreibungen sind unserer Stiftung aus vielen Anträgen bekannt, und es ist nicht nur möglich, sondern auch üblich, solche Schäden zu heilen. Erfahrene Denkmalpfleger und Architekten wissen damit umzugehen, substanzschonende Restaurierungskonzepte zu erstellen und können nachhaltige Lösungen finden. Auch schwierige Fälle werden so im gemeinsamen Miteinander von Denkmalpflegern, Eigentümern, Handwerkern und Fördermittelgebern gerettet. Fast jedes geförderte Denkmal der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) kann eine solche Geschichte erzählen. Doch oft geht es in öffentlich diskutierten Fällen von gefährdeten Denkmalen wie dem in Immerath nicht um denkmalpflegerische Fragen: Der Zustand des Bauwerks wird vorgeschoben. Es geht um den grundsätzlichen Stellenwert, der der Bewahrung unserer gebauten Umwelt, der Geschichte unserer Heimat und unserer Kulturlandschaften zugestanden wird.

Dass sich der erste Bagger an der Immerather Mühle buchstäblich die Zähne ausbiss und ein zweiter Bagger herangebracht werden musste, zeugt von der hohen Widerstandskraft historischer Bauten. Der kurzfristigen Verzögerung ist es aber insbesondere zu verdanken, dass das traurige Zerstörungswerk durch Bilder des WDR und private Aufnahmen zumindest als mahnendes Geschichtsdokument unserer Epoche erhalten werden konnte.

Pressemeldung zur Klage gegen das Erzbistum wegen Teilabriss in der St. Hedwigs-Kathedrale, Berlin, vom 06.09.2018

Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Künstler bei der Verteidigung ihrer Rechte

Die Auseinandersetzung um die drohende Zerstörung des denkmalgeschützten Innenraums der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale kommt zur rechtlichen Überprüfung vor Gericht. Finanziell unterstützt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), haben die Künstler, die von 1956 bis 1963 am Wiederaufbau der Kathedrale unter der Leitung von Hans Schwippert beteiligt waren, bzw. deren Rechtsnachfolger Ende August 2018 Klage beim Verwaltungsgericht und beim Landgericht Berlin eingereicht. Sie beantragen die Aufhebung des rechtswidrigen denkmalrechtlichen Bescheids des Bezirksamts Mitte von Berlin und den Schutz des Denkmals.

Das Bezirksamt Mitte als Untere Denkmalbehörde hatte im März 2018 dem Antrag des Erzbistums Berlin auf denkmalrechtliche Genehmigung des geplanten Um- und Neubaus der St. Hedwigs-Kathedrale stattgegeben. Vorausgegangen war der Widerspruch des Berliner Landesdenkmalamts, der durch den Berliner Kultursenator als oberstem Denkmalpfleger des Landes ausgesetzt wurde. Gegen den Bescheid des Bezirksamts wiederum hatten die Künstler bzw. ihre Rechtsnachfolger Widerspruch eingelegt. Sie bezweifeln die Rechtmäßigkeit der denkmalrechtlichen Genehmigung, unter anderem, weil verwaltungs- und verfassungsrechtliche Belange nicht berücksichtigt und denkmal- und urheberrechtliche gänzlich übergangen worden seien. Diesen Widerspruch wies das Bezirksamt als unzulässig ab.

Die St. Hedwigs-Kathedrale mit dem unter der Leitung von Hans Schwippert geschaffenen Innenraum ist ein einzigartiges Gesamtwerk, sowohl als Gemeinschaftsleistung ost- und westdeutscher Künstler in der Zeit des Wiederaufbaus in Deutschland, als auch in liturgie- und kunsthistorischer Hinsicht. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich im Rahmen der geltenden Gesetze für den Erhalt und die Sanierung des originalen Denkmals ein. Die Absicht des Erzbistums Berlin, den denkmalgeschützten Innenraum der Berliner Kathedrale fast vollständig zu zerstören, ist unverständlich. Die Preisgabe des staatlichen Denkmalschutzes wird kaum absehbare Folgen für die Denkmalpflege in Sakralbauten in Deutschland haben. Deshalb unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die gerichtliche Überprüfung dieses Vorhabens.

Öffentlicher Aufruf zum Erhalt der Kuranlagen in Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz, im August 2018

Die Menschen in Europa feiern 2018 das Europäische Kulturerbejahr. Unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ steht für uns die identitätsstiftende Kraft des gemeinsamen baukulturellen Erbes im Mittelpunkt, darunter die europäische Bäderkultur. 2019 wird mit der 100-Jahr-Feier der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar symbolisch an den Beginn der Architektur der bedeutenden klassischen Moderne erinnert, Bauten und Anlagen dieser Zeit werden international gewürdigt.

Die Unterzeichner rufen vor diesem Hintergrund die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler dazu auf, 

  • sich zum einzigartigen Kulturerbe der Kuranlagen und  -bauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert in seiner Ganzheit zu bekennen,
  • den vollständigen Abriss des bedeutenden Bauabschnitts der 1930er Jahre im Stil der Klassischen Moderne nicht weiter voranzutreiben,
  • mit  aller  Kraft  Konzepte  einer  denkmalgerechten  (Teil-)Sanierung dieses   Bauteils   zu   entwickeln   und   den   Bestand   behutsam weiterzubauen, und
  • die technische Machbarkeit der Sanierung erneut zu prüfen und sich an vorhandenen Sanierungsbeispielen zu orientieren.

Bad Neuenahr besitzt mit seinen Kuranlagen und Kurbauten ein einzigartiges Ensemble, das deutschlandweite und internationale Bedeutunghat. Die in den 1850er Jahren entdeckten Quellen und der sogenannte „Verschönerungsplan“ des königlichen Gartenbaudirektors Peter Joseph Lenné von 1858 bildeten den Ausgangspunkt für die Entwicklung. In einem Zeitraum von über 150 Jahren entstand eine Struktur, an der sich heute alle Zeitschichten und ihre typischen Merkmale ablesen lassen, insbesondere: 

  • der Lenné'sche Entwurf von 1858, mit Wegesystem, Gehölz- und Wiesenstrukturen als Beispiel für eine Landschaftsplanung,
  • die Zeit größter Prosperität um 1900, mit überaus repräsentativ gestalteten Bauten wie dem Grandhotel und dem Casino, als Beispiel für die Baukunst des Historismus, und
  • die in den 1920er Jahren projektierten, in den 1930er Jahrengebauten neuen, modernen Kuranlagen, u.a. mit Trinkhalle und Kolonnaden, als Beispiele für das Wirken der Klassischen Moderne und deren zeitgenössische Rezeption.

Die Elemente der Zeitschichten bis in den 1930er Jahre sind denkmalkonstitutiv und machen die Entwicklung eines Heilbades überaus anschaulich. Die verschiedenen Umbauten der zweiten Hälfte des  20. Jahrhunderts, als Reaktion auf Veränderungen im Kurbetrieb, in Technik und Ästhetik, könnten bei einer denkmalgerechten Ertüchtigung hingegen zeitgemäß erneuert werden.

Nach den aktuellen Planungen der Stadt Bad Neuenahr ist die Bauphase der 1930er Jahre akut vom Abriss bedroht. Mit dem Verlust dieser von Hermann Weiser, einem Schüler von Peter Behrens, gestalteten Anlagen würde das Ensemble in Neuenahr eine wichtige Zeitschicht verlieren. Deutschlandweit wäre der Verlust eines der sehr seltenen Zeugnisse einer Bäderarchitektur unter dem Einfluss   der Klassischen Moderne zu verzeichnen. 
Die Unterzeichner zeigen großes Verständnis für die aktuelle Lage der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Hier sehen wir u.a.:

  • die nachweisliche Sanierungsbedürftigkeit der Bauteile von Hermann Weiser, statische und tragwerksplanerische Herausforderungen, mögliche Schadstoffbelastungen und entsprechend   hohen zu erwartenden Kostenaufwand,
  • den  Wunsch  der  Verantwortlichen, Neuenahr als zeitgemäße, attraktive Kurstadt weiterzuentwickeln,
  • die bevorstehende Landesgartenschau 2022 als zeitgemäßes Instrument der Attraktivitätssteigerung einer Stadt.

Wir haben jedoch kein Verständnis für die derzeit verfolgte Vorgehensweise der Stadt, die den Eindruck nahelegt, dass das Kulturerbe letzten Endes als Last abgewertet und mit Berufung auf rein technische Umstände sein Abriss favorisiert wird. Stattdessen sollten nach unserer Ansichtunbedingt ergänzende Gutachten zur Sanierungsfähigkeit und die Analyse von bautechnischen Vergleichsbeispielen in Auftrag gegeben und sich um das Einwerben von Zuschüssen des Landes und des Bundes (Denkmalschutzsonderprogramm) sowie um private Sponsoren bemüht werden. 

Eine Teilerhaltung der Bauteile von Herman Weiser halten wir für die zweitbeste Alternative; für den Fall eines Abrisses halten wir die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbes für angemessen, um  dem bedeutenden gestalterischen Kontext eine neue Zeitschicht hinzuzufügen.  
 
