Als einer der ältesten und bedeutendsten Leuchttürme Deutschlands hat der Rote Sand im Laufe der letzten 150 Jahre vielen Stürmen getrotzt. Seine ereignisreiche Geschichte gibt Einblicke in die Herausforderungen, mit denen stetigem Wind und Wetter ausgesetzte Denkmale konfrontiert sind. Der Erhalt des ersten Offshore-Bauwerks der Welt ist seit vielen Jahren eine technische Herausforderung, die sich aktuell unter anderem auch durch die Folgen des Klimawandels drastisch verschärft hat. Auf Dauer scheint die Beibehaltung des aktuellen Standorts nicht machbar und eine Translozierung wird als letzte Lösung in Betracht gezogen, um dieses außergewöhnliche Denkmal zu retten.
In unserer Chronik können Sie die Geschichte des Leuchtturms nachvollziehen und Informationen zum aktuellen Erhaltungszustand und Rettungsoptionen finden.
Im Rahmen des Auswahlverfahrens haben sich vier Standorte beworben. In einem weiteren Schritt wird nun die Machbarkeit am favorisierten Standort Fedderwardersiel in der Gemeinde Butjadingen geprüft. Dies umfasst den Vorgang der Umsetzung ebenso wie baurechtliche Aspekte am neuen Standort.
Das Gelände, mit dem sich Fedderwardersiel beworben hat, befindet sich in Sichtweite des Krabbenkutterhafens, in direkter Küstennähe. Der Standort ist sowohl über den Seeweg als auch über Land zu erreichen und bietet eine freie Blickachse zum Meer. Zudem erfüllt der Standort Fedderwardersiel die gewünschten technischen und infrastrukturellen Anforderungen.
Nach dem heutigen Kenntnisstand ist eine dauerhaft sichere und denkmalgerechte Erhaltung des Leuchtturms Roter Sand am bisherigen Standort in der Außenweser nicht mehr realistisch und mit dem Risiko des Totalverlustes verbunden. Die Gründe dafür sind insbesondere die sich verändernden Strömungs- und Bodenverhältnisse, zunehmende extreme Wetterereignisse infolge des Klimawandels, einhergehend mit höherem Wellenschlag, sowie neue Erkenntnisse zur Standsicherheit des Turms. Zudem führt die stark eingeschränkte Erreichbarkeit zu enormen Herausforderungen bei der Pflege und Wartung des Turms und in der Folge zu einer steten Verschlechterung des Erhaltungszustands. Dazu kommen erhöhte Anforderungen des Umwelt- und Naturschutzes im Bereich des Welterbes Wattenmeer, die Eingriffe vor Ort, zusätzlich begrenzen.
Die Herausforderungen waren Gegenstand mehrerer Gutachten und öffentlicher Symposien. Eine nachhaltige Wartung ist kaum noch möglich, und die Risiken für einen Totalverlust steigen. Vor diesem Hintergrund ist die Umsetzung des Leuchtturmoberteils für alle Verantwortlichen die letzte realistische Option, um dieses langfristig zu bewahren. Es wurde sich bewusst für diesen Schritt entschieden, um einen unkontrollierten Verlust des Leuchtturms mit allen damit verbundenen Risiken zu verhindern und seine historische Substanz auch für folgenden Generationen zu erhalten.
Als Alternativen diskutiert wurden ein „kontrollierter Verfall“, etwaige Möglichkeiten zu Erhalt und Pflege am jetzigen Standort unter den nun herrschenden Bedingungen (Wetterlage, Umweltschutz, schwere Erreichbarkeit, Anforderungen an Statik für Off-Shore-Gebäude) bis hin zu einer Schutzummantelung, die das äußere Erscheinungsbild allerdings komplett verändern würde, sowie eine Innenverstärkung, die den Zugang erheblich eingeschränkt hätte und mit starken Eingriffen in die Substanz verbunden gewesen wäre.
Entsprechend erfahrene Transportunternehmen halten eine Versetzung für gut realisierbar. Die konkrete Ausführung wird zu einem späteren Zeitpunkt begleitet von einem geeigneten Ingenieurbüro geplant.
Am bisherigen Standort verbleiben der denkmalgeschützte Caisson und Sockel des Leuchtturms. Zur Sicherung des Schifffahrtverkehrs wird er entsprechend markiert.
Translozierung ist mit den Grundsätzen des Denkmalschutzes vereinbar, wenn es ansonsten keine andere Möglichkeit zum Erhalt des Denkmals gibt. Diese Situation ist für das Oberteil des Leuchtturms Roter Sand leider gegeben.
Die Entscheidung für eine Translozierung wird in enger Abstimmung mit der zuständigen Denkmalbehörde getroffen. Ziel ist es, die historische Substanz des Leuchtturm-Oberteils möglichst vollständig zu bewahren. Der Caisson – das historische Fundament unter Wasser, das an Ort und Stelle verbleibt – ist weiterhin eingetragenes Denkmal. Das Turmoberteil besitzt aufgrund seiner historischen Bedeutung und seiner ikonischen Wirkung Denkmalwert. Dieser muss vom Fachamt jedoch neu festgestellt und begründet werden.
