Salzwedel, Sachsen-Anhalt

Ehem. Badehaus

Prototyp eines medizinischen Badehauses

Baden tut gut, beim Baden trifft man sich – frei nach dieser Devise gab es bereits in der Antike eine rege Badekultur. Im Mittelalter entstanden öffentliche Badstuben, die mehr und mehr Teil der Alltagskultur wurden. Sie dienten nicht nur der Hygiene, sondern auch der Gesundheitspflege. Ein Prototyp der ersten medizinischen Badehäuser Deutschlands steht in Salzwedel. Doch jahrelanger Leerstand und stockende Sanierungsarbeiten setzten dem bedeutenden Bauwerk massiv zu. Einige Teile waren schon verloren. 2023 konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auch dank Spenden die statische Sicherung des Badehauses unterstützen!

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200 Jahre Haus für die Gesundheit aller

Das Badehaus in Salzwedel sticht in vielerlei Hinsicht aus dem reichen architektonischen Erbe der Stadt hervor. So ist das Denkmal im wahrsten Sinne des Wortes Teil der Stadtgeschichte, denn seine hintere Wand besteht aus der historischen Stadtmauer. Auch sorgt der Standort auf einem verwunschenen Areal am westlichen Jeetze-Ufer für eine außergewöhnliche Atmosphäre. Um 1820 entstanden, ist es zudem eine der ersten Einrichtungen zur Verbesserung der Volksgesundheit in Deutschland. Salzwedel hat sein Badehaus dem Armenarzt der Stadt, Dr. Christoph Seebode, zu verdanken. Er forschte vor allem zu Seuchenbekämpfung und lernte als Assistenzarzt in Berlin die aufkommenden Flussbäder kennen. So lässt sich das Denkmal in der alten Hansestadt als baulicher Ausdruck seiner medizinischen Erkenntnisse begreifen: In der Prophylaxe- und Heileinrichtung therapierte Seebode Gefäß-, Atemwegs- und Hautkrankheiten sowie Gicht und Rheuma. Geöffnet war es bis 1857 und stand Personen aus allen Bevölkerungsschichten offen.

Das symmetrisch angelegte Haus wies laut Befunden dafür Wasserbecken, Kanäle und eine Befeuerungsanlage auf. Errichtet ist es als zweigeschossiger klassizistischer Fachwerkbau mit Satteldach. Besonders auffällig und außergewöhnlich ist die an antike Bauten erinnernde Fassade zur Flussseite hin: Eine im Erdgeschoss elfachsige Säulengalerie mitsamt dem einem griechischen Tempel nachempfundenen Mittelrisalit verleihen dem rund 200 Jahre alten Bau eine imposante Erscheinung. Die Originalsäulen aus Holz sind bis heute erhalten.

Teil der Stadtgeschichte erhalten

Doch das Haus für die Gesundheit kränkelte. Das Denkmal war bereits seit den 1950erJahren baufällig und sollte eigentlich abgerissen werden. Die Stadt, ab 1939 Eigentümer des Gebäudes, hielt an diesen Plänen offenbar nicht fest. So stand das Bauwerk nach der Wende leer – und war damit jahrelang Verfall und Zerstörung ausgeliefert. Auch entstanden durch unsachgemäßen Rückbau Schäden in der Statik des Gebäudes. Die Stadtmauer wies Setzungsrisse auf, die Fassade war mit Graffiti verschmutzt. Fenster fehlten oder waren stark beschädigt. Der gesamte Lehmputz und die hintere, stadtseitige Fassade waren verloren. Letztere bestand nur noch aus einer zerfetzten Plane.

Seit 2022 hat das Badehaus neue Besitzer, die es denkmalgerecht instandsetzen. Eine Balkenkonstruktion deutet die hintere Wand an, das Fachwerk wurde exakt nach den alten Plänen gesteckt. Für die vollständige „Heilung“ des besonderen Denkmals war noch mehr zu tun: Wichtig war die Sicherung der statischen Konstruktion. Mit Hilfe Ihrer Spenden konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sich für den Erhalt des authentischen Zeugnis der medizinischen Badehäuser einsetzen und seine Genesung voranbringen.

Das ehem. Badehaus vor der Sanierung.
Das ehem. Badehaus vor der Sanierung.
Das ehem. Badehaus vor der Sanierung.
Das ehem. Badehaus vor der Sanierung.
Das ehem. Badehaus vor der Sanierung.