Jahn-Kapelle
Klein Vielen, Mecklenburg-Vorpommern

Jahn-Kapelle

Ein letzter Liebesbeweis – lange vergessen

Es ist ein besonderer Ort - nichts Großes, kein Denkmal von internationaler Bedeutung, im Gegenteil! Der Erbauer der Grabkapelle im mecklenburgischen Klein Vielen dachte an seine viel zu früh verstorbene Frau, zweifelsohne die Liebe seines Lebens. 1838 hatte Eduard Rudolph Jahn (1816–90) Johanna Kortüm, Tochter eines Medizinalrats aus Neustrelitz, geheiratet. In zwölf Jahren Ehe brachte sie acht Kinder zur Welt. Das letzte Kind, Sophia, starb bei der Geburt am 18. Juli 1850 - Jahns Frau Johanna im Kindbett. Der Witwer ließ Frau und Tochter auf dem nahen Klingenberg begraben, wo bereits sein Vater ruhte. Danach begann er mit dem Bau einer Gedenkkapelle mitten im Wald. Das romantische Bauwerk, dieser letzte Liebesbeweis eines Mannes an seine Frau, war lange Zeit dem Verfall geweiht, denn es lag über 100 Jahre lang vergessen und versteckt im Wald.

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Ästhetischer Backsteinbau Berliner Schule

Jahn, ein reicher Unternehmer, hatte 1851 einen renommierten Erbauer beauftragt, auf dem Klingenberg von Klein Vielen eine einzigartige Grabkapelle zu errichten. Obwohl nicht eindeutig bewiesen, deuten viele Stilelemente auf den Architekten Friedrich Wilhelm Buttel (1796–1869) hin, der unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) in Berlin als Regierungs-Baurat gearbeitet hat. Buttel begeisterte sich zeitlebens für Backsteinbauten und die Fabrikation von Ziegeln. Sie galten ihm in ästhetischer und konstruktiver Hinsicht als das ideale Material der Wahl für eine neugotische, „vaterländische“ Kunst.

Inszenierung von stiller Würde – dem Verfall preisgegeben

Winterlinden und Kastanien säumen den Weg auf den steilen Hügel. Ganz oben thront die neugotische Kapelle: ein achteckiger Bau, reich geschmückt mit Fialen, Maßwerk und Zierbändern. Es sollte eine Inszenierung von stiller Würde sein. Auf diese Weise wollte Jahn seiner „Teuerstes“, der geliebten Gattin, huldigen. So ambitioniert das Bauvorhaben auch war – offenbar wurde die Jahn-Kapelle nie als Grablege genutzt und geweiht. Über die Gründe schweigen die Quellen. Nach Jahns Tod 1890 verschwand der Grabtempel der Liebe hinter dichtem Grün. Danach vergingen sich Vandalen an dem versteckten Bau. Wen aus der Distanz romantische Ruinenarchitektur in den Bann zog, der wurde beim Betreten des zweigeschossigen Ziegelsteingebäudes jäh mit der Wirklichkeit konfrontiert: Auf dem Boden lagen bemooste Reste der Fialtürmchen, man stolperte über Steinhaufen und versprengte Verzierungen. Im Untergeschoss fehlten in sämtlichen Fenstern die Maßwerke. Ein schnödes Eisengitter ersetzte die verlorene Tür am Eingang. Auch die einst weithin sichtbare hölzerne Laterne hatte sich geneigt, das Notdach aus Blechplatten bot keinen hinreichenden Schutz mehr.

Nicht nur seine Architektur, auch die Lage inmitten eines romantischen Waldes umgeben von Feldern, macht die Grabkapelle von Klein Vielen so besonders für die Mecklenburgische Kulturlandschaft. Was im Kleinen Dinge mit Anspruch und Weitblick angeht, hat Eduard Jahn mit seinem Kapellenbau aufs Beste vorgemacht. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte 2016 und 2017 die Generalinstandsetzung dieses Kleinods.

Neugotischer Backsteinbau auf oktogonalem Grundriss, 1851, Förderung 2016/17

Adresse:
Dorfstr.
17237 Klein Vielen
Mecklenburg-Vorpommern