 
Köln, im August 2018

Diesen Appell zeichnen
 
für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL)
Prof. Dr. Christoph Zöpel, Staatsminister a.D., Vorsitzender
Prof. Dr. Matthias Müller, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Stellv. Vorsitzender
Dr. Ulrich Stevens, Hauptkonservator a.D., Vorstandsmitglied
Dipl.-Ing. Heiner Eckoldt, Vorsitzender des Regionalverbands Bonn/Rhein-Sieg/Ahr
 
für die Denkmalpflege an den Hochschulen
Prof. Dr. Gabi Dolff-Bonekämper, Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Andreas Denk, Technische Hochschule Köln
 
für den Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)
Dr. Herlind Gundelach, Senatorin a.D., Präsidentin
 
für die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL)
Dr. Rita Hombach, Vorsitzende des Landesverbands Rheinland
 
für ICOMOS Deutschland
Prof. Dr. Jörg Haspel, Präsident
Prof. Dr. Sigrid Brandt, Vorstandsmitglied
Dipl.-Geogr. Volkmar Eidloth
 
aus dem Lenkungskreis „Bauhaus 100 im Westen“ als Vertreter des Rheinlands
Prof. Dr. Thomas Schleper
 
für das Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann
Dr. Jasmin Grande
 
für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD)
Dr. Steffen Skudelny, Geschäftsführender Vorstand
Dr. Holger Rescher, Abteilungsleitung Denkmalkunde/Verlag
 
für den Verband Deutscher Kunsthistoriker (VDK)
Prof. Dr. Kilian Heck, Vorsitzender
Dr. Martin Bredenbeck, Vorstandsmitglied für das Berufsfeld Denkmalpflege
 
für Europa Nostra Deutschland
Alexander Fürst Sayn-Wittgenstein-Sayn, Präsident
 
für die Lenné-Gesellschaft Bonn
Kajo Kusen, Vorsitzender

Pressemeldung gegen die Zerstörung der Hedwigs-Kathedrale, Berlin, vom 26.07.2018

Bürger treten für den Erhalt der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale ein

Stiftung unterstützt Künstler im Kampf gegen die Zerstörung der Hauptstadt-Kathedrale

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt den Widerspruch der Urheberrechte-Inhaber der denkmalgeschützten Ausstattung der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale gegen die denkmalrechtliche Genehmigung des geplanten Umbaus des Gotteshauses vom 22. März 2018.

Der Widerspruch der Künstler bzw. ihrer Rechtevertreter richtet sich gegen den denkmalrechtlichen Bescheid der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Diese hatte am 5. Februar 2018 als Oberste Denkmalbehörde dem Antrag des Erzbistums Berlin auf denkmalrechtliche Genehmigung des geplanten Um- und Neubaus der St. Hedwigs-Kathedrale und des benachbarten Bernhard-Lichtenberg-Hauses stattgegeben. Der denkmalrechtliche Bescheid erging am 22. März 2018. Damit widersprach die Oberste Denkmalbehörde ausdrücklich dem fachlichen Votum des Landesdenkmalamts Berlin. Das Erzbistum Berlin führte für seinen Antrag allgemein liturgische Bedürfnisse an. Gründe für die Notwendigkeit der mit der Baumaßnahme beabsichtigten nahezu vollständigen Entfernung des denkmalgeschützten Innenraums bis auf die nackte Wand wurden nicht genannt. Eine verfassungsrechtlich erforderliche Abwägung zwischen den vom Erzbistum vorgebrachten Interessen und den Belangen des Denkmalschutzes unterblieb.

Die DSD sieht in der Genehmigung ein verheerendes Signal für den Schutz von Sakralgebäuden in Deutschland, wenn mit der Hedwigs-Kathedrale die Ausstattung eines hochbedeutenden kulturhistorischen Bauwerks nicht beispielgebend restauriert werden soll, sondern vielmehr unter Einsatz erheblicher kirchlicher und öffentlicher Mittel, unter Vernachlässigung des Berliner Denkmalrechts und unter Negierung des außerordentlichen Denkmalwerts zerstört werden kann.

Die denkmalrechtliche Genehmigung nimmt die Zerstörung nahezu des gesamten denkmalgeschützten Innenraums der Kathedrale in Kauf. Die Stiftung dagegen setzt sich uneingeschränkt für eine denkmalgerechte, nach eingehender Abwägung mit dem Landesdenkmalamt abgestimmte Instandsetzung und Restaurierung des Kirchengebäudes und der dafür geschaffenen wandfesten und beweglichen Ausstattung ein.

In ihrem Widerspruch stellen die Künstler bzw. deren Rechtevertreter die Rechtmäßigkeit der denkmalrechtlichen Genehmigung grundsätzlich infrage. Weder sei das Berliner Denkmalrecht berücksichtigt noch die verfassungsrechtlich vorgesehene Güterabwägung vorgenommen worden. Zudem verletze die aus ihrer Sicht widerrechtlich ergangene Genehmigung der nahezu vollständigen Zerstörung des Innenraums der Kathedrale ihre Urheberrechte.

Die im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Kirche wurde als Hauptsitz der Katholiken in Berlin von 1957 bis 1963 unter Leitung von Hans Schwippert wiederaufgebaut und in einer einzigartigen Gemeinschaftsleistung ost- und westdeutscher Künstler in herausragender Qualität ausgestattet. Geschaffen in enger Abstimmung mit der zeitgleich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil erarbeiteten Liturgiereform ist der Raum auch liturgiegeschichtlich von einzigartiger Bedeutung. Diese geschichtsträchtige und künstlerisch hochwertige Kulturleistung steht unter Denkmalschutz.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz würdigt ausdrücklich die große Leistung und Verantwortung der Kirchen in ihrer Eigenschaft als Eigentümer zahlreicher Denkmale. Die Kirchen und ihre Gläubigen schufen vielfach unter größten Mühen unersetzliche Kulturdenkmale, die unser Land prägen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schätzt diese außerordentliche Kulturleistung der Kirchen und fördert vielerorts den Erhalt dieser Kulturschätze. In diesem Sinne setzt sich die Stiftung auch für die Erhaltung des Innenraums der St. Hedwigs-Kathedrale ein.

Die Stiftung unterstützt das damit verbundene bürgerschaftliche Engagement für einen zentralen historischen Identifikationsort der Katholiken in Berlin. Den Rahmen dafür bildet das Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin sowie die Schranken der für alle geltenden Gesetze.

Pressemeldung gegen den Umbau der Hedwigs-Kathedrale, Berlin, vom 02.03.2018

Wissenschaftliche Kommission der DSD erschüttert über Entscheidung zum Umbau der Hedwigskathedrale Berlin

Falsches Signal

Die Ankündigung des zuständigen Berliner Kultursenators, die sogenannte denkmalrechtliche Genehmigung zum Umbau des denkmalgeschützten Innenraums der St. Hedwigs-Kathedrale auf Antrag des Erzbistums Berlin vorab zu erteilen, versetzt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und ihre Wissenschaftliche Kommission in Sorge. Über 50 Jahre nach seiner Entstehung und Nutzung soll nun ein weltweit einzigartiger Sakralraum, der als „herausragende Raumschöpfung der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg“ gilt, aus angeblichen liturgischen Gründen zerstört werden.

Die aus namhaften Experten aus Denkmalpflege, Architektur und Kunstgeschichte bestehende Kommission befürchtet, dass mit dieser nicht im Einzelnen belegten Begründung nicht nur ein einzigartiges Gesamtkunstwerk und Geschichtszeugnis beseitigt wird, sondern auch ein völlig falsches Zeichen für die denkmalpflegerische Verantwortung der Kirchen gesetzt wird. Wertvolles Kulturgut aus neuen Nutzungserwägungen zur Disposition zu stellen sei nicht akzeptabel, so die Kommission. Es sei ein Dammbruch in der Denkmalpflege zu befürchten, wohingegen bisher die respektvolle Orientierung der Nutzung an den Originalbestand des Denkmals unbestrittene Priorität habe. Hier zeigt sich die Wissenschaftliche Kommission über das mangelnde Gespür der Verantwortlichen im Berliner Erzbistum für ihre Vorbildfunktion zutiefst enttäuscht. Die erhofften nicht unerheblichen öffentlichen Fördermittel müssten dem Erhalt des Denkmals dienen, nicht seiner Zerstörung. Die Kommission verweist auch darauf, dass sich erhebliche Teile der Kirchengemeinde und der Öffentlichkeit bis heute stark mit diesem besonderen Kirchenraum identifizieren.

Auch nach der Liturgiereform des vergangenen Jahrhunderts hätten die Berliner Erzbischöfe die Gottesdienste in der Hedwigs-Kathedrale gefeiert, ohne dabei liturgische Mängel geltend zu machen. Der Innenraum des im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten Kirchengebäudes sei zwischen 1958 und 1963 in einer beispiellosen Solidaraktion von Ost und West mit dem Besten, was Deutschland damals zu bieten hatte, entstanden. Der westdeutsche Architekt Hans Schwippert (1899-1973), auf den in Bonn der Umbau des Parlamentsgebäudes des Deutschen Bundestages und des Palais Schaumburg als Bundeskanzleramt zurückgeht, hatte die Pläne dazu in enger Abstimmung mit seinen Auftraggebern im Berliner Bistum ausgearbeitet und mit einem hochkarätigen Team von Bauleuten und Handwerkern verwirklicht. Dabei schufen ost- und westdeutsche Künstler die Ausstattung, deren Werke ansonsten in Museen zu sehen sind.

