© Dr. Holger Reimes, Moorfleeter Deich 483, Zustand 09/2015 vor der Notsicherung

Die Jugendbauhütte Hamburg

Die Jugendbauhütte Hamburg ist die jüngste Bauhütte in Deutschland: sie wurde im Dezember 2015 ins Leben gerufen und ist die 14. Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Sie wird getragen von einer eigens gegründeten gemeinnützigen GmbH, die den Betrieb der Jugendbauhütte in Hamburg finanziell sicherstellt. Und das ist nicht alles! Die Gesellschaft hat sich den Erwerb geeigneter Baudenkmale und deren denkmalgerechte Restaurierung als Lehrbaustellen für junge Menschen und die selbstlose Förderung anderer Baudenkmale zum Ziel gesetzt – und dies mit dem Erwerb eines ersten Denkmals vor den Toren Hamburgs bereits in die Tat umgesetzt.
Diese direkte Verbindung der Hamburger Jugendbauhütte mit einem wertvollen „eigenen" Denkmal, dem Hufnerhaus in Moorfleet, ist etwas ganz Besonderes. Hier startete im September 2016 der erste Jahrgang dieser neuen Jugendbauhütte.

3, 2, 1...0 - Rettung in letzter Minute

Das im Kern fast 500 Jahre alte Hufnerhaus in Hamburg-Moorfleet ist einer der letzten Vertreter des großen niederdeutschen Hallenhauses auf dem Billwerder und zählt zu den ältesten erhaltenen Fachwerkhallenhäusern Norddeutschlands überhaupt. Diese historische Kostbarkeit konnte durch den Ankauf der gGmbH „Jugendbauhütte Hamburg" in letzter Minute vor dem Abriss gerettet und als Kulturerbe für die Stadt Hamburg bewahrt werden. In einem ersten Schritt wurde das Haus mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz notgesichert. Nach Bauforschung und Projektplanung gab es weitere Sanierungsmaßnahmen an denen bereits die ersten Teilnehmer mitwirkten. Die jungen Freiwilligen konnten beim Reetdachdecken helfen und mit ihrem Fachanleiter erste Sicherungsarbeiten am Hufnerhaus durchführen. Doch bis das Hufnerhaus wie geplant zum Sitz der Jugendbauhütte Hamburg werden kann, bleibt noch viel zu tun.

Flett, Dönzen, Rähme und Kellenstrich - neues Vokabular für den Nachwuchs

Neben der Tätigkeit auf der Lehrbaustelle, sind die Teilnehmer der Jugendbauhütte Hamburg auch in den verschiedensten Einsatzstellen aus den Bereichen Handwerk und Denkmalpflege aktiv. Sie können dem Restaurator über die Schulter schauen und natürlich auch selbst Skalpell und Wattebausch in die Hand nehmen.
Sie werden erfahren, dass die Arbeit in einer Denkmalbehörde nicht nur durch Schreibtischarbeit erledigt wird. Sie werden erkennen, was es bedeutet, die Kelle schon am frühen Morgen zu schwingen und wie erfüllend es sein kann, am Abend geschafft ins Bett zu fallen. Das Prinzip der Bauhütten „gemeinsam Leben und Arbeiten“ wird besonders durch die mehrfach im Jahr stattfindenden Seminarwochen umgesetzt.
Nach erprobten Seminarplänen wird praktisches, aber auch theoretisches Wissen über Handwerkstechniken, Materialkunde, Kunst- und Baugeschichte durch engagierte Fachleute vermittelt.

Netze knüpfen für den Denkmalschutz

Die Gründung der Jugendbauhütte Hamburg schaut weit in die Zukunft der Stadt. Das Hamburger Modell soll als Beispiel und Vorbild dienen, dass allenthalben leerfallende und bereits leer stehende Bauwerke durch einen Bauhüttenbetrieb einer neuen Nutzung zugeführt und mit Leben gefüllt werden können. Durch die Vorteile eines lokal begrenzten Handlungsfeldes (Stadtstaat, Großstadt) und eines hervorragenden Netzwerkes vieler am Denkmalschutz beteiligter Institutionen, Handwerker, Restauratoren, Architekten u.v.a. kann und soll sich perspektivisch eine praktische und theoretische Plattform für Anerkennung, Austausch, Aus- und Weiterbildung ergeben.
In einer Zeit, in der ökonomischer Druck viele ältere Bauwerke dem Verfall oder dem Abriss überlässt und das fachliche Wissen über die baulichen Leistungen früherer Zeiten verloren geht, ist es geboten, der jungen Generation über den Zugang zu historischen Bauten andere Lebensentwürfe anzubieten und Augen und Türen zu öffnen.

Ansprechpartnerin

Eva Pfennig

Leitung Jugendbauhütte Hamburg

05121 3061773

Einsatzstellen