Dorfkirche Netzow
Plattenburg, Brandenburg

Dorfkirche Netzow

Ein Filmstar mit statischen Problemen

Mächtig erhebt sich der etwa 1480 errichtete Westturm der Dorfkirche in Netzow in der flachen Prignitz, einer wunderschönen Landschaft mit ehrwürdig alten Wäldern und eindrucksvollen Alleen. Die Trutzigkeit des Baus, der im Zentrum des kleinen brandenburgischen Dorfs steht, ist nicht nur Effekt. Jahrhundertelang bot der Turm Sicherheit, im Notfall suchte die Bevölkerung hier Schutz für ihr Leben, Hab und Gut. Der Sakralbau hat es durchaus zu Ruhm gebracht: Im preisgekrönten Film „Das weiße Band“ diente er 2008 – wie das gesamte Dorf Netzow – als zentraler Drehort. Oscarnominiert, mit der Goldenen Palme und zahlreichen weiteren Preisen prämiert, erzählt der Film auf eindrucksvolle Weise von Kindheitsschicksalen am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Der Bau überlebte die Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs und die Abrisswelle der DDR-Zeit, doch jetzt benötigt er selbst dringend Schutz. Bemoost, beulig und mit Rissen versehen, lassen sich schon von außen die statischen Probleme des Feldsteinbaus erahnen. Bitte helfen Sie dem Turm der Dorfkirche Netzow!

Bitte helfen Sie dem Turm der Dorfkirche Netzow!


Glockengeläut als Gefahrenquelle

Netzow befand sich über Jahrhunderte im Besitz des Havelberger Domkapitels. Der wuchtige Querwestturm wurde nach dem Havelberger Vorbild errichtet, wie viele Kirchen in der Prignitz. Allein das Errichten dieses mächtigen Baukörpers verschlang bis zu vierzig Prozent der gesamten Baukosten. Viel mehr als der Baubeginn im 15. Jahrhundert ist von der Geschichte der Netzower Kirche jedoch nicht bekannt. Auf den ersten Blick erkennt man jedoch, dass der Ostschluss späteren Datums als der wuchtige Turm ist. 1886 wurden ein neugotischer Stufengiebel und ein kurzer Chor aus Backstein angefügt. Dieser nimmt Bezug auf die ebenfalls in Backstein ausgeführten Kanten und Giebel des Turms, der durch Blenden gegliedert wird. Zeitgleich gestaltete man das Kircheninnere mit Kanzel, Gestühl und Westempore neugotisch um. Idyllisch ländlich gelegen, aus einer anderen Zeit stammend und weit entfernt von aller Aufregung wird Netzow oft von Menschen besucht, die dem „Weißen Band“ rund um die Kirche nachspüren wollen. Berührungspunkte mit der Geschichte, nicht nur mit der fiktiven im Film, gibt es genug: Die Glocken sind in den 1920er-Jahren gegossen worden. Die ursprünglichen aus dem 15. Jahrhundert wurden im Ersten Weltkrieg als Material für die Rüstungsindustrie eingezogen. Und mit den Glocken zeigt sich der Grund allen Übels.

Ein Turm in Bewegung

Der Glockenstuhl macht der Kirche von Netzow zu schaffen. Auffällige, zu verschiedenen Zeiten um den Kirchturm angesetzte Stützmauern belegen, dass sich die Probleme nicht erst in jüngster Zeit entwickelt haben. Problematisch ist, dass das Tragwerk für die Glocken nicht separiert in den Baukörper eingebaut, sondern direkt mit dem Mauerwerk verbunden wurde. Hinzu kommt, dass die Mauern im Zweischalenprinzip erbaut worden sind. Zwischen der äußeren und inneren Hülle befindet sich Füllmaterial. Durch die immensen Schwingungen des Glockenstuhls beim Läuten verrutschte das Innere der Mauerfüllung über die Jahrhunderte und bescherte den Mauern Ausbeulungen und Risse. Die Glocken sind schon seit zehn Jahren verstummt, besonders das Feierabendläuten und das Weihnachtsgeläut vermissen die Netzower seit langer Zeit schmerzlich. Nur in besonderen Ausnahmefällen werden die Glocken noch angeschlagen: per Hand mit dem Klöppel, um weitere schädigende Schwingungen zu vermeiden. Bei Wind und Sturm bewegt sich der Kirchturm stark, fast meint man in diesen Momenten, ein Einsturz stünde unmittelbar bevor. Welch massive Drücke mittlerweile auf dem Mauerwerk lasten, lässt sich anhand eines Mauerankers auf der Südseite des Turms eindrucksvoll nachvollziehen. Dieser wurde durch die ständigen Bewegungen des Turms schon halb ins Mauerwerk hineingezogen.

Hoffnung für ein bedeutendes Baudenkmal

Wie der Turm saniert werden kann, steht bereits fest. Die Substanz ließe sich retten, indem man den Turm mit Verstrebungen stabilisiert und den Baukörper somit von innen nach außen sichert. Dabei sollen die alten, reichlich vorhandenen Anker aufgearbeitet und wiederverwendet oder zumindest nach altem Vorbild nachgearbeitet werden. Das äußere Erscheinungsbild soll nicht verändert und möglichst wenig in die Originalsubstanz eingegriffen werden. Von höchster Wichtigkeit ist das Entkoppeln des Glockenstuhls vom Mauerwerk. Erst danach kann dann der Kirchturm aus Feldsteinen saniert werden, im Fall der Netzower Kirche bedeutet dies die Füllung der Beulen und Sanierung der Risse. Die großen, den Turm bislang stützenden Strebepfeiler benötigt man hiernach nicht mehr, diese ließen sich sogar in Eigenleistung durch die Gemeinde rückbauen. Was zur Umsetzung noch fehlt, sind die notwendigen finanziellen Mittel, eine Leistung, die die kleine rührige Kirchengemeinde von Netzow allein niemals stemmen kann. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, das sakrale Kleinod in der Prignitz zu retten!

Spätgotische Feldsteinkirche, spätes 15. Jh., 1884 Erweiterung der Kirche um einen rechteckigen Chorraum

Adresse:
Netzower Dorfstr.
19339 Plattenburg
Brandenburg