Zentrale Bestandteile der Gestaltung sind die Confessio der Unterkirche, die über einen offenen Treppenabgang erreichbar ist, und die miteinander über eine Stele verbundenen Altäre von Unter- und Oberkirche. Der ursprünglich barocke Bau erhielt damit eine Zeitschicht, die mit der Einbeziehung der Grablege des Märtyrers und Dompropsts Bernhard Lichtenberg auf die jüngste Geschichte verweist und die die bereits sich abzeichnenden liturgischen Veränderungen des II. Vatikanischen Konzils vorwegnahm.

Das DSD-Gremium erinnert nochmals an die Stellungnahme der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vom Juli 2017, um an die historische Vernunft der Verantwortungsträger zu appellieren. „Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz plädiert für die Erhaltung des … Innenraums der St.-Hedwigs-Kathedrale…, in der eine ungewöhnliche Komplexität architektonischer, kunst-, kirchen- und liturgiehistorischer Ideen erreicht wurde.“ Eine besondere Würdigung des Innenraums der Berliner Hedwigskathedrale erfolgte 2016 in der Publikation von Sabine Schulte: Kreis, Kreuz und Kosmos.

Pressemeldung zum Abriss des Immerather Doms, Nordrhein-Westfalen, vom 16.01.2018

Statt einer Traueranzeige

Mit großem Bedauern nimmt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Fortführung des Abrisses von Denkmalen im Braunkohletagebau Garzweiler zur Kenntnis. Dass in der Abwägung der öffentlichen Interessen der Denkmalschutz trotz der erfolgten Energiewende und der wachsenden Sensibilität gegen die Umweltverschmutzung durch Kohlekraftwerke sich nicht durchsetzen konnte, ist eine vertane Chance. Auf der Grundlage der gewandelten politischen Rahmenbedingungen hätten sich Vorstand und Wissenschaftliche Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gerade zu Beginn des Europäischen Kulturerbejahres 2018 eine mutige Neubewertung der Notwendigkeit der Zerstörung gewachsener Kulturlandschaften gewünscht. Das auch in diesem Jahr Kultur weiterhin scheinbar selbstverständlich zur Disposition steht, sieht die Stiftung als misslungenen Start in das Kulturerbejahr.

Am 8. Januar fiel der sogenannte Dom von Immerath, ein neoromanischer Bau des Kölner Architekten Erasmus Schüller von 1888-1891, spektakulär dem Abrissbagger zum Opfer. Der denkmalgeschützte Bau steht aber nur beispielhaft für zahlreiche einzigartige Baudenkmale in Deutschland, die immer wieder akut bedroht sind, sobald wirtschaftliche Überlegungen ins Feld geführt werden. Ihre Bedeutung für die Identität und das Heimatgefühl der Menschen in sich über Jahrhunderte entwickelnden Kulturlandschaften und Regionen bedarf dringend einer stärkeren Lobby.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 kreativ, fachlich fundiert und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Ihr ganzheitlicher Ansatz ist einzigartig und reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, pädagogischen Schul- und Jugendprogrammen bis hin zur bundesweiten Aktion “Tag des offenen Denkmals”. Insgesamt konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank der aktiven Mithilfe und Spenden von über 200.000 Förderern bereits über 5.000 Projekte mit mehr als einer halben Milliarde Euro in ganz Deutschland unterstützen.

Inneres der St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin, Foto: Roland Rossner/Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Abriss des Immerather Doms © Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Die Kolonnaden des Kurparks Bad Neuenahr-Ahrweiler. Foto: GFHund, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/
Abriss der Immerather Mühle © Elmar Aretz (Initiative "Kreativ gegen Kohle")

2017

Stellungnahme zum geplanten Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale, Berlin, vom 29.06.2017

Zum Gesamtkunstwerk St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin

Der Innenraum der Kathedrale war 1958–63 im Zuge des Wiederaufbaus des im Zweiten Weltkrieg niedergebrannten Kirchengebäudes entstanden. Der westdeutsche Architekt Hans Schwippert hatte die Pläne dazu in enger Abstimmung mit seinen Auftraggebern im Berliner Bistum ausgearbeitet und mit einem Team von Bauleuten, Handwerkern und Künstlern aus Ost- und Westdeutschland verwirklicht.  Zentrale Bestandteile sind eine Confessio in der Unterkirche, die über einen offenen Treppenabgang erreichbar ist, und die miteinander über eine Stele verbundenen Altäre von Unter- und Oberkirche. Der ursprünglich barocke Bau erhielt damit eine Zeitschicht, die auf die jüngste Zeitgeschichte verweist und bereits sich abzeichnende liturgische Veränderungen des II. Vatikanischen Konzils aufgreift. Die Kathedrale steht seit 1976 unter Denkmalschutz. 
 

Zum Hintergrund der Umbau-Diskussion

Im Jahr 2013 hatte das Erzbistum Berlin einen Architekturwettbewerb zur „Neugestaltung des  Innenraums  und  des  baulichen  Umfelds“  der  St.-Hedwigs-Kathedrale  Berlin  ausgeschrieben. Dem lag ursprünglich der Wunsch einer Renovierung und Restaurierung des Innenraums der Kathedrale und nach Vergrößerung und Erneuerung des Kathedralforums zugrunde. Das im Jahr darauf vorgestellte Ergebnis des Wettbewerbs löste unter Vertretern  der  katholischen  Kirche,  Gläubigen,  Denkmalpflegern,  Kunst-  und  Kulturwissenschaftlern heftige Diskussionen aus.  
Der siegreiche Wettbewerbsentwurf des Büros Sichau & Walter Architekten (Fulda) sowie des  Künstlers  Leo  Zogmayer  (Wien)  sieht  nun  eine  tiefgreifende  „Neugestaltung“  des Raums vor. So soll nicht nur die Confessio geschlossen und der Altar der Oberkirche in die Raummitte verrückt, sondern auch fast die komplette gestaltete Ausstattung bis hin zu den  Fenstern  entfernt  werden.  Der Wettbewerbsentwurf  wurde durch  Erzbischof  Heiner Koch am 1. November 2016 in einem Hirtenbrief zur Ausführung bestimmt.  Die Kritiker des Projekts sehen in dem Entwurf eine Negierung der zentralen Entwurfsidee Schwipperts und  eine  Zerstörung der  theologisch  motivierten  Raumschöpfung des Wiederaufbaus; sie verlangen stattdessen eine denkmalverträgliche Restaurierung des Sak-
ralbaus. Das Architektenteam beschreibt seinen Entwurf als „die gleiche Idee, nur in einer anderen Form“ (Peter Sichau 2014).

Zur gesetzlichen Grundlage

Das denkmalgeschützte Gebäude befand sich seit dem 18. Jahrhundert im Eigentum der katholischen Gemeinde und ist 2016 vom Erzbistum Berlin übernommen worden. Zwischen dem Land Berlin und dem Heiligen Stuhl gibt es keinen Staatsvertrag. Bereits in der DDR war die Kathedrale als Baudenkmal unter Schutz gestellt. Sie wurde nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Einheit nach dem Berliner Denkmalgesetz von 1995 in die Liste der Baudenkmäler des Landes Berlin übernommen. Für jede Veränderung des Gebäudes und seines Innenraums bedarf es daher einer denkmalrechtlichen Genehmigung der zuständigen Denkmalbehörden, die ihre Entscheidungen im Benehmen mit der Kirche und unter Berücksichtigung der gottesdienstlichen Belange treffen.
 
 
Dr. Steffen Skudelny
Vorstand

Professor Dr. Gerd Weiß
Vorsitzender der
Wissenschaftlichen Kommission

2016

Pressemeldung für den Erhalt der Gleishalle des Hauptbahnhofs Oldenburg, Niedersachsen, vom 22.04.2016

Oldenburg: Deutsche Stiftung Denkmalschutz fordert den Erhalt des Bahnhofs-Ensembles

Kein Abbruch der Gleishalle

Mit Sorge verfolgt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz  (DSD) zurzeit Pläne, die historische Gleishalle des Oldenburger Bahnhofs abzubrechen.
Dr. Wolfgang Illert, Vorstand der Stiftung, äußert darüber sein Unverständnis: "Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die Gleishalle unbedingter Bestandteil des überregional bedeutenden Bahnhofs-Ensembles. Ein Abbruch des Denkmals würde einen unwiederbringlichen Verlust baukulturellen Erbes bedeuten. Wir unterstützen deshalb den Einsatz der Stadt Oldenburg für den Erhalt der historischen Gleishalle."
Der Oldenburger Bahnhof, 1911–1915 in Formen des Heimat- und Jugendstils errichtet, steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Während sein Empfangsgebäude bis 2003 denkmalgerecht instand gesetzt wurde, verfiel die verglaste Stahlkonstruktion, die Reisende auf den Bahnsteigen vor dem Wetter schützt, immer weiter. Aus Kostengründen erwägt die Bahn AG nun, sie durch standardisierte Einzelüberdachungen zu ersetzen.
Nicht hinnehmbar wäre aus Sicht der DSD, Denkmal-Belange dadurch auszublenden, dass ausschließlich Abbruchvarianten diskutiert werden. Illert: "Im Einklang mit den Denkmalbehörden erwarten wir eine Lösung, die eine Sanierung der Gleishalle unter Erhalt der Denkmalsubstanz ermöglicht."

