Nicolaihaus - ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Bezirk Mitte, Berlin

Vom Militärpalais zum Verlagshaus Nicolai

Das heutige Grundstück Nr. 13 umfasste ursprünglich zwei Parzellen, die im 16. Jahrhundert Hofangestellten gehörten. Nach einem Brand um 1650/60 ließ Hofarzt Böttcher sein Haus erneuern; die zweite Parzelle bekam er vom Kurfürsten als Geschenk. 1664 kaufte der spätere Cöllner Bürgermeister Heinrich Julius Brandes das gesamte Ensemble und ließ es 1674 zu einem zweigeschossigen Haus mit Mitteleingang und Satteldach ausbauen. Davon sind die Grundmauern und Gewölbekeller bis heute erhalten. Ab 1709 befand sich das Anwesen im Besitz hochrangiger Militärs und Minister. 1710/11 wurde das Gebäude zu Gebäude zu einem Adelspalais mit repräsentativen Raumfluchten ausgebaut.

Nachdem Friedrich Nicolai das Haus 1787 für 32.500 Taler erworben hatte – das wären heute umgerechnet fast vier Millionen Euro– ließ er es nochmals durch Carl Friedrich Zelter umbauen. Damals erhielt das Gebäude sein spätbarock-klassizistisches Aussehen, das sich im Großen und Ganzen bis heute erhalten hat. Im Erdgeschoss wurden Buchhandlung und Verlag untergebracht. Nach dem Umzug der Nicolaischen Buchhandlung in die Dorotheenstraße im Jahr 1891 sollte sich der Charakter der traditionsreichen Ladenlokale im Erdgeschoss des Gebäudes allmählich ändern. Von den weiteren illustren Bewohnern des Hauses zeugen heute noch die zahlreichen Gedenktafeln an der Fassade des Gebäudes.


Zwischen Aufklärung und Nationalsozialismus

Der Einzug des Lessing-Museums im Jahr 1910 stellte den wohl gravierendsten Nutzungswandel in der Geschichte des Hauses dar. Mit diesem Datum setzte die Musealisierung von Teilen des historischen Geschäftsgebäudes ein. Gleichzeitig wurde das Nicolaihaus wieder Treffpunkt aufgeklärter und moderner Ideen aus Literatur und Musik.

1936 endete diese Phase abrupt mit der Schließung des Museums durch die Nationalsozialisten. Der Gartenflügel und Teile des linken Seitenflügels fielen später dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.


Beschädigt, wiederhergestellt - aber lange nicht wiederbelebt

Die durch Straßenkämpfe beschädigte Fassade des Nicolaihauses wurde ab 1952 wiederhergestellt. Die Innenräume des Nicolaihauses baute man für das Institut für Denkmalpflege der DDR zu Büros und Werkstätten um. Der linke Seitenflügel wurde 1953/54 wiederaufgebaut. Zwischen 1974 und 1984 wurde das Haus umfangreich restauriert. Eine bedeutende Maßnahme war der Einbau des Weydinger-Treppenhauses im Querflügel.

Das klassizistische Kleinod konnte aus dem sogenannten Ermelerhaus in der Breite Straße 11 gerettet werden, als dieses 1967 abgerissen wurde und fand seinen neuen Platz im hinteren Gebäudetrakt des Nicolaihauses. Nach der Wende und trotz Nutzung durch das Berliner Museum für Stadtgeschichte konnte das Haus nicht dauerhaft belebt werden – es stand seit 2007 leer.

© Bundesarchiv, Fassade vor 1891
© Bundesarchiv, Nicolai und Familie
© Bundesarchiv, Lessing-Museum
Barocker Putzbau mit Flügeln um einen rückwärtigen, geschlossenen Hof, im Kern 1664/74, als Adelspalais 1710/11 umgebaut und erweitert, weitere Umbauten 1787-1803 für Friedrich Nicolai, um 1860 und im 20. Jh., Förderung 2014

Adresse:
Brüderstr.
10178 Bezirk Mitte
Berlin

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