Konkrete Zahlen stehen erst nach Abschluss des Bauantragsverfahrens und der Ausschreibungen fest, doch ist bereits klar, dass die Translozierung und die aufgelaufenen Sanierungsarbeiten ein Millionenprojekt werden. Die spendensammelnde Deutsche Stiftung Denkmalschutz wird die Mittelakquise wie alle bisherigen Entscheidungen gemeinsam mit Bund, Landesamt und Gemeinde betreiben.
Am neuen Standort soll das Turmoberteil fachgerecht restauriert, statisch ertüchtigt und auf einen neuen Sockel gesetzt werden, als dauerhaftes Zeugnis für die Leuchtturmtechnik sowie die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Leuchtturmwärter. Als neues, gut sichtbares Wahrzeichen wird es erstmals für eine breite Öffentlichkeit zugänglich sein. Zudem gibt es Überlegungen, den Leuchtturm bereits während der Sanierungsarbeiten im Rahmen von Baustellenbesichtigungen für Interessierte zeitweise zu öffnen.
Die Translozierung des Leuchtturms Roter Sand wird von erfahrenen Ingenieuren und Restauratoren begleitet und sorgfältig vorbereitet. Die historische Substanz des Bauwerks soll während der Umsetzung bestmöglich geschützt werden.
Vor dem Transport wird das Inventar des Leuchtturms vorsichtig entnommen und gesichert. Die Innenschale wird sorgsam geschützt, ehe eine Aussteifung für den Transport montiert wird. Alle Arbeitsschritte werden dokumentiert.
Anders als in der Außenweser ist der künftige Standort deutlich besser zugänglich und weniger extremen Wetter-, Strömungs‑ und Welleneinflüssen ausgesetzt. Zudem ermöglicht der neue Standort regelmäßige Wartung, Kontrolle und Instandhaltung, die derzeit nicht ohne Gefahr für Umwelt und Mensch möglich sind.
Der Leuchtturm Roter Sand konnte über viele Jahrzehnte hinweg an seinem jetzigen Standort in der Außenweser erhalten werden. Dieser wurde jedoch über die Zeit immer schwerer erreichbar, geeignete Transportmittel stehen nicht mehr zur Verfügung. Strengere Sicherheits- sowie Naturschutzauflagen – bedingt durch die Nähe zum Weltkulturerbe Wattenmeer – schränken die Zugänglichkeit und mögliche Arbeiten zunehmend ein. Die Stiftung hat sich in einer transparenten Diskussion mit Fachleuten intensiv Gedanken über die Zukunft des Leuchtturms Roter Sand gemacht. Da der Erhalt in situ der favorisierte Weg gewesen wäre, wurden alle möglichen Szenarien umfassend untersucht. Das alles ist zeitintensiv.
Nachdem der Bund 1987 durch das Überstülpen einer Stahlmanschette den defekten Caisson gesichert hat, übernahm die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit ihrer treuhänderischen Stiftung Leuchtturm Roter Sand den Turm in ihre Obhut. Folgende Maßnahmen wurden danach zum Erhalt unternommen: regelmäßige Wartungsarbeiten und Korrosionsschutzmaßnahmen, Außen- und Innenanstriche, die Wiederherstellung der Innenräume nach historischen Plänen, die Anbringung von Anlegedalben für Besucherschiffe, die Restaurierung der historischen Fenster und zahlreiche weitere handwerkliche Arbeiten. Hier ist besonders auch dem Förderverein Leuchtturm Roter Sand für sein kontinuierliches ehrenamtliches Engagement und die Begleitung vieler Wartungsmaßnahmen zu danken. Investiert wurden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz über eine Million Euro Spendenmittel.
Der Leuchtturm Roter Sand ist ein relevantes Denkmal der Ingenieurbaukunst und das erste Offshore Bauwerk der Geschichte Deutschlands. Aufgrund seiner Geschichte und seiner Bekanntheit hat er eine große Anhängerschaft. Aufgrund seiner ungewöhnlich langen Lebensdauer ist sein Erhalt zugleich eine Verpflichtung für Eigentümer, Besitzer und Denkmalpfleger. Der Einsatz der Mittel wurde und wird verantwortlich abgewogen – auch unter dem Gesichtspunkt, dass nicht alle Denkmale einen gleichen Erhaltungs- und Pflegeaufwand benötigen.
Nach jetzigem Stand wird der Leuchtturm im Besitz der Treuhandstiftung „Leuchtturm Roter Sand“ in der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bleiben, die sich auch weiterhin um das Turmoberteil und seine Bewahrung kümmern wird. Möglicherweise wird der Turm in das Eigentum der Stiftung übergehen.