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich seit ihrer Gründung im Jahre 1985 für die Bewahrung des baulichen Erbes in Deutschland ein und fördert seine Erhaltung mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. In Oldenburg sind das zurzeit die Sanierungsmaßnahmen an der klassizistischen Villa Auguststraße, an der Siedlung Breslauer Straße und auf dem Gertrudenkirchof. In den vergangenen Jahren half die DSD, die Stadtkirche St. Lamberti, das Herzogliche Mausoleum und die Villa Griepenkerl zu erhalten. Alle diese Denkmale gehören zu den über 310 Projekten, die die private Denkmalschutzstiftung dank Spenden und Mitteln der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, bisher allein in Niedersachsen unterstützen konnte.

Schreiben an den Vorstand der Deutschen Bahn AG zum geplanten Abriss des Chemnitztal-Viadukts, Chemnitz (Sachsen), vom 03.03.2016

Planungen Eisenbahnbogen Chemnitz – das Chemnitztal-Viadukt

Sehr geehrter Herr Dr. Grube,

im Sommer 2010 hatte der damalige Vorstandsvorsitzende unserer Stiftung, Herr Professor Kiesow, mit Ihnen ein Gespräch zum Projekt „Stuttgart 21“ geführt. Wir hatten uns vehement für den Erhalt des Seitenflügels des Bonatz-Baus ausgesprochen.

Nun erreichen uns wöchentlich Aufrufe unserer Förderer, sich für den Erhalt des Chemnitztal-Viadukts einzusetzen. Aus unserer Sicht hat dieses Denkmal einen vergleichbaren Stellenwert wie der Bonatz-Bau in Stuttgart.

Dieses Technikdenkmal ist ein weit über die Region hinaus bedeutendes Zeugnis der Industrialisierung und nicht zuletzt der Geschichte des Bahnverkehrs. Aus Sicht der Deutschen Stiftung Denkmalschutz würde ein Abbruch des Denkmals einen unwiederbringlichen Verlust baukulturellen Erbes bedeuten.

Die Stiftung setzt sich für den Erhalt von Denkmalen ein, steht aber auch für den offenen Dialog zwischen allen gesellschaftlichen Akteuren des Bauens und der Denkmalpflege. Gerne möchte ich daher frühzeitig mit Ihnen in einen Meinungsaustausch darüber treten, wie das Projekt Eisenbahnbogen Chemnitz baukulturell tragfähig gemacht werden kann. Über Ihre Zustimmung und Einladung zu einem solchen Gespräch würde ich mich freuen.

In Erwartung Ihrer Antwort mit freundlichen Grüßen



Dr. Wolfgang Illert
Vorstand

Gleishalle des Hauptbahnhofs Oldenburg. Foto: JoachimKohlerBremen, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
Das Chemnitztalviadukt in Chemnitz. Foto: Lguenth1, Lizenz: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en

2015

Schreiben an den Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg zum geplanten Abbruch des Cityhofs, Hamburg, vom 13.10.2015

Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister Scholz,

die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1985 zum Ziel gesetzt, das bauliche Erbe unseres Landes aus allen Epochen der Geschichte zu bewahren und seine Rettung und Erhaltung mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern.

Nach den verheerenden Verlusten im Zweiten Weltkrieg und den gleichermaßen verlustreichen Nachkriegsentwicklungen ist es jetzt dringend geboten, ernsthaft darüber nachzudenken, ob unsere Generation ihren Enkeln ein von echten Geschichtszeugnissen weitgehend bereinigtes Land hinterlassen will.
Die Stiftung verfolgt daher mit Interesse auch die aktuellen Debatten über Abriß oder Erhalt von architekturgeschichtlichen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Gegenwärtig stehen allerorten die Bauten aus den 1950er und 1960er Jahren auf dem gesellschaftlichen Prüfstand und sind allzuoft in ihrer Existenz akut gefährdet. Dabei ist es in vielen Fällen gerade die Öffentliche Hand, die ihrer von der Gesellschaft erwarteten Vorbildrolle einer Erhaltung dieser Denkmale durch mangelhafte Pflege und unterlassene Bauunterhaltungsmaßnahmen nicht gerecht wird.

Von jeher erfüllen Bauwerke nicht allein praktische Funktionen, sondern sie sind zugleich auch Bedeutungsträger. Durch ihre Einfügung in die Umgebung, die Sprache ihrer Materialien und die Ausdruckskraft ihrer Formen erzählen sie von Wertorientierungen, von Ansprüchen, Tugenden und Untugenden ihrer Gesellschaft. Sie verkörpern stets den Geist der Zeit. Eine Gesellschaft, der Baudenkmale als Dokumente ihrer Geschichte anvertraut sind, hat das Recht, jedoch auch die Pflicht, sie zu erhalten und zu nutzen. Oftmals jedoch droht jegliches Gespür für den Wert dieses kulturellen Erbes der Geschichte verloren zu gehen.

Die in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz seit Jahren tätigen Denkmalpfleger, Historiker und Architekten, die aus jahrzehntelanger beruflicher Praxis und wissenschaftlicher Arbeit mit allen Fragen der Erhaltung und Weiterentwicklung des baulichen Erbes vertraut sind, stimmen in der Sorge um die Erhaltung dieser Bauwerke überein. Sie sind sich einig, daß Denkmalpflege sich nicht nur auf die Zeugnisse abgeschlossener Geschichtsepochen beziehen kann, sondern und sogar in zunehmendem Maße auch die Bauten der Nachkriegszeit umfassen muß„ d.h. die Zeugen einer sich nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hoffnungsvoll darstellenden jungen demokratischen Gesellschaft.

Hierzu gehört ungeachtet seines derzeitigen Erscheinungsbildes auch der City-Hof in Hamburg, ein von namhaften Architekten, Stadtplanern und Bauhistorikern unisono anerkanntes, wegen seiner architektur- und stadtbaugeschichtlichen Bedeutung herausragendes und daher zu Recht unter Denkmalschutz stehendes Ensemble der Hamburgischen Nachkriegsmoderne und ein sichtbares Zeichen des Aufbauwillens der Hansestadt. Gerade der City-Hof kann als markanter stadträumlicher Abschluß und Beispiel einer Weiterentwicklung des Kontorhausviertels in neuen architektonischen und städtebaulichen Ausdrucksformen am Rande der Hamburger Innenstadt angesehen werden sowie Hamburg's guten Ruf als Zentrum moderner Kontorhausarchitektur des 20. Jahrhunderts festigen.

Die bisher genannten Argumente, die einen Abbruch des City-Hofes wegen vorgeblich städtebaulicher und funktioneller Mängel sowie hoher Reparaturbedürftigkeit fordern, können einer ernsthaften Diskussion nicht standhalten. Nachweislich lassen sich die finanziellen Erwartungen der Stadt erfüllen und künftig z.B. auch neue Wohnungen im erhaltenen und weiterentwickelten Baudenkmal City-Hof realisieren.

Die teilweise öffentlichen und von einem großen Medien-Echo begleiteten Debatten der vergangenen Monate über den City-Hof in Hamburg, die die Gedanken eines zeitgemäßen Denkmalschutzes deutlich formulierten, haben gezeigt, daß am kulturellen Leben der Stadt interessierte Bürger nicht mehr bereit sind, nicht nachvollziehbare Entscheidungen des Senats über das Schicksal von Baudenkmalen der Nachkriegszeit unwidersprochen hinzunehmen insbesondere dann, wenn die Stadt die von ihr mehrfach erklärte neue Planungs- und Diskussionskultur im vorliegenden Fall City-Hof offensichtlich konterkariert.

Die gegen die gültige Rechtskraft des Denkmalschutzes mit der Selbstverpflichtung des Senats zur Denkmalerhaltung geplante Vernichtung des City-Hofes in Hamburg wäre nicht nur ein beschämendes Zeichen einer alle Ressourcen negierenden Unvernunft, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Hamburger Welterbe-Areals der UNESCO, der Speicherstadt und des Kontorhausviertels, ein erheblicher Ansehensverlust. Sie wäre eine Blamage und ein höchst zweifelhaftes Zeugnis kulturellen Unverständnisses. Auch stünde sie im Widerspruch zum Bekenntnis der Unterzeichnerstaaten der Welterbekonvention zur Erhaltung und Pflege ihres kulturellen Erbes.

Vorstand und Mitglieder der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz appellieren daher an das gesamtgesellschaftliche Verantwortungsbewußtsein des Hamburger Senats, er möge seine künftigen politischen Entscheidungen grundsätzlich im Bewußtsein der Achtung vor der Leistung seiner Vorgänger treffen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und ihre 190.000 Förderer mit ihrer Spenden- und Verantwortungsbereitschaft können in diesem Zusammenhang nach 30 Jahren erfolgreicher Arbeit für sich in Anspruch nehmen, als inzwischen größte Bürgerinitiative der deutschen Denkmalpflege die Repräsentanz derjenigen Bürger darzustellen, die sich der Erhaltung und Pflege der Denkmale in Deutschland verpflichtet fühlen:

Bitte haben sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister, Verständnis daftir, daß die Bedeutung der vom Senat der Hansestadt zu treffenden Entscheidungen rechtfertig, daß die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dieses Schreiben als offenen Brief einer interessierten Öffentlichkeit zur Kenntnis bringt.

