Die Jugendbauhütte Hamburg

Sie ist etwas Besonderes, die Jugendbauhütte in Hamburg! Gut eingebettet im Netzwerk der Jugendbauhütten unter Federführung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der pädagogischen Betreuung durch die internationalen Jugendgemeinschaftsdienste hat sich erstmalig eine gemeinnützige GmbH gegründet, die den Betrieb der Jugendbauhütte in Hamburg finanziell sicherstellt. Die Gesellschaft hat sich den Erwerb geeigneter Baudenkmale und deren denkmalgerechte Restaurierung als Keimzelle und Lehrbaustelle für eine Jugendbauhütte Hamburg sowie die selbstlose Förderung anderer Baudenkmale in Hamburg als Ziel gesetzt.

Die für Hamburg projektierte Jugendbauhütte greift das bewährte Modell auf und ermöglicht jungen Menschen einen hervorragenden Zugang zu Handwerk, Architektur und Baukultur. Sie gibt Orientierung in ihrer Lebens- und Berufsplanung und schafft die Möglichkeit, sich aktiv am Bewahren des kulturellen Erbes zu beteiligen. Das Besondere am Hamburger Modell der Jugendbauhütte ist die direkte Verbindung mit einem wertvollen Denkmal, welches als Praxisobjekt unmittelbar den „ersten Lehrmeister“ bildet.

3, 2, 1...0 - Rettung in letzter Minute

Ein im Kern fast 500 Jahre altes Hufnerhaus in Hamburg-Allermöhe ist einer der letzten Vertreter des großen niederdeutschen Hallenhauses in den Vier- und Marschlanden und zählt zu den ältesten erhaltenen Fachhallenhäusern Norddeutschlands überhaupt. Diese historische Kostbarkeit konnte im Herbst 2015 durch den Ankauf der gGmbH in letzter Minute vor dem Abriss gerettet und als Kulturerbe für die Stadt Hamburg bewahrt werden.

In einem ersten Schritt wurde das Haus mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz notgesichert. Im September 2016 übernahm dann der erste Jahrgang der Jugendbauhütte. Schritt für Schritt restaurieren die Teilnehmer das Gebäude unter fachlicher Anleitung und Bergleitung des Denkmalamtes. Das Dach wurde neu in Reet gedeckt, Sparren konnten ergänzt und Fensterflügel gesichert werden. Das Fachwerk des repräsentativen Südgiebel ist bereits vollständig instandgesetzt. Doch bis das Hufnerhaus wie geplant zum Sitz der Jugendbauhütte Hamburg werden kann, bleiben noch ca. 8 Jahre intensiver restauratorischer Ertüchtigung der Originalsubstanz.

Flett, Dönzen, Rähme und Kellenstrich - neues Vokabular für den Nachwuchs

Neben dieser Lehrbaustelle werden die jungen Menschen in den verschiedensten Einsatzstellen aus dem Bereich Handwerk und Denkmalpflege tätig. Sie können dem Restaurator über die Schulter schauen und auch selbst Skalpell und Wattebausch in die Hand nehmen. Sie erfahren, dass die Arbeit in einer Denkmalbehörde nicht nur durch Schreibtischarbeit erledigt wird. Sie erkennen, was es bedeutet, die Kelle schon am frühen Morgen zu schwingen und wie erfüllend es sein kann, am Abend geschafft ins Bett zu fallen. Das Prinzip der Bauhütten „gemeinsam Leben, Arbeiten und Lernen“ wird besonders durch die mehrfach im Jahr stattfindenden Seminarwochen umgesetzt. Nach erprobten Seminarplänen wird praktisches, aber auch theoretisches Wissen über Handwerkstechniken, Materialkunde, Kunst- und Baugeschichte durch engagierte Fachleute vermittelt.

Seit Mitte 2019 gibt es eine „eigene“ Villa als Unterkunft für die Teilnehmenden in Hamburg. Direkt an der Norderelbe und in unmittelbarer Nähe zur Lehrbaustelle am Moorfleeter Deich konnte die Jugendbauhütte Hamburg gGmbH das ehemalige Schöpfwerk der Hamburger Wasserwerke GmbH nebst Beamtenwohnhaus (Villa) übernehmen. Mit viel Elan und Wochenendarbeit richteten sich die Freiwilligen im ersten Obergeschoss ein. Im Laufe der nächsten Jahre wird das denkmalgeschützte Ensemble weiter fachgerecht saniert werden Damit stehen der Jugendbauhütte Hamburg nun insgesamt vier denkmalgeschützte Gebäude nebst Freiflächen zur sukzessiven behutsamen Instandsetzung und Nutzung zur Verfügung.

Netze knüpfen für den Denkmalschutz

Die Gründung der Jugendbauhütte Hamburg schaut weit in die Zukunft der Stadt. Das Hamburger Modell soll als Beispiel und Vorbild dienen, dass allenthalben leerfallende und bereits leer stehende Bauwerke durch einen Bauhüttenbetrieb einer neuen Nutzung zugeführt und mit Leben gefüllt werden können. Durch die Vorteile eines lokal begrenzten Handlungsfeldes (Stadtstaat, Großstadt) und eines hervorragenden Netzwerkes vieler am Denkmalschutz beteiligter Institutionen, Handwerker, Restauratoren, Architekten u.v.a. kann und soll sich perspektivisch eine praktische und theoretische Plattform für Anerkennung, Austausch, Aus- und Weiterbildung ergeben.
In einer Zeit, in der ökonomischer Druck viele ältere Bauwerke dem Verfall oder dem Abriss überlässt und das fachliche Wissen über die baulichen Leistungen früherer Zeiten verloren geht, ist es geboten, der jungen Generation über den Zugang zu historischen Bauten andere Lebensentwürfe anzubieten und Augen und Türen zu öffnen.
 

Ansprechpartnerin

Eva Pfennig

Leitung Jugendbauhütte Hamburg

05121 3061773

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