Juleum
Helmstedt, Niedersachsen

Juleum

Das Athen der Welfen

Er war kein Mann des Waffengangs, vielmehr des Geistes. Julius (1528-89), Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, wurde als jüngster Sohn von Herzog Heinrich des Jüngeren (1489-1568) geboren. Julius war nie für die Herrschaft vorgesehen. Durch einen Unfall in frühester Kindheit hatte er leicht verkrüppelte Füße und war im Gegensatz zum draufgängerischen Vater ein schlechter Reiter. Deshalb war für ihn eine kirchliche Karriere geplant. Doch seine Brüder starben in Kriegen. So wurde Julius Herrscher und konnte seinen Traum verwirklichen: 1576 gründete er die Academia Julia in Helmstedt – die erste protestantische Universität im Norden Deutschlands und ein Zentrum des Wissens im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die prachtvolle Renaissancefassade, hinter der über Jahrhunderte gelehrt und geforscht wurde, ist von zahlreichen Rissen durchzogen, aus denen der Putz rieselt. Feuchtigkeit zieht langsam ein und schädigt den Bau in seinem Kern.

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Juleum – Hauptwerk der Weserrenaissance

1592 wurde mit dem Bau begonnen, das heute ein Hauptwerk der Weserrenaissance ist. Durch zahlreiche berühmte Persönlichkeiten verbreitete sich der Ruf der neuen Hochschule, so dass die Academia Julia in Helmstedt zu Beginn des Jahres 1625 die drittgrößte Universität des deutschen Sprachraums war, mit bis zu 500 Studenten jährlich. Doch durch die Dominanz der rigoros orthodox-lutherisch ausgerichteten Theologischen Fakultät in Helmstedt begann die Attraktivität der Academia Julia zu sinken. In Helmstedt hielt man dogmatisch an Luthers Bibeltheologie fest und öffnete sich weniger für Ideen der Aufklärung.

Schließung unter Fremdherrschaft

Mit der Errichtung weiterer Hochschulen in Norddeutschland verlor die Academia Julia in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihren akademischen Stellenwert. 1795 studierten nur noch 97 junge Männer in Helmstedt. Mit dem Untergang des Alten Reiches 1806/1807 kam Helmstedt unter die Verwaltung des napoleonisch kontrollierten Königreichs Westphalen unter König Jérôme Bonaparte, der die Academia Julia 1810 schließen ließ.

Geblieben sind Gebäude, die mit Sicherheit zu den schönsten Bauten der Bildung hierzulande gehören. Das palastartige Aula-Gebäude Juleum Novum wurde 1597 fertiggestellt - das schönste Bauwerk der Stadt mit riesigen Fenstern und reichen Schaugiebeln. Den Turm mit Wendeltreppe und schrägen Fenstern schmückt das elfteilige Wappen von Gründer Herzog Julius. Der Turmaufstieg mit 153 Stufen wird mit dem schönsten Ausblick über Helmstedt belohnt. Die Aula - das Auditorium Maximum - wird heute für Konzerte und Vorlesungen genutzt. Viele Wandflächen einschließlich der Fenster, Ornamentik, Ziergiebel und Dachanschlüsse müssen jetzt saniert werden. Helfen Sie uns, das Juleum zu erhalten!

Profanbau, errichtet zwischen 1592 und 1615 im Stil der Weserrenaissance, Förderung 2018

Adresse:
Collegienstr.
38350 Helmstedt
Niedersachsen