Dr. Wolfgang Illert
Mitglied des Vorstandes der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Horst v. Bassewitz
Dipl. Ing. Architekt
Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Pressemeldung zu geplanten Windkrafträdern an der Loreley, Rheinland-Pfalz, vom 12.08.2015

Deutsche Stiftung Denkmalschutz protestiert gegen Planungen im Welterbegebiet

Keine Windkrafträder an der Loreley

„Die Pläne der Verbandsgemeinde Loreley sind ein empfindlicher Eingriff in das Welterbegebiet. Windkraftanlagen in den Kern- und Pufferzonen zwischen Koblenz und Bingen ignorieren alle landschafts- und denkmalgeschützten Gesetze.“ Der Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), Dr. Wolfgang Illert, macht angesichts der Auftstellung des Flächennutzungsplanes an der Loreley darauf aufmerksam, dass die Welterbestätte Oberes Mittelrheintal als Kulturlandschaft und als wichtige Attraktion für den Fremdenverkehr erheblich gefährdet wäre, sollten die Pläne umgesetzt werden.

Die Pläne der Verbandsgemeinde Loreley sehen vor, im Flächennutzungsplan Sonderflächen für die Nutzung der Windenergie (Windräder) asuzuweisen. Hiergegen hat sich ein Bündnis von Winzern, Gastronomen und Gewerbetreibenden  gegründet.  Auch haben sich Denkmalschutzorganisationen wie die Deutsche Burgenvereinigung, Europa Nostra Deutschland und der Rheinische Verein für Denkmalschutz gegen das Vorhaben gewandt. Sie alle befürchten, dass Windräder das Landschaftsbild am Mittelrhein zerstören könnten.

Eine Sichtachsenstudie aus Dezember 2013, die vom rheinland-pfälzischen Kultusministerium in Auftrag gebeben worden war, hatte das Konflliktpotentials als „sehr hoch“ eingeschätzt. Ohnehin könnten Windkraftanlagen in der Kern- und Pufferzone des Welterbegebietes nur mit Zustimmung der UNESCO  errichtet werden. „Umso unverständlicher sind die aktuellen Planungen der Verbandsgemeinde Loreley. Der Welterbestatus würde aufs Spiel gesetzt“, so Dr. Wolfgang Illert.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erhebt Widerspruch gegen die Pläne der Verbandsgemeinde Loreley im Rahmen des Beteiligungsverfahrens gem. § 3 (2) i.V.m. §4 (2) BauGB. Sie appeliert an die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, die Pläne nicht zu genehmigen.

Pressemeldung zur Ausgliederung der Unteren Denkmalschutzbehörde Görlitz, Sachsen, vom 19.02.2015

Offener Brief zum Fortbestand der Denkmalbehörde an Oberbürgermeister Siegfried Deinege

Denkmalstiftung bangt um Erfolgsgeschichte Görlitz

In einem offenen Brief wirbt Dr. Wolfgang Illert, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, eindringlich bei Oberbürgermeister Siegfried Deinege für den Fortbestand der städtischen Denkmalbehörde. Gerade angesichts der großen Erfolgsgeschichte der Stadt, die sich in den vergangenen Jahrzehnten beispielhaft für ihren Denkmalbestand eingesetzt habe, beunruhigten die Überlegungen, die Kompetenzen der Unteren Denkmalbehörde, die zu diesem Erfolg wesentlich beigetragen habe, an den Landkreis abzugeben.

„Mit großer Sorge“, so Illert, „verfolgen wir die Planungen der Stadt, die Abteilung der Unteren Denkmalschutzbehörde 2017 an den Landkreis Görlitz abzugeben.“ Die kreisfreie Stadt Görlitz habe „als erste Stadt in Sachsen ihre eigene Denkmalschutzbehörde einrichten“ können und sich danach stets für diese Behörde engagiert. „Die bisher erreichten Erfolge im Denkmalschutz der Stadt Görlitz,“ betont der Denkmalschützer, seien „beispielgebendes Zeugnis dieser Arbeit“.

Illert äußert offen seine Befürchtung, dass mit dem Schritt der Ausgliederung der UDB die Erfolgsgeschichte der Denkmal-Stadt zu Ende gehen werde: „Die personelle Ausstattung auf Kreisebene lässt vermuten, dass eine qualifizierte Betreuung der Baudenkmale in Görlitz nicht annähernd gewährleistet sein kann.“ Schließlich seien auch die Bemühungen, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden, durch diesen Schritt gefährdet. „Eine Welterbestadt“, so Illert, „ohne eigene Zuständigkeit für ihre Denkmäler? Kaum vorstellbar.“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich seit 1989 insbesondere durch ihren langjährigen Stiftungsvorsitzenden, den Görlitzer Ehrenbürger Professor Gottfried Kiesow, „intensiv um die ‚schönste Stadt Deutschlands‘ gekümmert.“ Die Stiftung hat allein in der Neiße-Stadt 160 Projekte mit rund 10 Millionen Euro gefördert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu der wohl größten privaten Initiative in der Denkmalpflege in Deutschland entwickelt. Nur dank des großen bürgerschaftlichen Vertrauens kann sie ihren wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes und zur Bewusstseinsbildung für die Denkmalpflege leisten.

2013

Appell für den Erhalt des Kant-Garagen-Palastes, Berlin-Charlottenburg, vom August 2013

Berlin droht mit dem geplanten Abriss des Charlottenburger Kant-Garagen-Palastes ein baukulturelles Desaster. Das meisterhaft ausgeführte Bauwerk aus dem Jahr 1930 ist eine der bedeutendsten noch erhaltenen Hochgaragen in Europa und soll nun auf Antrag des Eigentümers abgerissen werden.

Appell für den Erhalt des Kant-Garagen-Palastes

Sehr geehrter Herr Pepper, sehr geehrter Herr Senator Müller, sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat Schulte,

am 1. August 2013 hat die Öffentlichkeit über Medien vom geplanten Abriss des Kant-GaragenPalastes in Berlin-Charlottenburg erfahren. Wir, die Unterzeichner, appellieren an den Eigentümer und an alle Verantwortlichen, die Kant-Garage zu erhalten. Wir bitten, vorliegende Gutachten zum Erhaltungszustand des Bauwerks und seiner wirtschaftlichen Nutzung öffentlich zugänglich zu machen. Wir bieten unsere Mithilfe an, insbesondere unsere fachliche Expertise und Erfahrung auf dem Gebiet der Denkmalsanierung, um Möglichkeiten der Instandsetzung und wirtschaftlich zumutbaren Denkmalnutzung zu entwickeln. Wir bitten deshalb, ein Moratorium zu gewähren, das die Chance eröffnet, mit Fachleuten, Finanziers und möglichen Nutzern ein gemeinsames Konzept zur Instandsetzung und zum Weiterbetrieb der Hochgarage zu erarbeiten.

Die Gründe für den Erhalt der Kant-Garage als europäisches Kulturerbe sind gewichtig und vielfältig: Das von 1929 bis 1930 errichtete Verkehrsbauwerk ist ein bis heute nahezu unverändert erhaltener Schlüsselbau der europäischen Mobilitätsgeschichte und der neuen Bauaufgabe Hochgarage. Sie ist die einzige bestehende Hochgarage der Weimarer Republik in Berlin und Brandenburg – und mit ihrer doppelgängigen Wendelrampe sowie der gläsernen Vorhangfassade nahezu einzigartig in Europa.

Die Kant-Garage ist darüber hinaus das letzte verbliebene Bauwerk des Architekten Hermann Zweigenthal in Deutschland und das einzige Bauwerk der Bürogemeinschaft mit Richard Paulick. Hermann Zweigenthal wurde 1904 in Wien geboren und verstarb 1968 in den Vereinigten Staaten als Hermann Herrey. Zweigenthal und Paulick studierten an der Technischen Hochschule Berlin bei Hans Poelzig und mussten ebenso wie der Eigentümer der Garage, Louis Serlin, vor den Nationalsozialisten ins Exil fliehen.

Seit 1991 ist die Garage auf der Denkmalliste des Landes Berlin als Baudenkmal der Weimarer Moderne verzeichnet. Der hohe Denkmalwert äußert sich in zahlreichen architekturhistorischen Publikationen sowie wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, in denen der Bau dargestellt und gewürdigt wird. Die hohe baukünstlerische Bedeutung der Kant-Garage begründet sich anhand von zwei weltweit anerkannten Kriterien: Zum einen ist das Bauwerk authentisch und weitgehend unversehrt erhalten – und bis heute ungebrochen in seiner ursprünglichen Nutzung in Gebrauch. Zum anderen ist die Hochgarage ein technisch und architektonisch einzigartiges Zeugnis der sozialen Bewegung des »automobilisme« in Deutschland und der Mobilitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Verkehrsbauten wie diese bilden als Architektur für Automobile eine historische Schicht unserer Städte.

Der nunmehr von der Kantgaragen Grundstücksgesellschaft mbH beantragte Abriss hätte den unwiederbringlichen Verlust eines Bau- und Technik-Denkmals von europäischem Rang zur Folge. Wünschenswert kann nur die denkmalgerechte Reparatur und Erneuerung und damit der Erhalt des Bauwerks mitsamt seiner bauzeitlichen Ausstattung als Garage sein. Die Zerstörung seiner historischen Unversehrtheit – der doppelgängigen Wendelrampe, der Boxen, der großartigen Vorhangfassade und der sachlichen Straßenfront – ist nicht entschuldbar und wäre eine Tragödie.

