13.10.2020 – Bayern

Erneute Förderung eines Bürgerhauses in der Hauptstraße in Karlstadt

Bürgerhaus in der Hauptstraße in Karlstadt © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schabe

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Sinnsprüche im Bürgerhaus in der Hauptstraße in Karlstadt © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schabe

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Sinnspruch im Bürgerhaus in der Hauptstraße in Karlstadt © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schabe

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Stadtgeschichtlich und städtebaulich bedeutsam

Bei dem Bürgerhaus Hauptstraße 9-11 in Karlstadt stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) für die Instandsetzung der historischen Sichtfachwerkfassaden zur Brunnengasse hin auch in diesem Jahr erneut 50.000 Euro zur Verfügung. Bereits im vergangenen Jahr unterstützte die Stiftung die Stadt bei der Wiederinstandsetzung des Zierfachwerkgiebels von 1376 sowie der gesamten historischen Dachflächen des Gebäudes mit einem Fördervertrag über 50.000 Euro. Möglich wurde die Förderung durch zahlreiche Spenden sowie die Lotterie GlücksSpirale, deren Destinatär die DSD ist. Das ortsbildprägende Eckgebäude ist eines der über 440 Objekte, die die private Denkmalschutzstiftung dank Spenden, Erträge ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.

Das Bürgerhaus in der Hauptstraße 9 bildete ursprünglich mit dem Nachbarhaus Nummer 11 eine geschlossene befestigte Anlage. Sie wurde vermutlich im 18. Jahrhundert geteilt. Das dreigeschossige Halbwalmdachhaus mit Spitzbogenportal entstand zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert. Die Eckgebäude sind bis zum ersten Obergeschoss massiv aus Bruchstein gemauert, ebenso die Umfassungsmauer entlang der Brunnengasse. Das zweite Obergeschoss des Vordergebäudes ist in Fachwerk ausgeführt, darüber befindet sich das in Nord-Süd-Richtung ausgerichtete Dachgeschoss. In einer Erweiterung Anfang des 16. Jahrhunderts entstand ein zweigeschossiger Fachwerkaufbau mit hofseitigem Laubengang zwischen den Seitenflügeln. Das darüber liegende in West-Ost-Richtung ausgerichtete Dachgeschoss wurde bis über das östliche Eckgebäude geführt und schließt westseitig an die Dachkonstruktion des Vordergebäudes an.

Von besonderer Bedeutung sind die Ausmalungen und Fassungen im Fachwerkbau des zweiten Obergeschosses. Die selten anzutreffenden Malereien entstanden Mitte des 16. Jahrhunderts und zeigen Sinnsprüche und Adelswappen, Landsknechte mit Kriegsgerät und Jagdszenen. Bedeutsam sind auch der Wappenstein aus dem Jahr 1488, eine gotische Bohlenwand und eine Tür im Vordergebäude von 1489 sowie der historische Dachstuhl von 1376, der in Teilen erhalten ist. Der rückwärtige von 1531 ist sogar komplett. In der Stube hat sich eine Bohlenbalkendecke erhalten.

Das stadtgeschichtlich und städtebaulich bedeutende Anwesen überliefert mit seinen außergewöhnlichen Befunden den herrschaftlichen Anspruch des Fürstbistums Würzburg in der als Oberamtssitz dienenden Stadt Karlstadt.