Synagoge
Binswangen, Bayern

Synagoge

Jahrzehntelang sah der große Rechteckbau aus wie eine Scheune. Die Fenster waren vermauert, die hohen Stufengiebel abgetragen, die reich verzierten Portale verschwunden. Nichts deutete darauf hin, dass dies die Synagoge von Binswangen war. Die Nationalsozialisten hatten ihr Inneres in der Reichspogromnacht 1938 verwüstet, nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Lagerhalle für Kunstdünger. 1987 kam das jüdische Bethaus durch ein Konkursverfahren unter den Hammer. Da griff der Landkreis Dillingen zu und ersteigerte das Bauwerk. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gab mit einem Zuschuss die Initialzündung zu einer umfangreichen Restaurierung, die 1996 abgeschlossen wurde. Jetzt zieren wieder hohe Treppengiebel das hellverputzte Gebäude, auf der Spitze bekrönt von den steinernen Gesetzestafeln Moses´ und der Ehernen Schlange. Auffällig sind die orientalisch anmutenden Portale mit ihren farbig abgesetzten Hufeisenbögen. Solche maurischen Elemente verwendete man im 19. Jahrhundert häufig für Synagogenbauten. In Binswangen hat sich das älteste Beispiel erhalten, errichtet 1836/37. Damals lebten an die 400 Juden in dem kleinen Ort, meist Leder-, Tuch- und Viehhändler. Selbstbewusst entschieden sie sich für eine Synagoge im neumaurischen Stil, der sich deutlich vom christlichen Kirchenbau abhebt. Im Innern überrascht der Bau mit vergoldeten Palmettensäulen und ornamental bemalten Emporen, auf denen einst die Frauen Platz nahmen. Die Nische für den Thoraschrein jedoch bleibt leer: Eine jüdische Gemeinde gibt es hier heute nicht mehr. Die ehemalige Synagoge dient nun als Ort des Gedenkens und als Begegnungsstätte.

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Zweigeschossiger verputzter Backsteinbau, 1836/37 von Leonhard Christa, Förderung 1992/93

Adresse:
Judengasse
86637 Binswangen
Bayern