Allerdings verursacht die denkmalgerechte Erneuerung des Bauwerks erhebliche Kosten, die dem Eigentümer nur im Rahmen des wirtschaftlich Zumutbaren aufgebürdet werden dürfen. Der Eigentümer der Kant-Garage, der sich in der Vergangenheit mehr als einmal alsverantwortungsbewusster Unternehmer um denkmalgerechte Sanierungen verdient gemacht hat, darf nicht allein gelassen werden. Die Familie Pepper zeigte unter anderem mit der Errichtung des Europa-Centers Mut und Verantwortung, und setzte der Inselstadt West-Berlin ein in die Zukunft weisendes Zeichen. Mit dem Erhalt der Kant-Garage würde erneut die verantwortungsvolle Tätigkeit der Familie als Bauherr in Berlin spürbar.

Die Kosten der Erneuerung und die laufenden Instandhaltungskosten für den Betrieb sind aktuell Anlass für den Abrissantrag. Nach gutachterlicher Feststellung des Erneuerungsumfangs sollte auch darüber verhandelt werden, wie der Eigentümer bei einer denkmalgerechten Erneuerung durch Öffentlichkeit und Denkmalförderung unterstützt werden kann. An den unrentierlichen Gesamtkosten müssen sich das Land Berlin und die Bundesrepublik Deutschland beteiligen, weil es auch ihre Aufgabe ist, ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung zu bewahren. Erforderlich scheint eine Gemeinschaftsanstrengung der besonderen Art, die auch ungewöhnliche Wege der Bündelung von Fördermitteln nicht scheut. Denkmalstiftungen und Denkmalfreunde sind ebenso aufgerufen sich zu beteiligen, wie Denkmalexperten für das Erbe der Moderne.

Dass ein derartiges Vorhaben gelingen kann, zeigt das Beispiel Bauverein Halle & Leuna eG, die 2007 bis 2011 die »Groß-Garage-Süd« mit Unterstützung des Bundes, des Landes Sachsen-Anhalt und der Stadt Halle/Saale unter denkmalgerechten Aspekten erneuern ließ. Die 1929 fertiggestellte AufzugsHochgarage wird heute als Quartiersgarage und zusätzlich u.a. für Ausstellungszwecke genutzt. Dieses in Deutschland singuläre Baudenkmal blieb erhalten, obwohl der Bauzustand deutlich schlechter war.

Wir, die Unterzeichner, sind davon überzeugt, dass auch die Kant-Garage als herausragendes Zeugnis der Berliner Baukultur einen bleibenden Platz verdient.

Der Erhalt und die Erneuerung der Kant-Garage sollten deshalb zur gemeinsamen Aufgabe werden.

Akademie der Künste Klaus Staeck, Arbeitsgemeinschaft Nachkriegsmoderne der Technischen Universität Berlin, Architektenkammer Berlin, Frank Augustin, Rainer Autzen, Louis Back, Andreas Barz, bauhaus archiv museum für gestaltung berlin, Eva Barkhofen (Sprecherin der Föderation deutscher Architektursammlungen), Dieter Bartetzko, Jürgen Bauer, Klaus J. Beckmann, Anja Beecken, Nikolaus Bernau, Tom Bestgen, Michael Bienert, Uli Borgert, Sigrid Brandt, Winfried Brenne, Michael Bollé, Franziska Bollerey, Jutta Bornholdt-Cassetti, Justus Burtin, Ben Buschfeld, Melanie Buschmann, Andreas Butter, Adrian von Buttlar, Bund Deutscher Architekten, Bürgerverein Hansaviertel e.V., Erdmuthe Carlini, Silvia Carpaneto, Markus Coelen, Constanze Cremer, Julia Dech, V.W. Degen, Denk mal an Berlin e.V, Lore Dietzen, Deutscher Werkbund Berlin, Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, DAM Deutsches Architekturmuseum, Deutsches Nationalkomitee von TICCIH (The International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage), Alex Dill, Cay Dobberke, DOCOMOMO Deutschland e.V., DOCOMOMO International, Gabi Dolff-Bonekämper, Elke Dorner, Anne Katharina Dörnbrack, Peter Dreß, Wulf Eichstädt, Franziska Eichstädt-Bohlig, Erdmuthe Ellinger, Oliver Elser, E. Elwes, ExRotaprint gGmbH, Michael Falser, Silvia Fehrmann, Gundula Fink, Herbert Fink, Thomas Flierl, Förderverein Corbusierhaus e.V., Petra Friedrich, Turit Fröbe, Constanze Fuhrmann, Bernhard Furrer, Joachim Ganz, Gaslicht-Kultur e.V., Siegwart Geiger, Kaye Geipel, Gesellschaft für Bautechnikgeschichte, Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten e.V., Ephraim Gothe, Martin Götz, Martin Griffin, Anna Gwinner, Mila Hacke, Ute Hassler, René Hartmann, Christine Hartmann, Susanne Hauser, Haus der Kulturen der Welt, Ute Heimrod, Georg Heinrichs, Henriette Heischkel, Hermann Henselmann Stiftung, Verena Herzog, Roman Hillmann, Alexander Hoff, Godehard Hoffmann, Jürgen Hofmann, Bärbel Högner, Sibylle Hoiman, Gajana Holland, Karl-Friedrich Hörnlein, Petra Marion Huhn, Hütten & Paläste Architekten, Annemarie Jaeggi, Carola Janowski, Bernd Jansen, Christian Jagusch, Ernst Jakoby, Katharina Jantzen, Werner Jockeit, Britta Jürgens, Andrea Jütten, Petra Kahlfeldt, Jutta Kalepky, Kai Kappel, Helmer Karau, Thomas Katzke, Uwe Kiesseler, Gunnar Klack, Doris Kleilein, Ulrich Knufinke, Florian Köhl, Jens-Uwe Köhler, Gina Köhler, Wolfgang König, Andreas Krüger, Bernd Krüger, Thomas M. Krüger, Ingeborg Kühler, Ulli Lautenschläger, Morag Leo, Hilde Leon, Katrin Lesser, Meinhard Loibl, Margrit Lorenz, Thomas Loy, Antje Marczinowski, Claudia Marcy, Monika Markgraf, Ulrich Meyer, Markus Kurth, Wolfgang Matthies, Elke Mittmann, Museum für sächsische Fahrzeuge e.V. Chemnitz, Elvira Münster, Uwe Neumann, Ulrich Nickmann, M. Nitschke, Beate Nowak, Simone Oelker-Czychowski, Ruth Pabst, Karl Pächter, Norbert Palz, Susanne Pfankuch, Elisabeth Pfefferkorn, Erhart Pfotenhauer, Antje Pieper, Heike Pieper, Jürgen Platena, Holger Pluder, Axel Pöhl, Uta Pottgiesser, Judith Raum, Rolf Rave, Bernd Reimers, Ursula Rieger, Walter Rolfes, Hans Roth, Matthias Rudolph, Carsten Ruhl, Peter Rumpf, Jörg Rüter, Barbara Schäche, Wolfgang Schäche, Schaustelle Nachkriegsmoderne, Markus Scheffler, Bernd M. Scherer, Frank Seehausen, Matthias Schirren, Gerhard Schlenzig, Bernhard Schmidt, Margot Schmidt-Nehmet, Thomas Schmitt, Bernhard Schneider, Rolf Schneider, Christian Schöningh, Hermann Schultz, Carola Seppeler, Wolfgang Sonne, Thomas Steigenberger, Uwe Stelzer, Stiftung Bauhaus Dessau Philipp Oswalt, Beate Störtkuhl, Studentendorf Schlachtensee eG, Erika Stimming, Norbert, Tempel, Georgia Tornow, Ana Tostoes, Tobias Vogel, Wolfgang Voigt, Gisela Voss-Geiger, Sandra Wagner-Conzelmann, Charis Wegener, Stephan Weissbrich, Klaus Wiechers, Ulrike Wilkens, Karl-Heinz Winkens, Theo Winters, Kerstin Wittmann-Englert, Birgit Wolf, Dietrich Worbs, Wüstenrot Stiftung, Anke Zalivako, Diana Zitzmann, Tina Zürn

Pressemeldung zu geplanten Einsparungen der Denkmalschutzmittel in Nordrhein-Westfalen vom 19.04.2013

Kürzungen sind falsches Signal

Deutsche Stiftung Denkmalschutz besorgt über Planungen des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), Dr. Rosemarie Wilcken, hat in einem Schreiben an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die geplanten Kürzungen der Denkmalschutzmittel in den kommenden Landeshaushalten mit großer Besorgnis zur Kenntnis genommen. Eine derartige Mittelreduzierung sei „in keinem anderen Bereich zu erkennen“. Die Kürzung und Neuausrichtung der Förderpolitik in Nordrhein-Westfalen könnte verheerende Auswirkungen auf den Erhalt des durch Kriegsverluste bereits stark reduzierten Denkmalbestandes im Land haben und wäre ein falsches Signal für die vielen im Denkmalschutz engagierten Bürger, so Wilcken.

Sie erinnert in Ihrem Schreiben daran, dass die Landesregierung noch im Koalitionsvertrag festgehalten habe, dass „die Kulturförderung durch das Land für alle Sparten auch in Zukunft auf dem erreichten Niveau erhalten und – wo möglich und geboten – ausgebaut werden solle“. Dazu würden auch – im Einklang mit der Landesverfassung – Denkmalpflege und Archäologie zählen. Die Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege seien nicht bloß eine wichtige Investition in die Zukunft von Kultur, Bildung und Lebensqualität, sondern zugleich „ein gut geschnürtes und effizientes Konjunkturpaket“. Die Fördermittel unterstützten „ohne Umwege“ die qualifizierten Handwerksbetriebe in der Region. Wilcken erinnerte dabei an Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, denen zufolge „ein Euro an Denkmalförderung weitere acht Euro öffentliche und private Investitionen“ auslöst. So gesehen könnten „die Einsparungen das Land am Ende teuer zu stehen kommen!“ Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hofft, dass die Landesregierung ihre in den letzten Wochen bereits heftig von vielen Institutionen, Verein und engagierten Bürgern diskutierten Überlegungen noch korrigiert.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich seit 1985 für die Erhaltung des Erbes der Vergangenheit an die kommenden Generationen ein. Als größte private Initiative für den Denkmalschutz mit rund 200.000 Förderern hat sie bislang bundesweit mehr als 4.300 Denkmale mit über einer halben Milliarde Euro bewahren helfen, davon allein in Nordrhein-Westfalen über 320 Objekte, für die sie insgesamt rund 31 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Ihr Wirken in NRW unterstützen 14 ehrenamtliche Ortskuratorien in allen größeren Städten des Landes.

Schreiben an die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen zu den geplanten Kürzungen im Bereich Denkmalpflege vom 17.04.2013

Förderpolitik im Bereich der Denkmalpflege und Archäologie

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,

da bisher noch keine weiteren Erläuterungen des Landes Nordrhein-Westfalen zu den geplanten Kürzungen im Bereich der Denkmalpflege gemäß Haushaltsplanentwurf 2013 bekannt waren, hatte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sich bislang ebenfalls nicht öffentlich geäußert.

Leider haben die aktuellen Äußerungen von Bauminister Michael Groschek vom 16.04.2013 unsere Befürchtungen nochmals bestätigt. Nach wie vor sollen demnach die Landeszuschüsse für Bau- und Bodendenkmalpflege in diesem Jahr um zwei Millionen Euro auf rund 9,3 Millionen Euro gekürzt werden. Nach wie vor scheint ein kompletter Ausstieg des Landes aus der Denkmalförderung ab dem Jahr 2015 möglich. Erneut hat Minister Groschek bekräftigt, dass die Umstellung auf Darlehensförderung ein fester Bestandteil der Haushaltsplanungen ist.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz betrachtet die Kürzung und Neuausrichtung der Förderpolitik weiterhin mit großer Sorge. Eine solche Kehrtwende hätte verheerende Auswirkungen auf den Erhalt der Baudenkmale in Nordrhein-Westfalen und käme einem Kahlschlag gleich. Noch im Koalitionsvertrag 2012 bis 2017 hatte die Landesregierung festgehalten, dass „die Kulturförderung durch das Land für alle Sparten auch in Zukunft auf dem erreichten Niveau erhalten und – wo möglich und geboten – ausgebaut werden solle“. Gerade die Denkmalpflege und Archäologie wurden als wichtige Aufgaben genannt.

Die Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege sind nichts weniger als ein gut geschnürtes Konjunkturpaket. Die Fördermittel unterstützen ohne Umwege den qualifizierten Facharbeiter in der Region. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung löst 1 Euro an Denkmalförderung weitere 8 Euro öffentliche und private Investitionen aus. Das Land spart hier am falschen Ende!

Die privaten Denkmaleigentümer sind auf die direkten und „echten“ Zuschüsse ohne Abstriche angewiesen. Aus gutem Grunde hat es eine Förderung auf Darlehensbasis in Deutschland bisher noch nicht gegeben. Denkmaleigentümer sind ohnehin durch die übernommenen denkmalpflegerisch bedingten Mehraufwendungen erheblich belastet. Die Darlehensförderung ist daher kein auch nur ansatzweise geeignetes Förderinstrument.

Besonders gravierend wäre der Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung der Archäologie. Diese Kürzungen könnten von keiner Seite aufgefangen werden. Vielen Bodendenkmalen droht die undokumentierte Zerstörung, weil das Geld für Rettungsgrabungen und ihre Dokumentation fehlt. In den Fachämtern wird das Geld fehlen, die Funde fachgerecht zu konservieren und zu restaurieren.

Denkmalpflege ist immer ein Gemeinschaftswerk. Zahlreiche Menschen engagieren sich freiwillig, mit hohem persönlichen Einsatz. Allein in Nordrhein-Westfalen sind 14 Ortskuratorien der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in allen größeren Städten des Landes aktiv. Ohne dieses begeisterte bürgerschaftliche Engagement wäre Denkmalpflege heute kaum mehr vorstellbar. Es wäre ein verheerendes Signal für alle Aktiven vor Ort, wenn die geplanten Kürzungen umgesetzt würden.

Im Namen der 190.000 Spender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der größten Bürgerinitiative für den Denkmalschutz in Deutschland, appelliere ich eindringlich an Sie, diese Kritikpunkte und Anregungen bei Ihren Überlegungen zu berücksichtigen.

Die Bedeutung der zu treffenden Entscheidungen rechtfertigt, dieses Schreiben auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen.

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich

mit freundlichem Gruß

Dr. Rosemarie Wilcken

Vorstandsvorsitzende

2012

Pressemeldung zum Bau eines Einkaufszentrums in Zittau, Sachsen, vom 30.08.2012

Bau des geplanten Einkaufszentrums in Zittau ist respektlos

Deutsche Stiftung Denkmalschutz
kritisiert Fehlplanung der Stadt in offenem Brief

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), Dr. Rosemarie Wilcken, hat im Namen der Wissenschaftlichen Kommission der DSD die Planungen der Stadt Zittau für ein neues Fachmarktzentrum (FMZ) beidseits der Albertstraße in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Arnd Voigt kritisiert.

„Die neuen und nach wie vor kritikwürdigen Planungen des FMZ,“ so heißt es in dem Schreiben, „bestätigen den Standpunkt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das FMZ in der vorliegenden Fassung am geplanten Standort abzulehnen.“ Zumindest müssten beim geplanten Neubau des FMZ „die gravierenden, in unserem Schreiben vom März d.J. genannten Mängel beseitigt werden.“ Damit bezieht sich die Nachfolgerin des im letzten Jahr verstorbenen DSD-Mitgründers und Ehrenbürgers von Zittau, Professor Dr. Gottfried Kiesow, auf die Überbauung der Albertstraße mit Verbindungsbrücken zwischen den Parkdecks, einschließlich der geplanten Rolltreppen und Treppen im Straßenbereich, die den städtebaulichen Maßstab des Quartiers nachhaltig störten. Weiter heißt es: „Die Anordnung des gesamten Anlieferungsbereiches zur LKW-Versorgung des FMZ und der Erschließung der Parkdecks in unmittelbarer Nähe des Salzhauses und des historischen Samariterinnen-Brunnens ist nicht nur höchst fragwürdig, sondern zeugt vom fehlendem Respekt vor den in der Stadt seit Jahrhunderten gewachsenen stadträumlichen Qualitäten.“ Schließlich sehe der Entwurf des FMZ weiterhin vor, „historische Bausubstanz in erheblichem Umfang“ zu beseitigen, während die vorgestellten Fassadenvorschläge „wegen ihrer Phantasielosigkeit nur als grobe Gedankenskizzen verstanden werden“ könnten. Die Mitwirkung in einem Gestaltungsbeirat lehnt die Stiftung ab, um die Entwicklungen auch weiterhin „aus einer unabhängigen Position kritisch begleiten“ zu können.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich seit 1985 für die Weitergabe des Erbes der Vergangenheit an die kommenden Generationen ein. Als größte private Initiative für den Denkmalschutz mit rund 200.000 Förderern hat sie bislang bundesweit mehr als 4.100 Denkmale mit über 480 Millionen Euro bewahren helfen. Davon befinden sich allein 35 Objekte in der Stadt der Fastentücher. Für die dort ausgeführten 67 Einzelmaßnahmen stellte die Stiftung in den vergangenen 20 Jahren insgesamt rund 5 Millionen Euro zur Verfügung.

Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Görlitz (Sachsen) wegen eines geplanten Einkaufscenters vom 21.03.2012

Einkaufscenter Berliner Straße/Salomonstraße

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mit Schreiben vom 18.01.2012 hatte ich Sie darüber informiert, dass sich die Wissenschaftliche Kommission unserer Stiftung mit den Planungen der Stadt Görlitz, im Areal Berliner Strasse/Salomonstrasse ein großflächiges Einkaufscenter zu errichten, befassen werde. Über die Ergebnisse der Sitzung, an der auch Vorstand und Geschäftsführung teilgenommen haben, möchte ich Sie in Kenntnis setzen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lehnt die derzeitigen Planungen der Stadt für ein Einkaufscenter an dieser Stelle ab. Nach wie vor geben die uns vorliegenden Unterlagen, mit Flächenabriss und Zerstörung des Strassenbildes, Anlass zu großer Sorge. Die Aussagen des Investors, der Florena KG, lassen mangelnden Respekt vor dem Erhalt des baukulturellen Erbes erkennen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fühlt sich verpflichtet, das weitere Verfahren aus einer unabhängigen Position heraus kritisch zu begleiten. Sie lehnt daher das Angebot der Stadt Görlitz, hierzu in einem Gestaltungsbeirat mitzuwirken, ab.

Herr Professor Kiesow, Ehrenbürger der Stadt, hat Görlitz oft als die „schönste Stadt Deutschlands" bezeichnet und tatsächlich fühlt sich die Stiftung der Stadt Görlitz in besonderem Maße verbunden. Seit ihrer Gründung im Jahr 1985 hat sie vor Ort 146 Projekte mit rund 9,5 Millionen Euro gefördert.

Die Bedeutung der zu treffenden Entscheidungen rechtfertigt, dieses Schreiben als Offenen Brief einer interessierten Öffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen.
 

Mit freundlichem Gruß

Dr. Wolfgang Illert
Geschäftsführer

2010

Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Köln (Nordrhein-Westfalen) bzgl. geplantem Abriss des Schauspielhauses Köln vom 01.03.2010

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich seit ihrer Gründung zum Ziel gesetzt, das bauliche Erbe unseres Landes zu bewahren und seine Erhaltung mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern.

Die Stiftung verfolgt daher mit Interesse die Debatte um das Schicksal des Schauspielhauses in Köln.

Das 1962 eingeweihte Schauspielhaus von Wilhelm Riphahn gewinnt zusammen mit dem unmittelbar benachbarten, kurz zuvor eröffneten Opernhaus seine singuläre Bedeutung nicht nur als bedeutsames Ensemble aus der Phase des wirtschaftlichen Aufstiegs der Bundesrepublik Deutschland, sondern insbesondere durch seine unbestrittene architektonische Qualität und baukulturelle Ausstrahlungskraft, die bis heute über die Stadtgrenzen Kölns hinaus als herausragendes Beispiel der sich in ihren Bauten darstellenden jungen demokratischen Gesellschaft wirkt.

Von Anbeginn ragen Opernhaus und Schauspielhaus auch wegen ihrer das Stadtbild Kölns bis in die Gegenwart prägenden Gestalt als wichtige Kulturbauten der Stadt aus der Reihe ähnlicher Bauten der Nachkriegszeit heraus. Mit Recht steht das GesamtEnsemble als herausragendes Zeugnis seiner Zeit unter Denkmalschutz.

Die bisher benannten Argumente, die einen Abbruch des Schauspielhauses wegen vorgeblich funktionaler Mängel und hoher Reparaturbedürftigkeit fordern, können einer ernsthaften Diskussion nicht standhalten.

In der Tat scheinen - neben funktionalen Mängeln - in der Vergangenheit unterbliebene Verbesserungen der technischen Ausrüstung eine der Hauptursachen für die bisherige Kritik am Zustand des Schauspielhauses zu sein. Selbst der Vorwurf einer planmäßig und leichtfertig herbeigeführten Verwahrlosung des Hauses wurde bereits erhoben, Solange die Stadt ihrer Verpflichtung zur Erhaltung der kommunalen Bauten nicht in ausreichendem Maße nachkommt, in dem sie die selbstverständlichsten Bauunterhaltungsmaßnahmen vernachlässigt, sind umfangreiche Reparaturen unvermeidlich.

Die in der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz seit Jahren engagiert tätigen Denkmalpfleger, Historiker und Architekten, die für sich in Anspruch nehmen können, aus jahrzehntelanger beruflicher Praxis und wissenschaftlicher Arbeit mit allen Fragen der Erhaltung und Weiterentwicklung des baulichen Erbes vertraut zu sein, sind sich übereinstimmend darin einig, daß das Schicksal des Kölner Schauspielhauses keinesfalls allein von einem vorrangig funktionellen Nutzungskonzept und vom derzeitigen Bauzustand her bestimmt sein darf.

Von jeher erfüllten Bauwerke nicht allein praktische Funktionen, sondern sie sind darüberhinaus zugleich Bedeutungsträger. Durch ihre Einfügung in die Umgebung, die Sprache ihrer Materialien und die Ausdruckskraft ihrer Formen erzählen sie von Wertorientierungen, von Ansprüchen, Tugenden und Untugenden ihrer Gesellschaft. Sie verkörpern stets den Geist der Zeit.

Die durch den Abriß des Schauspielhauses geplante Verstümmelung des aus Opernhaus und Schauspielhaus bestehenden Ensembles nährt allerdings den Verdacht, daß seine Urheber sich des baukünstlerischen Wertes entweder überhaupt nicht bewußt sind oder Ignoranz die bisherigen Pfanungsschritte bestimmt hat Jedenfalls lassen die jüngsten Planungsvorstellungen denkmalpflegerische Verantwortung und Respekt vor dem Gesamtkunstwerk vermissen.

Gerade das gegenüber dem Baudenkmal Opernhaus von großen Teilen der Bevölkerung als maßstabs- und rücksichtslos empfundene Ergebnis des kürzlich durchgeführten Architektenwettbewerbes musste die grundsätzlichen Bedenken gegen einen Neubau des Schauspielhauses aus stadtgestalterischer Sicht eher verstärken als entkräften.

Ebenso wurden die Erwartungen an die geforderte Veränderung der Planung enttäuscht und die erhoffte Verbesserung der Funktionalität des Hauses durch einen Neubau spätestens mit der Debatte über ein verändertes Kostenlimit und damit verbundene Einschränkungen ad absurdum geführt.

Jede in einem sehr frühen Planungsstadium grob ermittelte und publizierte Investitionssumme erweist sich, wie die Erfahrung zeigt) in aller Regel als höchst brisant und meist unseriös. Das von der Stadt Köln eingegangene Kostenabenteuer ist daher aus Sicht der Deutschen Stiftung Denkmalschutz - und zwischenzeitlich offenbar auch der Schauspielintendanz — zu Lasten des Denkmalensembles nicht zu verantworten.

Das Hamburger Beispiel der Elbphilharmonie mit seiner Kostentwicklung mag hier erwähnt werden.

Eine Gesellschaft, der Baudenkmale als Dokumente ihrer Geschichte anvertraut sind, hat zwar das Recht, aber auch die Pflicht, sie dergestalt zu nutzen, daß der Aussagewert ihrer Bauwerke nicht leichtfertig verfälscht wird. In Köln jedoch droht jegliches Gespür für den Wert des kulturellen Erbes der Geschichte verloren zu gehen.

Gerade die architektonische Sprache Wilhelm Riphahns als schützenswertes Gut zu begreifen, umzusetzen und für kommende Generationen zu erhalten, sollte für die Stadt Köln Herausforderung und Verpflichtung zugleich sein.

Der Vorstand und die Mitglieder der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz appellieren daher an das gesamtgesellschaftliche Verantwortungsbewußtsein der Mitglieder des Rates der Stadt Köln, sie mögen die derzeitigen Planungsschritte und politischen Entscheidungen im Sinne einer größeren Achtung vor der Leistung ihrer Urheber grundlegend überdenken und ihren Beschluss vom 17. Dezember 2009 zum Abriss des Schauspielhauses revidieren.

Zahlreiche Beispiele eines qualitätsvollen und zugleich sensiblen Umgangs mit historischen Bauten in Deutschland haben in den zurückliegenden Jahren gezeigt, daß unsere Gesellschaft durchaus in der Lage ist, mit den baulichen Zeugen unserer Geschichte auch der jüngeren Geschichte- ebenso sinnvoll wie überzeugend umzugehen und sich dabei selbstverständlich den aus dem Denkmalschutz resultierenden Anforderungen zu stellen und sie auch dementsprechend umzusetzen.

Diese Sensibilität erwartet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auch im Umgang mit dem unter Denkmalschutz stehenden Kölner Schauspielhaus. Sie nimmt zustimmend zur Kenntnis, daß die in den vergangenen Jahren bisweilen starre Haltung der Stadt einer differenzierteren Betrachtungsweise des Gesamtkomplexes gewichen zu sein scheint.

Die teilweise öffentlichen und von einem zunehmend positiven Medien-Echo begleiteten Debatten der vergangenen Monate die insbesondere die Gedanken eines verantwortungsbewußten Denkmalschutzes deutlich formulierten, haben gezeigt, daß am kulturellen Leben ihrer Stadt interessierte Bürger als emanzipierter Teil einer in Planungs- und Wandlungsprozesse eingreifenden Stadtgesellschaft nicht mehr bereit sind) die politischen Entscheidungen über das Schicksal des Kölner Schauspielhauses unwidersprochen hinzunehmen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bittet Sie daher, daß die Stadt gemeinsam mit den diese Bürgerbewegung repräsentierenden Gruppen und Initiativen die Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren schafft und darüber hinaus die weiteren Planungsschritte in einem anderenorts bereits erprobten, offenen Moderationsverfahren, einem weitgefächerten „Forum", ebenso kreativ wie sachgerecht diskutiert.

Ein neuer Ratsbeschluß wäre herbeizuführen, der eine angemessene denkmalgerechte Sanierung des Schauspielhauses einschließlich der Neuorganisation des Raumprogramms mit funktionalen Verbesserungen zum Ziel hat.

Bitte haben Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Verständnis dafür, daß die Bedeutung der von der Stadt Köln im Zusammenhang mit dem Schauspielhaus zu treffenden Entscheidungen rechtfertigt, daß die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dieses Schreiben als Offenen Brief einer interessierten Öffentlichkeit zur Kenntnis bringt.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr.Dr.-lng.E.h. Gottfried Kiesow
Vorsitzender des Vorstandes

Horst v, Bassewitz
Dipl.lng. Architekt
Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission